Foto: Friedrich Merz (über dts Nachrichtenagentur)

Saarbrücken (dts Nachrichtenagentur) - Friedrich Merz wird am Wochenende überraschend auf dem Deutschlandtag der Jungen Union (JU) sprechen. Das berichtet die "Welt" (Dienstagausgabe) unter Berufung auf den JU-Vorsitzenden Tilman Kuban. Brisanz erhält der Auftritt,

weil der Nachwuchs von CDU und CSU auf dem Jahrestreffen über eine Urwahl des Kanzlerkandidaten abstimmen wird. Dieser Antrag gilt als Misstrauensvotum gegen Kramp-Karrenbauer, die als Parteivorsitzende traditionell den ersten Zugriff auf eine Kanzlerkandidatur hat. Merz, der in der CDU formell lediglich den Posten des stellvertretenden Vorsitzenden des Wirtschaftsrates bekleidet, war anders als Kramp-Karrenbauer bisher nicht als Redner auf dem JU-Deutschlandtag vorgesehen. Nach der neuen Planung wird Merz bereits am Freitag zur Jungen Union sprechen - und damit vor der Abstimmung über eine Urwahl des Kanzlerkandidaten.

Obwohl der Deutschlandtag in Kramp-Karrenbauers Heimatstadt Saarbrücken stattfindet, soll die Parteivorsitzende nach bisheriger Planung erst am Sonntag sprechen - nach der Abstimmung über die Urwahl also. Die Forderung nach einer Basisabstimmung war zuletzt lauter geworden. Auch die konservative Werte-Union plant auf dem CDU-Parteitag im November einen entsprechenden Antrag.

Am Montag hatte der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in der "Bild"-Zeitung dafür geworben: "Ich finde diesen Gedanken einer Urwahl gar nicht so schlecht. Man darf sich darüber Gedanken machen." Die Parteiführungen von CDU und CSU stehen einer Urwahl hingegen skeptisch gegenüber.

Zuletzt hatten Spitzenpolitiker wie Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) und die beiden Generalsekretäre Markus Blume (CSU) und Paul Ziemiak (CDU) dagegen argumentiert. Die anschwellende Debatte über eine Kanzlerkandidatur von Kramp-Karrenbauer ist geprägt von ihren sehr schlechten Umfragewerten. Zuletzt gaben laut Meinungsforschungsinstitut Insa 63 Prozent der Befragten an, die CDU-Chefin als nicht geeignet für den höchsten Regierungsposten zu betrachten. Auch 56 Prozent der Unionsanhänger bezweifeln demnach ihre Eignung.