Rifat Fersahoglu-Weber, Vorsitzender des Arbeitgeberverbands der AWO / Foto: © AWO Be Braunschweig

Braunschweig (WB/Arbeitgeberverband AWO Deutschland) - „Auch mit den vereinbarten Vergütungen, die im Vergleich erzielt werden konnten ist kein auskömmliches Arbeiten möglich“, verdeutlicht der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes AWO Deutschland Rifat Fersahoglu-Weber, nachdem ein erster Vergleich zwischen Kostenträgern und den Vertretern von AWO, Caritas, Diakonie und Kommunalen Pflegedienstbetreibern geschlossen wurde.

„Endlich haben wir es geschafft, dass Bewegung in die Schaffung ordentlicher Vergütungsstrukturen zur Refinanzierung der ambulanten Pflege in Niedersachsen gekommen ist“, sagt der Vertreter des Arbeitgeberverbands AWO. Noch im März hatten die Arbeitgeberverbände von AWO und Diakonie massiv auf die prekäre Situation in der ambulanten Pflege aufmerksam gemacht. „Die aktuellen Vergütungen in der ambulanten Pflege sind realitätsfern und die Kostenträger sind dabei, die Pflege an die Wand zu fahren. Diese Haltung hat gravierend negative Auswirkungen auf die Pflegebedürftigen in Niedersachsen“, konkretisiert Rifat Fersahoglu-Weber damals seine Ausführungen. Seitdem ist viel passiert. Es ist gelungen mit den Kostenträgern an einem Tisch zusammenzukommen und erste Ergebnisse in einem Vergleich zu erzielen.

„Es ist ein erster kleiner Schritt, der mit dieser Einigung gemacht werden kann. Klar muss aber auch sein, dass dieser Schritt unseren Pflegediensten lediglich eine kleine Atempause verschafft“, sagt Rifat Fersahoglu-Weber und führt weiter aus: „Besser wäre gewesen, wenn wir all die Nachholeffekte umsetzen hätten können, die nötig gewesen wären.“

Fersahoglu-Weber ist sich sicher, dass die Situation in der ambulanten Pflege sehr angespannt bleibt, da die strukturellen Probleme aus seiner Sicht nicht gelöst wurden sind. Folglich ist die Zukunft der ambulanten Pflege in Niedersachsen auch weiterhin nicht gesichert.

„Wir erwarten, dass nun zügig die Grundlagen für die Verhandlungen ab 2020 auf der Basis eines Kalkulationsschemas und der Anerkennung der tatsächlichen Kosten geschaffen werden“, sagt der AWO Arbeitgeberverbandsvorsitzende. Fersahoglu-Weber. Er empfiehlt seinen tarifgebunden Mitgliedsverbänden jetzt dran zu bleiben und den vorhanden Kostendruck offen zu kommunizieren. „Es geht um die Verantwortung die ambulante Pflege in Niedersachsen sicherzustellen. Die Kassen haben verstanden, dass eine von ihnen verursachte finanzielle Unterdeckung zum Pflegekollaps führen kann, da die AWO nicht bereit ist auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Defizite auszugleichen. Der Ausstieg ist für die AWO also noch nicht vom Tisch, aber zunächst abgewendet“, sagt Fersahoglu-Weber.