Autohaus Hotz und Heitmann, v.l.n.r.: Stephan Klages (Betriebsrat), Wiebke Schrader (Betriebsrätin), Olaf Radtke (Personalleiter), Hartwig Erb (IG Metall), Helge Fahr (Betriebsratsvorsitzender), Torsten Kietzmann (Sprecher), Alexander Reise (IG Metall) und Markus Wente (IG Metall) / Foto: IG Metall

Ist mein Autohaus fair zu seiner Belegschaft? Kunden können durch ihre Auswahl Einfluss ausüben und faire Betriebe fördern.
Das Siegel „AutohausFAIR“ hilft dabei, diese Firmen zu finden.
Wolfsburg/ Gifhorn/ Hildesheim (WB/IGMWOB)  – Die IG Metall zeichnete das Autohaus Hotz und Heitmann und das Autohaus Kühl in Niedersachsen mit dem Siegel „AutohausFAIR“ aus. Die Unternehmensgruppe mit derzeit 25 Standorten gehört zu den 20 größten Autohäusern in der Bundesrepublik. Zudem gehören die Autohäuser bundesweit zu den ersten, welche ihren Mitarbeitern einen früheren Renteneinstieg ohne finanzielle Verluste ermöglichen. Mit dem Tarifvertrag zum „Ausgleich von Rentenabschlägen“ wurde in diesen Autohäusern erstmals im Kfz-Gewerbe Tarifgeschichte geschrieben.

„Für uns ist klar: Wo viele Gewerkschaftsmitglieder arbeiten und wo ein Tarifvertrag gilt, geht es fairer zu.“ Markus Wente vom IG Metall Bezirk Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und Alexander Reise vom IG Metall Vorstand, überreichten der Geschäftsführung in Wolfsburg und Hildesheim das Siegel und erläuterten den Grund der Auszeichnung: „Das Autohaus Hotz und Heitmann und das Autohaus Kühl erfüllt in der Region in besonderer Weise unsere wichtigsten Kriterien für faire Arbeitsbedingungen: Tarifbindung, Mitbestimmung mit Betriebsrat und Zukunftssicherung durch Ausbildung“, erläutert Markus Wente weiter.

Schließlich leisten Beschäftigte in Kfz-Betrieben hochqualifizierte Arbeit. Wer ein Auto kaufen will, möchte durch einen Verkäufer vertrauensvoll beraten werden. Wer sein Auto warten oder reparieren lässt, wünscht sich höchste Fachkompetenz. Kurz gesagt: die beste Qualität zu einem fairen Preis. Aber nur jeder zehnte Handwerker sagt das auch von seinen Arbeitsbedingungen, so eine Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Oft klagen Beschäftigte im Handwerk darüber, dass die Anforderungen und der Leistungsdruck zu hoch sind. Und die Bezahlung zu niedrig.

Autohaus Khl in Hildesheim IGM

Autohaus Kühl, v.l.n.r.: Markus Wente (Tarifsekretär beim IG Metall-Bezirk Niedersachsen- und Sachsen-Anhalt), Ulrich Lentvogt (stellv. Betriebsratsvorsitzender), Torsten Olek (Verkaufsleiter der Marke Volkswagen im Autohaus Kühl in Hildesheim), Albert Gelbe (Betriebsrat in Hildesheim), Stephan Klages (Betriebsrat), Edgar Hensel (Verkaufsleiter der Marke Skoda im Autohaus Kühl in Hildesheim und Gifhorn), Helge Fahr (Betriebsratsvorsitzender), Alexander Reise (Ressort Handwerk beim IG Metall Vorstand) / Foto: IG Metall

„Die Autohäuser Hotz und Heitmann in Wolfsburg und Kühl in Gifhorn sowie Hildesheim sind die einzigen Kfz-Betriebe in der Region, die ihre Beschäftigten nach ordentlichen Tarifen entlohnen: Die rund 900 Beschäftigten des Autohaus Wolfsburg erhalten eine Lohnsteigerung in zwei Stufen: 2,5 Prozent ab Mai 2020 und weitere 2,4 Prozent ab Mai 2021.
Die Entgelte der rund 500 Beschäftigten an den sieben Standorten des Autohaus Kühl steigen in den kommenden Monaten in drei Stufen um insgesamt 5,4 Prozent. Außerdem wird im Autohaus Kühl die Arbeitszeit von derzeit 39 auf zukünftig 38-Stunden pro Woche bei vollem Lohnausgleich reduziert.
Die Ausbildungsvergütungen erhöhen sich für beide Unternehmen in zwei Stufen um jeweils 32 Euro pro Ausbildungsjahr.

Daneben konnten wir einen Tarifvertrag zum Ausgleich von Rentenabschlägen vereinbaren. Dieser verpflichtet beide Unternehmen, für Beschäftigte die das 50. Lebensjahr vollendet haben, 50 Euro pro Monat zusätzlich in die Deutsche Rentenversicherung einzuzahlen. Voraussetzung ist, dass sich der Beschäftigte mit weiteren 50 Euro beteiligt. Damit werden drohende Rentenabschläge bei einem verfrühten Renteneintritt abgemildert. Das Ergebnis der diesjährigen Tarifrunde passt in die gute wirtschaftliche Lage der Autohausgruppe“, erklärt Markus Wente, der von Seiten der Gewerkschaft zukünftig die Tarifverhandlungen führt.

Als besonders gelungen bezeichnete auch Betriebsratsvorsitzender Helge Fahr die im Kfz-Handwerk bundesweit einmalige Regelung zum Ausgleich der Rentenabschläge: „Die Autohäuser Hotz und Heitmann und das Autohaus Kühl mit ihren Niederlassungen in Wolfsburg und der Region sind im Kfz-Gewerbe die ersten Betriebe überhaupt, die den Tarifvertrag zum „Ausgleich von Rentenabschlägen“ abgeschlossen haben. Die Kolleginnen und Kollegen sind sich einig: Dieser Tarifvertrag ist unser gemeinsames Ziel. Darauf sind wir stolz.“

Wer heute vor Erreichen der Regelaltersgrenze in den Ruhestand geht, erleidet für jeden Monat des verfrühten Ausstieges einen Abschlag auf die gesetzliche Rente von 0,3%. Und das ein Leben lang. Jeder zweite Beschäftigte im Handwerk kann sich nicht vorstellen, bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten: „Mit 67 noch Räder und Getriebe stemmen, ist für viele unserer Kolleginnen und Kollegen nicht zumutbar. Mit dem Tarifvertrag zum Ausgleich von Rentenabschlägen bieten wir den Beschäftigten nun einen fairen und finanziell vertretbaren frühen Ausstieg aus dem Arbeitsleben. So gelingt bei uns der Generationenwechsel“, ergänzt Stephan Klages, Betriebsrat im Autohaus Kühl.

Billigheimer

„Qualifizierte Arbeit, mit der auch die Kunden zufrieden sind, setzt voraus, dass die Bedingungen dafür stimmen. Das sehen allerdings viele Inhaber von Autohäusern nicht immer so. Statt auf gute Arbeit, setzen sie auf einen ruinösen Preiswettbewerb beim Kunden. Immer weniger Kfz-Betriebe halten sich bundesweit noch an Tarifverträge. Skandalös ist, dass die Innungen sich ihrer tarifpolitischen Rolle entziehen und sich aus dem Tarifgeschäft verabschieden“, berichtet Alexander Reise vom IG Metall Vorstand. Das hat Folgen: Heute liegen die Einkommen im Handwerk rund 30 Prozent unter denen in der Industrie. Die Ausbildungsvergütungen sind nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung etwa 35 Prozent niedriger - schlecht für die Zukunft eines Betriebs in Zeiten von Fachkräftemangel, in denen Firmen händeringend Nachwuchs suchen.

Win-Win-Situation

Betriebe, die von der IG Metall mit dem Siegel „AutohausFAIR“ ausgezeichnet werden, können mit diesem Label um ihre Kunden werben. Dadurch entsteht eine Win-Win-Situation, denn diese Autohäuser wollen, dass ihre Mitarbeiter nicht nur arbeiten, sondern auch gut leben können. Und wer mit gutem Gefühl zur Arbeit kommt, sorgt auch für zufriedene Kunden.
„In Summe haben wir mit der IG Metall immer konstruktive Gespräche geführt und faire Lösungen gefunden. Die erhaltenen Auszeichnungen verdeutlichen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für uns das wichtigste Gut sind“, sind sich die Geschäftsführer Torsten Kietzmann, Geschäftsführer der Autohaus Wolfsburg Hotz und Heitmann Gruppe, und Ralph Buchweitz, Geschäftsführer der Autohaus Kühl Gruppe, einig.

Gewusst wo

Unter der Überschrift „Autohaus fair - Mach mit. Finde Deine Region“ sind im Portal autohaus-fair.de auf einer Deutschlandkarte alle beteiligten Autohäuser aufgelistet, die sich zu Tarifverträgen bekennen, in denen es Betriebsräte gibt, die die Interessen der Beschäftigten vertreten und die außerdem eine gute Ausbildung anbieten.
So können nach den Namen der Werkstätten, nach Orten, Marken oder Umkreis in Kilometern gesucht werden. Zurzeit schon in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und demnächst auch Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen. Also: mitmachen.