Der besondere Charme des Blechspielzeugs - Museumsstück Modelleisenbahn / Foto: Stadtmuseum / Meike Netzbandt

Im Stadtmuseum präsentiert Objekt aus der Sammlung
Wolfsburg (WB/Stadt Wolfsburg) - Die große Welt im Kleinen abzubilden, das gelingt mit zahlreichen Spielzeugen aus der vielfältigen Sammlung des Stadtmuseums. So auch mit dem Dampflokmodell einer elektrischen Eisenbahn aus der Zeit um 1930, das Sammlungskurator Dr. Arne Steinert nun als "Objekt des Monats" im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Bandbreite" vorstellte.

Im September bleibt es in einer Vitrine im Museumsfoyer zu sehen und verweist zugleich auf die noch laufende Sonderausstellung "Mechanische Tierwelt".

Wie viele der in der Sonderschau gezeigten Tierfiguren stammt auch die Dampflok aus der großen Zeit des Blechspielzeugs. Das einfach ausgeführte Modell, das keine reale Lokomotive zum Vorbild hatte, gehörte zu einem "Einsteiger-Set" der Firma Bing. Mit Dampflok, Kohlentender, zwei Personenwagen, einem Gleisoval und einem Transformator konnte das Modellbahn-Spiel beginnen. Der Trafo diente der Regulierung von Geschwindigkeit und Fahrtrichtung und vor allem dazu, die Spannung des Stromnetzes auf die 18 Volt der Modellbahn umzuwandeln. Die Stromzufuhr zur Lok erfolgte mittels Schleifkontakt über die mittlere "Stromschiene" der Dreischienengleise.

Der kleine Blech-Zug rollt auf Spurweite 0 (32 mm), was etwa einem Maßstab von 1:45 entspricht. Damit ist er etwa doppelt so groß wie die Modellbahn-Größe H0, die heute am weitesten verbreitet ist ("Halb-Null", Spurweite 16 mm, Maßstab 1:87).
Hersteller von Lok und Waggons war die Bing-Werke AG aus Nürnberg. Zunächst gegründet als reines Handelshaus, produzierte die Firma seit 1879 selber Blechspielzeug und entwickelte den "Nürnberger Stil", die rationelle Massenproduktion durch Bedruckung der Blechteile und Zusammenfügen mittels kleiner Laschen. Die Produktpalette reichte vom Dampfmaschinen-Modell bis zum Puppengeschirr, von elektrischen Eisenbahnen verschiedener Spurweiten bis zum Schmalfilm-Projektor. Anfang des 20. Jahrhunderts galt Bing mit über 4.000 Beschäftigten als größte Spielwarenfabrik der Welt. Die Weltwirtschaftskrise führte 1932 zum Ende der Spielzeugproduktion.

Die Blech-Bahnen der 1920er und 1930er Jahre waren noch nicht in der heute möglichen vorbildgetreuen Perfektion gefertigt. Gerade das aber verleiht ihnen einen ganz speziellen Charme. Da macht es auch fast gar nichts, dass die Museumsstücke nicht mehr ganz komplett daherkommen weil sie beim Spiel etwas gelitten haben.