Sandra Wukovich - Start zum Marathon des Sables 2019 / Foto: BE YOUR OWN HERO

Im Wüstensand eine Spur hinterlassen
Wolfsburg (WB/BE YOUR OWN HERO) - Mit dem Projekt Marathon des Sables 2019 kehrte die Wolfsburgerin Sandra Wukovich nach sieben Jahren zurück in die Wüste, um diesen Ultra Marathon über 250 km in sechs Etappen zu bewältigen. Ziel war es, die eigenen Grenzen zu verschieben, eine außergewöhnliche körperliche Erfahrung zu machen und dabei Spendengelder für den BE YOUR OWN HERO e.V. zu generieren.

Volkswagen Marokko unterstützt dieses Wüstenlaufevent und schickt selbst Top-Läufer auf die Strecke. Und so war Sandra Wukovich froh, auf altbekannte Gesichter aus den gemeinsamen Zeiten der „aids awareness expeditionen“ zu treffen.

Die Wüste ist ein besonderer Ort und im Rahmen der Rallye Aicha des Gazelles 2012 war Sandra Wukovich bereits mit einem VW Amarok über die steinige und sandige Wüstenlandschaft in der Sahara unterwegs gewesen. Einmal zurück an den Ort, wo es galt, jeden Tag eine Idee davon zu bekommen, was könnte der richtige Weg sein, wie sind die Koordinaten zum Ziel und wie findet man aus dieser endlosen Weite wieder hinaus. Im Fahrzeug mag das alles noch einfach erscheinen. Die Kabine ist ein kühler, sicherer Ort, das Gepäck gut verstaut und solange der Sprit nicht ausgeht, ist alles in Ordnung. Die Aufgabe damals hatte „einfach“ darin bestanden, die Checkpunkte zu finden.

TeamBE YOUR OWN HERO

Das Team / Foto: BE YOUR OWN HERO

Das war jetzt anders. Und spätestens mit der Anmeldung zum Marathon des Sables, dem legendären Wüstenlauf, kam eine gewisse Nervosität auf. In wie weit bezieht man die Menschen um einen herum mit ein? Viele Sportler träumen von diesem Lauf und haben Hochachtung davor, denn die Chancen, dabei zu scheitern, sind nicht eben gering. Der große Trainingsaufwand für einen nicht gewohnten Ultrasportler verlangt Körper, Geist und den Menschen, die ihren Liebsten „in die Wüste schicken“, einiges ab.

RitualBE YOUR OWN HERO

Tägliches Ritual / Foto: BE YOUR OWN HERO

Dieser Marathon setzt voraus, dass die Sportler ihr gesamtes Gepäck für die komplette Distanz am Körper tragen. Ein Gewicht von mindestens 6,5 kg und maximal 15 kg darf der spezielle Laufrucksack haben. Eine Checkliste vom Veranstalter bestimmt, was der einzelne Teilnehmer neben dem täglichen Essen und sonstigem Bedarf sonst noch mitzuschleppen hat. Im Vorfeld wurde also alles mit der Briefwage abgewogen und dennoch wog der Rucksack beim Checkin am 6. April 2019 12,5 kg, als die Läufer in der Wüste ausgesetzt wurden.

Minutiös wurden die Papiere der Läufer geprüft. Die Gesundheit stand an vorderster Stelle. Mit einem GPS-Notfallgerät ausgestattet, mit Roadbook und Kompass sollte jeder seine Checkpunkte und Tagesziele erreichen. Täglich zum Morgenbriefing wurde bekannt gegeben, wer den Lauf aus gesundheitlichen Gründen verlassen musste, wer die Cut-Off-Zeiten nicht erreicht oder wer Geburtstag hatte.

In luftigen Berberzelten auf steinigem Boden, zwischen Sandsturm und kalten Nächten schließen Zeltgemeinschaften schnell Freundschaft. Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid. Doch ist es wirklich Leid? Jeder Teilnehmer hat die Entscheidung für diese Tortur für sich selbst getroffen. Im Tagesziel angekommen werden die Wunden geleckt. 51 Ärzte stehen bereit und versorgen in einer Zeltlandschaft die Wunden, Blasen, Verletzungen der Sportler. Kaum hat das Tageslicht das Biwak erreicht, stürmen die Berber die Zeltlandschaft und ziehen einem quasi das schützende Dach über dem Kopf weg. Sie sind schon wieder unter Zeitdruck und müssen innerhalb kürzester Zeit ab- und aufbauen. Was für eine logistische Meisterleistung bei über 100 Zelten! Jede Zeltgemeinschaft erhält am ersten Tag ihre Nummer, und so ziehen die erschöpften Läufer jeden Abend wieder in ihr eigenes Zelt ein.

Das einzige, das wir täglich erhalten, ist Wasser. Per Wasserkarte ist genau festgelegt, wie viel wir an jedem Checkpoint erhalten. Meist fließt eine Flasche direkt in den Körper und der Rest wird auf die Flaschen am Rucksack verteilt. Zwei Salztabletten hinzu, ein Riegel und weiter geht es. Im Ziel angekommen gibt es den Tagesbedarf, einen kleinen Schluck Minztee und die Toilettenbeutel. Die sanitären Einrichtungen sind spartanisch. Ein Klappstuhl wird mit einem Toilettensack bespannt, Stein rein und los geht’s. Außerhalb wartet eine Mülltonne, die die Zusammenfassung der täglichen menschlichen Geschäfte aufnimmt.

Jedes Zelt hat seine persönliche Assistentin oder Betreuerin. So brachte uns Valerie täglich die News und Post vorbei. Morgens und abends. Menschen aus aller Welt schrieben motivierende Nachrichten, denn das ganze Spektakel war live und in Farbe auch online zu verfolgen. Die eigene Handynutzung war im Biwak dagegen verboten.

Die Länge der Tagesetappen betrug zwischen 32 und 76 km. Die Strecke führte über endlos lange, große und kleine Dünenlandschaften, steinigen Untergrund, durch Queds und über richtige Berge. Dann zogen wir uns am Seil auf die Gipfel. Alle Muskelpartien waren gefordert, der Geist im schnellen Umschalten von Untergrund zu Untergrund. Die Richtung wurde durch kleine pinkfarbene Zeichen angezeigt und in der Nacht leuchteten kaum sichtbare Leuchtstäbe aus der Ferne.

Ein großes Helferteam von ehemaligen Läufern wartete an jedem Checkpoint, bis auch der letzte Läufer diesen durchlaufen hatte. Schnell bauten sie diese wieder ab, um am nächsten Ort mit einem Lächeln die geschundenen Läufer erneut zu empfangen. Auf der Suche nach den strahlend weißen Zelten in der Wüste erklommen wir Düne für Düne, Berg für Berg und ein innerlicher Freudenschrei bricht aus, wenn du endlich den Checkpoint oder das Biwak entdeckst!

Am letzten Tag ging es über ein großes Bergmassiv, und die Erleichterung war deutlich zu spüren, als das Ziel, das letzte Biwak in der Sonne glänzte. Da war jeder Windstoß, jedes zwirbelnde Sandkorn, jeder brennende Sonnenstrahl, jeder stechende Schmerz vergessen: Wir sind angekommen! Wir haben es geschafft! 250 km durch die Wüste von Marokko und jeder ist auf seinem Weg einen Schritt weiter gekommen. Wir sind Spuren im Sand gefolgt und haben selbst Spuren für andere hinterlassen.

Mit dem Marathon des Sables hat Sandra Wukovich sich zum Ziel gesetzt, 25.000 Euro für den BE YOUR OWN HERO e.V. und ein deutsche Projekt zu sammeln: An der MH Hannover werden mit dem HI-Virus infizierte Kinder betreut. Der Wolfsburger Verein unterstützt die Initiative von Dr. Prof. Baumann seit 2009 und finanziert Ferienfreizeiten für die Kinder. Und dieser Marathon ist ein gutes Bild für all das, was diese Kinder in ihrem Leben erwartet. Sie brauchen unsere Unterstützung und unsere Begleitung, damit sie ein halbwegs normales Leben führen können.

„Rund 18.000 Euro sind schon in der Spendenkasse. Es fehlen nur noch 7.000 Euro zum Spendenziel und dass ist nun wirklich keine „große Düne“ mehr“, so Sandra Wukovich. „Wo ein Wille ist, da finden sich auch Ideen! Jetzt gilt es erst einmal, das Erlebte sacken zu lassen. Für mich steht der Marathon des Sables für Vertrauen und Verantwortung. Wenn ich mich selbst führen kann, dann kann ich auch andere Menschen begleiten. Alle Geschichten und alles was ich dabei gelernt habe, wird seinen Platz in Vorträgen und Workshops finden. Ich freue mich darauf, Menschen auf diese Art daran teilhaben zu lassen.“

Sandra Wukovich ist 46 Jahre alt, Geschäftsführerin der ABENTEUERHAUS GmbH und hat gemeinsam mit Joachim Franz weltweit große Expeditionen im Kampf gegen HIV/Aids ins Leben gerufen und umgesetzt. Für dieses humanitäre Engagement wurden die beiden mehrfach ausgezeichnet. Die Erfahrungen aus diesen Expeditionen setzen sie seit über 15 Jahren mit Vorträgen und Workshops im Erwachsenen- und Jugendbereich ein. Sandra Wukovich ist studierte Grafik-Designerin, Business-Trainer und Coach. Zitat: „Laufen bringt mir die Natur näher, für mich als aktiven Menschen ist es der beste Weg zu entspannen. Ich bin kein klassischer Sportler. Doch beim Laufen lerne ich meinen Körper kennen und das bereitet mir sehr viel Spaß.“ 

Der BE YOUR OWN HERO e.V. wurde 2006 gegründet. Er ist ins Leben gerufen worden, um die Projekte und Initiativen, die aus den Expeditionen von Sandra Wukovich und Joachim Franz entstanden sind, langfristig sicher zu stellen. Aktiv ist der Verein in Südafrika, Deutschland und El Salvador.

Spendenkonto - Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg
BE YOUR OWN HERO e.V.
Stichwort FAN OF HERO MHH
IBAN: DE95 2695 1311 0011 0333 88
BIC: NOLADE21GFW
www.beyourownhero-ev.de