Auszubildende von Volkswagen legen unter dem Galgen Rosen in den Nationalfarben der Alpenrepublik zur Erinnerung an den österreichischen Widerstandkämpfer Rudolf Friemel nieder. / Foto: IAK/Volkswagen

Auschwitz/Oświęcim (WB/Volkswagen)Auszubildende von Volkswagen aus Polen und Deutschland haben diese Woche an die einzige Hochzeit im ehemaligen KZ Auschwitz erinnert: Vor 75 Jahren, am 18. März 1944, heirateten der österreichische Widerstandskämpfer Rudolf Friemel und seine spanische Verlobte Margarita Ferrer.

Nachwuchskräfte aus den Volkswagen Standorten Poznań, Hannover und Wolfsburg legten im Stammlager Auschwitz rot und weiße Rosen nieder und hielten eine österreichische Fahne sowie Fotos des Hochzeitspaares mit ihrem damals dreijährigen Sohn hoch. Die Auszubildenden unterstützen aktuell Restaurierungsarbeiten im ehemaligen NS-Vernichtungslager Auschwitz. Dieses Engagement ist seit 30 Jahren Teil des gemeinsamen Projekts „Auschwitz – Erinnerung und Verantwortung“ des Internationalen Auschwitz Komitees (IAK) und des Volkswagen Konzerns.

IAK-Vizepräsident Christoph Heubner berichtet: „Die SS hatte dem KZ-Häftling Rudi Friemel erlaubt, sich anlässlich der Hochzeit seine Haare wachsen zu lassen und einen Zivilanzug zu tragen. Seine Braut durfte dazu vom gemeinsamen Sohn Edouard und Friemels Vater ins Lager begleitet werden. Der polnische Mithäftling Wilhelm Brasse, der als Lagerfotograf fungierte, machte die Hochzeitsbilder. Diese Hochzeit war die einzige Hochzeit, die im KZ Auschwitz stattgefunden hat und die einzige, die jemals im dortigen Standesamt durchgeführt wurde.“

Etwa ein halbes Jahr nach der Eheschließung wurde Rudolf Friemel am 30. Dezember 1944 zusammen mit anderen polnischen und österreichischen Häftlingen wegen "Fluchtbegünstigung" im KZ Auschwitz gehängt. Unter dem Galgen legten die Jugendlichen zur Erinnerung an den Widerstandkämpfer jetzt rot-weiß-rote Rosen nieder.

"Die jungen Kolleginnen und Kollegen hat die Geschichte Rudolf Friemels und seiner Familie sehr berührt“, sagt Ines Doberanzke-Milnikel, Projektleiterin Gedenkstättenarbeit und Internationale Begegnungen bei Volkswagen. Rudolf Friemel hatte den Mut, der SS die Erlaubnis zur Heirat abzutrotzen. Seine Braut reiste dazu mit dem Kind in die Welt von Willkür, Unmenschlichkeit und Tod. Doberanzke-Milnikel: „Das ist ein ganz großer Liebesbeweis und ein unglaubliches Signal des Widerstandes. Sie verfehlen ihre Wirkung bis heute nicht – das zeigt auch die Erinnerungsaktion unserer Auszubildenden.“