Kreuzstiche - Hannelore Seeleke gibt im Hoffmann-Museum praktische Tipps in der Nadelarbeit Foto Hoffmann-von-Fallersleben-Museum Meike Netzbandt

Stick-Workshop im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum
Wolfsburg (WB/Stadt Wolfsburg) - Das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum zeigt in seiner aktuellen Sonderausstellung, wie die Künstlerin Gudrun Cohnen-Nussbaum mit Nadel, Faden und Stoff die Hoffmann’schen Kinderlieder illustrierte.

War das Sticken früher ein beliebter Zeitvertreib des weiblichen Geschlechts und zu Hoffmanns Lebzeiten im 19. Jahrhundert Teil des Bildungskanons gutbürgerlicher Töchter, gehören Stickereien für die Hippster unserer Tage zum trendigen Look und bedeuten den Künstlern seit den 1990er-Jahren eine wichtige Gestaltungsmöglichkeit. Doch das Handwerk selbst wird heute an Schulen oder zu Hause nur selten gelernt.

Wer sich in dieser jahrhundertealten Kulturtechnik mal wieder ausprobieren oder das Sticken neu kennenlernen möchte, ist am Sonntag, 20. Januar um 15 Uhr genau richtig im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum. Hier "plaudert" Hannelore Seeleke, Gründerin und Leiterin der Bastelgruppe der Markus-Kirchengemeinde Sülfeld, im Gespräch mit Museumsmitarbeiterin Nicole Trnka aus dem Nähkästchen und über ihre Handarbeitserfahrungen. Praktische Tipps gibt die leidenschaftlich kreative Wolfsburgerin den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wenn diese vorbereitete Muster sticken.

Material und Vorlagen stellt das Museum. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, um Anmeldung wird zu den Museumsöffnungszeiten gebeten unter Telefon 05362-526 23 oder E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Das Sticken ist ein Handwerk, das 5.000 Jahre zurückreicht und seine Quellen in Ägypten, Indien und China hat. Die Europäer wurden erst Jahrhunderte später mit der Nadelarbeit bekannt. Im Mittelalter waren es die mit Goldgarn bestickten Messgewänder, die die Macht und Pracht des Klerus symbolisierten. Seit dieser Epoche gehörten auf Teppiche oder den Roben erst des Adels und dann auch der Festtagskleidung der einfachen Menschen Stickereien – für die einen aus kostspieligem Garn und für die anderen aus z. B. Leinenfäden. Das Sticken wurde zur Haus-Aufgabe der Frauen, die mittels dieser Technik auch Rechnen, Lesen und Schreiben lernten. Bis ins 20. Jahrhundert hinein galten gestickte Monogramme auf Bett- und Tischwäsche oder der Aussteuer als selbstverständlich. Vor wenigen Jahren setzte im Zuge der Do it yourself-Bewegung eine Renaissance der Handarbeit ein. Bis dahin war sticken als spießig und unmodern, bestenfalls als folkloristisch assoziiert. In der Bildenden Kunst ist ein Umdenken bereits in den 1990er-Jahren zu verzeichnen, als Künstler die unterschiedlichen Stickverfahren anzuwenden begannen. Inzwischen kann in der internationalen Modeszene ein "Stickfieber" diagnostiziert werden. Werden für die Produktion der Kollektionen sicherlich Stickmaschinen genutzt, inspiriert der coole Sticktrend aber immer mehr Menschen zur handgemachten Nadelarbeit.

Diese Entwicklung greift das Hoffmann-von-Fallersleben-Museum am kommenden Sonntag auf. Angeregt durch die das Publikum begeisternde Ausstellung "Kinderlieder von Hoffmann von Fallersleben in bunten Stickbildern" entstehen unter Anleitung von Hannelore Seeleke mit Nadel, Faden und Kreuzstichen Figuren auf dem Stoff.