Preisträger Dieter Grimm /Foto: © Maurice Weiss / Agentur Ostkreuz

Gifhorn (WB/Sparkasse GF-Wolfsburg) - Seine Arbeit hat eine besonders politische und eine europäische Dimension. Dafür wird Dieter Grimm jetzt mit dem „Hoffmann-von-Fallersleben-Preis für zeitgenössische Literatur“ ausgezeichnet.

Der international renommierte Jurist und emeritierte Professor lehrt öffentliches Recht an der Humboldt-Universität Berlin und der amerikanischen Yale Law School. Die Hoffmann-von-Fallersleben-Gesellschaft verleiht den mit 15.000 Euro dotierten Preis, Stifterin ist die Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg. Der Festakt ist am 29. April 2018 im Wolfsburger Scharoun-Theater geplant. Die Laudatio wird Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung halten.

Zur Begründung ihrer Wahl erklärte die Jury unter anderem: „Mit dem genauen Blick des Verfassungsrechtlers seziert Grimm das Legitimationsdefizit der Europäischen Union: Der Europäische Gerichtshof legt die Gründungsverträge so aus, dass das Europarecht dem nationalen Recht vorangestellt ist. Damit wird der gemeinsame Markt gestärkt. Grimm sieht darin ökonomisch eine Erfolgsgeschichte, politisch aber einen Demokratieverlust: EU-Verordnungen, an deren Zustandekommen die Bürger nicht beteiligt sind, gelten selbst dort, wo ein Mitgliedstaat sie im eigenen demokratischen Prozess ablehnt. Die Reaktionen sind gegen Brüssel gerichtete Selbstbehauptung – ein Nährboden für Populisten. Grimms Analyse setzt Maßstäbe für die Debatte über die Zukunft der Union.“

Der Hoffmann-von-Fallersleben-Preis zählt zu den bedeutenden Literatur-Auszeichnungen in Deutschland. Dr. Kurt Schuster, Präsident der Hoffmann-von-Fallersleben-Gesellschaft, freut sich auf den Rechtswissenschaftler. „Die Auszeichnung verleihen wir nun zum zehnten Mal, aber das erste Mal geht sie an einen ehemaligen Bundesverfassungsrichter. Wir zollen Dieter Grimm Respekt dafür, dass seine Analyse nicht nur die Gründe für eine um sich greifende Europaverdrossenheit aufdeckt, sondern auch Auswege aus der Krise zeigt.“

Der Jury gehörten an: Ingke Brodersen, Tanja Dückers, Wend Kässens,
Prof. Dr. Christoph Kleßmann, Prof. Dr. Steffen Martus, Dr. Kurt Schuster und Dr. Karl W. Frh. v. Wintzingerode.
Dieter Grimm folgt als Preisträger auf Peter Rühmkorf, Timothy Garton Ash, Hans Joachim Schädlich, Walter Kempowski, Günter de Bruyn, HertaMüller, Karl Schlögel, Juli Zeh und Gerhard Roth.