Prof. Dr. Stefan Jordan / Foto: Jordan

Die hochpräzise Vermessung der Milchstraße
Mittwoch, 05. Dezember 2018, 19 Uhr, im Planetarium Wolfsburg
Wolfsburg (WB/Planetarium) - Seit 2014 vermisst der Gaia-Satellit der ESA eine riesige Zahl von Sternen unserer Milchstraße, um ein besseres Verständnis der Struktur und Entwicklung unserer Heimatgalaxie zu bekommen. Die Milchstraße ist das System aus rund 200 Milliarden Sternen, dem unsere Sonne und ihre Planeten angehören. Neben den Sternen bilden große Gas- und Staubmassen und die mysteriöse Dunkle Materie ihre wesentlichen Bestandteile.

In den letzten Jahrzehnten haben die Astronomen sehr viel über den Aufbau und die Entwicklung des Milchstraßensystems gelernt. Aber viele Fragen sind noch offen.

Zur Beantwortung dieser Fragen ist die genaue Bestimmung der Entfernung sehr vieler Sterne nötig. Ohne deren Kenntnis, kann man von der Erde aus zwar bestimmen, wie viel Strahlung eines Sternes auf der Erde ankommt, nicht aber wie viel Energie von der Oberfläche des Sternes wirklich ausgesandt wird.

Darüber hinaus müssen wir nicht nur die Lage der Sterne im Raum kennen, sondern auch ihre Bewegungen. Die auf die Sterne wirkenden Gravitationskräfte, die sich aus der Verteilung der Massen in der Milchstraße ergeben, drücken sich vor allem in der Verteilung ihrer Geschwindigkeiten aus. Auch kann man aus den Bewegungen von Sterngruppen Aussagen über die Entwicklungsgeschichte unserer Milchstraße erhalten.

Am 25. April 2018 ist der zweite Gaia-Katalog (Gaia DR2) erschienen: Von mehr als 1,3 Milliarden Sternen wurden die Positionen, Bewegungen, Parallaxen (Entfernungen), Helligkeiten und Farben der Sterne mit hoher Präzision bestimmt. Diese Daten sind eine Quelle für neue Erkenntnisse in praktisch allen Gebieten der Astrophysik und fast täglich erscheinen neue wissenschaftliche Veröffentlichungen, die auf den Gaia-Daten basieren. Der Vortrag präsentiert und erklärt die wichtigsten Erkenntnisse und Highlights des Gaia DR2.

Prof. Dr. Stefan Jordan studierte und Promivierte im Fach Physik an der Universität Kiel. Sein beruflicher Werdegang führte ihn von Kiel an die Louisiana State-University in Baton Rouge, USA, von dort an die Universitäten Göttingen und Tübingen und schließlich an die Universität Heidelberg, wo er 2014 die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor erhielt. Er führte astronomische Beobachtungen an der Deutsch-Spanischen Sternwarte am Calar Alto Observatorium in Spanien, bei der Europäischen Südsternwarte in Chile (La Silla Paranal) und am Anglo-Australischen Teleskop (AAT) in Australien durch. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte umfassen die Astrometrie (Vermessung der Positionen und Bewegung von Sternen), Sternatmosphären und Spätphasen der Sternentwicklung. Neben irdischen Groß-Teleskopen nutzt er für seine Forschungen u. a. Beobachtungsdaten des Hubble-Space-Teleskops und der Röntgensatelliten EXOSAT und ROSAT. Im Gaia-Projekt ist er zuständig für die tägliche Qualitätskontrolle der Gaia-Daten, Visualisierung der Daten, Aktualisierung und Pflege der Datenbanken und für die Öffentlichkeitsarbeit.

Der Vortrag findet in der Kuppel des Planetarium Wolfsburg statt.

Es gelten die regulären Eintrittspreise 8,50 Euro und 6,00 Euro.