Kilian sichert Kraftanstrengung beim Umbau zur Elektromobilität zu: „Wir wollen Vorreiter bei der E-Mobilität sein und investieren dafür rund 30 Milliarden Euro“
Personalvorstand bittet Politik um Besonnenheit und Augenmaß bei der Transformation: „Verlieren wir den sozialen Faktor aus dem Blick, ist der Erfolg der E-Mobilität in Gefahr“
Kilian kündigt Aufruf von Volkswagen zur Europawahl an – für Demokratie, gegen Europa-Skepsis und Europa-Gleichgültigkeit
Wolfsburg (WB/Volkswagen AG) - Volkswagen Personalvorstand Gunnar Kilian hat auf dem Neujahrsempfang des Konzerns in Brüssel ein klares Bekenntnis des Unternehmens zu Europa abgegeben und einen Aufruf zur Europawahl im Mai angekündigt.

Zugleich betonte Kilian, die Transformation hin zu Elektromobilität und Digitalisierung sei eine gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft und Politik. Volkswagen investiere massiv in die Elektromobilität. Der Wandel habe aber nur Erfolg, wenn es auch auf anderen Gebieten wie dem Ausbau von Energienetzen und Ladeinfrastruktur, den europäischen Bezahlsystemen und den Rahmenbedingungen für die Batteriezellproduktion vorangehe. „Selbst dann bleibt die Wende zur E-Mobilität eine enorme beschäftigungspolitische Herausforderung“, sagte Kilian. Deshalb sei bei Regulierungen Augenmaß wichtig. „Verlieren wir den sozialen Faktor aus dem Blick, ist auch der Erfolg der E-Mobilität in Gefahr.“

In seiner Rede vor rund 300 Gästen betonte Kilian: „Die Europäische Union ist Garant für Frieden, Freiheit, Wohlstand und offenen Handel. Das vereinte Europa ist unsere Zukunft.“ Die EU müsse eine klare Agenda für die Zukunft zwischen den Großmächten USA und China finden— mit guten Beziehungen zu beiden. Und die EU müsse separatistischen Bewegungen Einhalt gebieten. „Wir müssen die EU wieder attraktiv machen für die Mitgliedstaaten. Vor allem aber für die Menschen, die hier leben und arbeiten. Sie müssen Europa als Bereicherung, als Fortschritt, als Glück für sich und für ihren Alltag erfahren.“ Volkswagen werde vor den Europawahlen klar Flagge zeigen. „Für die europäische Einheit, für unsere gemeinsamen Werte, für ein friedliches Miteinander. Wir werden einen klaren Aufruf zur Wahl formulieren, denn unsere Demokratie braucht jede Stimme.“

Zur wirtschaftlichen Situation des Kontinents sagte Kilian, die Automobilindustrie habe wesentlich zu Wachstum und Wohlstand in Europa beigetragen. „Wie kaum eine andere Branche gibt die Automobilindustrie den Menschen Beschäftigung, bietet Einkommen und Aufstiegsperspektiven.“ Stellvertretend nannte er den Volkswagen Konzern. „Volkswagen ist ein durch und durch europäisches Unternehmen: zwölf Marken aus sieben europäischen Ländern, 71 Produktionsstätten allein in Europa, von unseren über 642.000 Beschäftigten sind knapp 75 Prozent in der EU tätig.“

Doch mit Elektromobilität und Digitalisierung stehe die Branche vor tiefgreifenden Veränderungen. Volkswagen werde mit der „Roadmap E“, dem Programm zur Elektrifizierung der Fahrzeuge, zum Klimaschutz beitragen.„Wir wollen den Standort Europa sichern. Deswegen investieren wir in den kommenden fünf Jahren rund 30 Milliarden Euro in die Forschung, Entwicklung und Produktion von Elektro-Fahrzeugen. Deswegen bemühen wir uns, Arbeitsplätze nicht einfach zu streichen, sondern nur entlang der demografischen Kurve abzubauen. Deswegen investieren wir massiv in die Weiterbildung und Qualifizierung unserer Mitarbeiter. Deswegen bauen wir unsere Werke sukzessive um. Deswegen produzieren wir unsere neuen rein elektrischen Modelle künftig in Deutschland und an unseren europäischen Standorten.“

Allerdings sei die Transformation ein enormer Kraftakt und die Unterstützung aus der Politik noch zu zögerlich, etwa beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. „Die erfolgreiche Durchsetzung der Elektromobilität bedarf des kollektiven und koordinierten Handelns von Privatwirtschaft, zu der übrigens auch die Energieunternehmen gehören, der Städte in Europa, der nationalen Regierungen und der Europäischen Politik. Der Ausbau der Energienetze, der Ausbau und die Standardisierung der bestehenden Ladeinfrastruktur, steuerliche Förderungen und Privilegierung der E-Mobilität sind die Hauptfaktoren, die maßgeblich zum Erfolg der E-Mobilität beitragen können.“

Kilian versicherte: „Das Bekenntnis unsererseits besteht. Wir planen, bis 2025 nicht weniger als 25 Prozent unseres globalen Absatzes mit elektrisch angetriebenen Fahrzeugen zu bestreiten. Wir bauen unsere Fabriken um.“ So wandele sich derzeit das Werk Zwickau mit einer beispiellosen Qualifizierungsoffensive zum größten Trainingslager für E-Mobilität. Und dieses sei erst das erste Werk, weitere folgen.

Kilian betonte, die europäische Autoindustrie habe sich jahrzehntelang als vorbildlicher Arbeitgeber erwiesen. Doch mit der Umstellung auf Elektroantriebe stehe sie auch beschäftigungspolitisch vor enormen Herausforderungen, die die Industrie nicht allein schultern könne. „Besonders an Sie hier in Brüssel möchte ich daher die Bitte richten, Regulierungen mit Augenmaß umzusetzen.“

Europa stehe vor Aufgaben, die politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich gemeinsam getragen und gelöst werden müssten. Kilian appellierte: „Verlieren wir den sozialen Faktor aus dem Blick, ist auch der Erfolg der E-Mobilität in Gefahr. Je schneller wir die E-Mobilität hochfahren müssen, desto weniger können wir den beschäftigungspolitischen Umbau sozialverträglich gestalten. Ein angemessener Zeithorizont ist hierbei der entscheidende Faktor.“

Der Neujahrsempfang ist die jährliche „Visitenkarte“ des Konzerns im politischen Brüssel. Zu den Gästen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zählen Diplomaten, Beamte und Abgeordnete.