Carmen Meyer, Kevin Alamsyah, Hannelore Sporleder, Karin Sacher, Melanie Socher, Eike Besuden und Ernst-Bernhard Jaensch / Foto: SoVD WOB

Weserlust Hotel begeistert und berührte die Zuschauer gleichermaßen.
Wolfsburg (WB/SoVD Wolfsburg) - Auf Initiative von Carmen Meyer vom Sozialverband in der Stadtmitte präsentierten die SoVD Ortsverbände Fallersleben und Stadtmitte gemeinsam mit dem Behindertenbeirat Wolfsburg e.V. die Dokumentation Weserlust Hotel von Regisseur Eike Besuden.

Der SoVD Kreisvorsitzende Ernst-Bernhard Jaensch begrüßte die Besucher und Carmen Meyer führte in den gemeinsamen Kinoabend, bevor Frank Roth die Besucher für den Behindertenbeirat begrüßte und dabei noch einmal kurz die neue Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB in der Saarstr. 39 vorstellte.

In „Weserlust Hotel“ machen behinderte Menschen zusammen mit nicht behinderten Menschen einen Film. Es ist der charmante Blick auf den einmaligen Filmdreh zum Spielfilm „All inclusive“ mit verrückten Typen, komischen Momenten und philosophischen Gedanken.

In „All inclusive“ erbt Ricky, sehr fit mit leichten Einschränkungen, ein Hotel und weiß gar nicht, ob er sich darüber freuen soll. Will er wirklich Hotelchef werden? Kann er das überhaupt? Nein, meinen die, die ihren Vorteil wittern. Aber Ricky lässt sich nicht beirren und holt sich Freunde als Unterstützung. Auf dem Weg zu einer endgültigen Entscheidung macht er viel falsch, aber noch mehr richtig!

„Die haben alle irgendwo einen Stich“ sagt Hannelore Sporleder, Köchin Britta im Spielfilm und Protagonistin in der Dokumentation. „Im Film geht es eben darum, dass die Behinderten mit denen, die sich für normal halten, gut zusammenleben können.“ Besser kann man es nicht sagen, ob man nun schizoaffektive Psychosen des maniformen Formenkreises hat oder nicht, was immer das auch sein mag.

Ein lebensfroher Film über die verblüffende Umsetzung von Inklusion. Hier werden Probleme gelöst, wie man es sich vorher gar nicht vorstellen konnte, hier wird um die Ecke gedacht und das sehr erfolgreich. Das außergewöhnliche Making-of eines Spielfilms, in dem behinderte Menschen an der Seite von bekannten Schauspielern (Dominique Horwitz, Doris Kunstmann u.a.) Haupt- und Nebenrollen übernehmen und auch bei anderen Gewerken wie Kamera, Kostüm oder Ausstattung mitwirken.

Mit viel Humor präsentiert der Film das Thema Inklusion so selbstverständlich und mit großem Gefühl, da blieb bei den Zuschauen kein Auge trocken.

Rund 120 Zuschauer applaudiertem dem Regisseur Eike Besuden und den Schauspielern Hannelore Sporleder, Hauptdarsteller Kevin Alamsyah und Melanie Socher, die nach dem Film den Zuschauern noch Rede und Antwort standen.

Hannelore Sporleder lebt selbstständig und alleine in einer eigenen Wohnung. Über viele Jahre hatte sie einen Betreuer. Das ist zurzeit nicht mehr nötig. Sie ist gelernte Buchhändlerin. An ihrem Arbeitsplatz hatte sie dann allerdings immer wieder Schwierigkeiten und ist mit Ende 30 Jahren in die Frührente gegangen. Sie führt auch als Protagonistin die Zuschauer durch den Dokumentarfilm „Weserlust Hotel“. Brittas Humor und ihre Schlagfertigkeit sind nicht zu überbieten.

Hannelore Sporleder über die Dreharbeiten: »Das hat meinem Leben einen Kick gegeben. Wenn die Menschen alle so nett miteinander umgehen würden, dann gäb’s vielleicht eine bessere Welt!

Kevin Alamsyah hat indonesische Eltern, ist aber in Deutschland geboren. Er ist Ende 20, lebt bei seinen Vater und bekommt wegen seines Asperger Syndroms eine Rente. Er lebt einen völlig selbstständigen Alltag und verbringt viel Zeit im Blaumeier Atelier in Bremen. Dort spielt er Theater und singt im Chor Don Bleu. Schauspielerei ist seine Leidenschaft und er würde gerne wieder eine Rolle in einem Film übernehmen. Zu Dingen, die ihm gefallen sagt er: »Das ist ja mega! « Wenn ihm etwas sehr gefällt, ist es »mega mega«. Wenn er völlig begeistert ist, sagt er auch schon mal: »Das ist ja mega omega!«

Melanie Socher ist Mitte 40, lebt alleine in einer Wohnung und bekommt unregelmäßig Besuch von einem Betreuer. Sie arbeitet in einer Nähwerkstatt, kann sich allerdings für ihre Tätigkeit als Schauspielerin im Blaumeier Atelier davon frei nehmen. Das macht sie, immer wieder von der Schauspielerei begeistert, seit 15 Jahren. Sie hat auch schon Rollen im Fernsehen bekommen, spielt allerdings meistens Theater und dort auch Hauptrollen.

Melanie Socher über sich selbst und ihr Engagement: »Ich bin einfach der Meinung, dass gerade solche Menschen wie wir von der Gesellschaft in eine Schublade gesteckt werden. ,Die können nix, die sind nix.‘ Da haben die sich aber getäuscht! Wir können was und wir sind auch was und das wollen wir mit diesem Film beweisen, dass wir das können.«

Eike Besuden wurde 1948 in Wildeshausen/Oldenburg geboren. Nach seinem Studium war er zunächst als Lehrer in Bremen tätig. Ab 1976 arbeitete er als Autor, Redakteur und Moderator beim Hörfunk von Radio Bremen. 1987 wechselte er in den Fernsehbereich, wo er als Redakteur Dokumentationen und Features verantwortete und weiterhin als Moderator arbeitete, unter anderem für „buten und binnen“.

1995 gründete Eike Besuden seine eigene Produktionsfirma, die heute Pinguin Studios heißt, und realisierte zahlreiche TV-Dokumentationen, TV-Movies und Kinospielfilme. Darunter auch mehr als ein Dutzend inklusive Filmprojekte mit behinderten Schauspielern. Sein Spielfilm „Verrückt nach Paris“ erregte bundesweites Aufsehen und wurde mit dem Bernhard Wicki Preis auf dem Filmfest Emden-Norderney sowie dem Publikumspreis beim Berlin & Beyond Film Festival San Francisco ausgezeichnet.

Karin Sacher vom Behindertenbeirat Wolfsburg e.V. : Es ist schon eine traurige Geschichte, dass der Film All inclusive bis heute noch nicht in einem der ARD Programme oder beim ZDF gezeigt wurde. Im Grunde muss man sich fragen, warum die Gebühren, die wir für die öffentlich rechtlichen zahlen müssen, nicht auch diesem Teil unserer Gesellschaft zu Gute kommen. Ich kann und werde das nicht verstehen“

Organisatorin Carmen Meyer: „Für eine Fortsetzung, einen zweiten und dritten Teil hat Eike Besuden noch keinen Fernsehsender gewinnen können. Auch das ist aus meiner Sicht ein trauriges Bild das unsere Fernsehsender abgeben.“

Die Organisatoren dankten auch dem Metropol-Kino für die sympathische und freundliche Unterstützung. „Wir kommen gerne wieder“, so Carmen Meyer zum Abschluss.

Die Besucher waren sich einig, dass sich dieser Kinoabend gelohnt hat: