Foto: Bettlerin (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Mehr als zwei von drei Erwerbslosen in Deutschland sind von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Das geht aus Zahlen des EU-Statistikamts Eurostat hervor, die die Linken-Bundestagsfraktion ausgewertet hat

und über welche die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtet. Demnach lag die Quote im Jahr 2018 bei 69,2 Prozent. Innerhalb Europas seien die Erwerbslosen hierzulande besonders stark von Armut gefährdet. Im EU-Durchschnitt seien es im vergangenen Jahr 48,7 Prozent gewesen und somit 20,5 Prozentpunkte weniger als in Deutschland. Am zweithöchsten sei die Quote in Litauen mit 62,3 Prozent gewesen, wie aus den Eurostat-Zahlen hervorgeht.

"Die Befunde sind für den Sozialstaat Deutschland im wahrsten Sinne ein Armutszeugnis", sagte Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, der Zeitung. Durch die Einführung von Hartz IV habe sich Armut ausgebreitet und verfestigt. Es sei "ein Skandal", dass die Bundesregierung nicht gegensteuere, so die Linken-Politikerin weiter.

"Hartz IV muss durch eine sanktionsfreie Mindestsicherung ersetzt werden, die wirklich vor Armut schützt und Teilhabe ermöglicht", sagte Zimmermann der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung hat. 2018 lag die Grenze für alleinstehende Personen in Deutschland bei 13.628 Euro pro Jahr.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom Mittwoch waren im Jahr 2018 in Deutschland insgesamt 15,3 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das waren 18,7 Prozent der Gesamtbevölkerung und 200.000 Menschen beziehungsweise 0,3 Prozentpunkte weniger als 2017.