Bettina Greffrath spricht zum Thema Kindheit in Hoffmanns Leben und Lyrik / Foto: Hoffmann-Museum/Peter Riewaldt

Bettina Greffrath führt durch die Ausstellung: Kinderlieder von Hoffmann von Fallersleben in bunten Stickbildern
Wolfsburg (WB/Stadt Wolfsburg) - Das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum lädt an diesem Sonntag, 13. Januar um 15 Uhr zu einem Rundgang mit Dr. Bettina Greffrath zu den Kinderliedern Hoffmanns durch die Dauer- und aktuelle Sonderausstellung ein. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.


Im Schloss Fallersleben sind noch bis Ostern die bunten Stickbilder der Künstlerin Gudrun Cohnen-Nussbaum zu 139 Kinderliedern aus dem großen Werk Hoffmanns von Fallersleben zu sehen. Mehr als 550 Texte schrieb der in Fallersleben geborene Dichter allein für Kinder. Nur wenige werden bis heute gesungen und sind inzwischen Klassiker wie "Ein Männlein steht im Walde" oder "Kuckuck, Kuckuck, ruft aus dem Wald". Doch der Name des Autors ist häufig in Vergessenheit geraten. Im 19. Jahrhundert dagegen war Hoffmann von Fallersleben eine bekannte Persönlichkeit und seine Kinderlieder in aller Munde, teils vertont von Komponisten-Superstars wie Franz Liszt oder Johannes Brahms, vielfach gesungen von Chören und Gesangvereinen oder auf dem Klavier gespielt. Das entsprach dem damaligen bürgerlichen Zeitgeist, der allmählichen Entwicklung hin zur Kleinfamilie und der damit einhergehenden Aufwertung der Kinder sowie der Konstruktion der Idee einer Kindheit und von Familienfesten wie Weihnachten und Ostern. Vor diesem gesellschaftlichen Hintergrund wird Hoffmanns Erfolg verständlich. Und doch waren diese Songs immer mehr als "nur" Musik für Kinder, enthielten sie doch ebenso versteckte politische Botschaften, um bürgerliche Freiheit und soziale Gerechtigkeit zu thematisieren. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 wurden sie Ausdrucksmittel des singenden Freiheitskämpfers und Vormärz-Lyrikers, dass die damals junge Generation seine Forderungen in der Zukunft realisieren würde.
Die Grafikerin Gudrun Cohnen-Nussbaum aus Holzminden entdeckte diesen besonderen Schatz und "übersetzte" die Hoffmann’schen Texte in bunte Bilder, die sie im Kreuzstichverfahren gestaltete. Die langjährige Museumsleiterin Dr. Bettina Greffrath zeigt an diesem Sonntag diese das Publikum begeisternde Schau und stellt die Geschichte(n) hinter den Worten, Melodien und Bildern entlang der Biografie Hoffmanns näher vor.