Erster Vorsitzender und Geschäftsführer der IG Metall Wolfsburg, Hartwig Erb / Foto: IGM WOB

Wolfsburg (WB/resch/IG Metall Wolfsburg)  - Bei der Betriebsversammlung hat der Erste Vorsitzende und Geschäftsführer der IG Metall Wolfsburg, Hartwig Erb "Klare Kante" gezeigt und mit eindeutiger Ansprache Dinge aufgezeigt, die nicht hinnehmbar sind. Diese Rede spricht mit Sicherheit vielen Mitarbeitern aus der Seele und es bleibt sehr zu wünschen, dass man "hinter dem Kanal" die Zeichen erkennt!

Im Folgenden die Rede im Wortlaut:

Meine Damen und Herren,liebe Kolleginnen und Kollegen,
Volkswagen ist jeden Tag in den Schlagzeilen, Volkswagen ist in jeder Talkshow das Thema,das Problem ist nur, dass überwiegend negativ berichtet wird.
Diese schlecht gemachte Seifenoper über VW hat seine Gründe!
Profistreben,
Geldgier,
Intransparenz
und an Arroganz grenzendes Imponiergehabe.

So sehen es viele unserer Kolleginnen und Kollegen, so sehen es viele unserer Kunden so sieht es mittlerweile die weltweite Öffentlichkeit.
Aber sind diese Eindrücke richtig?
Kolleginnen und Kollegen – ich antworte mit einem eindeutigen Ja. Wir kennen alle die Schlagzeilen der letzten Wochen:
Super-Rente für Winterkorn
Megaabfindung für Hohmann-Dennhardt
Krach und Streit um den Zukunftspakt
... ganz abgesehen von den Meldungen, wer VW mal gerade wieder auf Schadensersatz verklagt hat.

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und das Land machen sich seit geraumer Zeit für eine Reform der Vorstandbezüge stark.
Bernd, das ist das richtige und wichtige Zeichen, welches ihr in dieser Situation setzt! Die Deckelung der Vorstandsbezüge ist längst überfällig!!
Ich weiß, das trifft nicht gerade auf ungeteilte Zustimmung bei Ihnen, meine Damen und Herren des Vorstandes, aber sie müssen sich schon die Frage gefallen lassen wie ein VW-Vorstand für Recht und Integrität und 12 Millionen Euro Abfindung zusammenpassen?

Formal rechtens mag das wohl gewesen sein, aber integer ist was anderes.
Der Duden definiert Integer so: unbescholten, moralisch einwandfrei.
Und genau das können wir beim Abgang von Frau Hohmann-Dennhardt beim besten Willen nicht erkennen.
Das was die Damen und Herren im Vorstand da praktizieren ist eher aus dem Lehrbuch von angehenden Wallstreet-Bankern oder Finanzhaien abgeschrieben
Das hat nichts mit der Volkswagenkultur zu tun – aber auch gar nichts.

Herr Dr. Diess, seien sie mal ehrlich: hätten sie das Geld nicht für die Sanierung der Kernmarke Volkswagen gebrauchen können? Inklusive von Teilen der Rente von Winterkorn käme da ein schönes Sümmchen zusammen.

Dann gäbe es vielleicht auch wieder Kekse bei Besprechungen oder Blumensträuße bei Betriebsjubiläen.

Herr Dr. Diess, sie haben diese Chance nicht genutzt,
leichtfertig, unsensibel - aber wahrscheinlich mit voller Absicht.

Sie hätten Ihr mehr als angeschlagenes Image in der Belegschaft aufpolieren können.

Chance vorbei, Schade.

Herr Dr. Blessing, blutet ihnen dabei als oberster Personaler nicht das Herz? Sie hätten mit den Abfindungen und Renten ihrer Kollegen die feste Übernahme vieler Leiharbeitnehmer finanzieren können, hätten vielen Menschen in der Region in schweren Zeiten Sicherheit geben können.
Sie hätten mit dem Geld auch Brücken bauen können, zum Beispiel für kranke oder angeschlagene Menschen bei VW,
die Leidens- und Leistungsgerechte Arbeitsplätze benötigen, oder als Brückenfinanzierung in die ATZ.
Aber auch hier ist leider nichts passiert.
Schade Herr Dr. Blessing, sie hätten das moralische Gewissen der Marke werden können, orientiert an den Werten von Volkswagen, wirklich integer, den Menschen verpflichtet und nicht dem Chorgeist im Vorstand.
Chance vorbei, Schade.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, diejenigen die der Meinung sind, dass Volkswagen ein Selbstbedienungsladen ist, die meinen, dass Menschen nur Kostenfaktoren sind die meinen, dass Mitbestimmung sentimentaler Schnickschnack ist müssen sich nicht wundern, wenn die Belegschaft ihnen nicht mehr vertraut.
Und ich beobachte mit großer Besorgnis, dass dieser Punkt immer näherkommt.

Herr Dr. Müller:
Sie haben relativ spät in die Diskussion um die Einhaltung des Zukunftspaktes eingegriffen. Das hätte ich mir anders gewünscht! Ich hätte von ihnen ein klares Bekenntnis zum Zukunftspakt erwartet, ohne Wenn und Aber. Ich hätte von Ihnen erwartet, dass sie ihren Vorständen und Managern klarmachen, dass es ohne Belegschaft, Betriebsrat nicht geht.
Wir alle hätten von Ihnen ein klares Signal zur Rolle und Bedeutung der Mitbestimmung bei Volkswagen erwartet.
Ein starkes Signal in Vorstand und Management um endlich gemeinsam die drängenden Probleme des Konzerns anzugehen.

Die starke Mitbestimmung hat Volkswagen großgemacht, und nicht schwache Vorstände.
Wir alle, IG Metall und Betriebsrat fühlen sich den Menschen bei VW, den Menschen in der Region und den Menschen im Konzern verpflichtet. Das hat uns stark gemacht. Alle Versuche einen Keil in diese Einheit zu treiben werden scheitern.
Aber es gibt auch klare rote Linien: Das gilt besonders für den Wissensdurst von Dr. Diess.
Ich will es mal so formulieren: Auch im Topmanagement sollte doch bekannt sein, dass wir in Deutschland die Koalitionsfreiheit haben. Wir sind alle stolz Metallerinnen und Metaller bei VW zu sein!! Ich glaube, das reicht als kleiner Wink mit dem Zaunpfahl.

Herr Dr. Müller, ich stelle fest: sie haben ein Problem mit ihrer Mannschaft.
Lösen sie diese Probleme, fangen sie endlich an die VW-Kultur vorzuleben und nicht nur vorzuschreiben.
Respektieren und leben sie die Mitbestimmung bei Volkswagen und vor allem stehen sie zu gegebenen Worten und Unterschriften. Setzen sie sich zusammen mit Betriebsrat und Belegschaft für einen gerechten und Nachhaltigen Umbau des Konzerns ein.
Nehmen sie Rücksicht auf jeden einzelnen Arbeitsplatz, egal ob Stammbeschäftigt oder Leiharbeiter. Profit und Shareholder-Value ist nicht das Maß aller Dinge.
Es muss endlich auch erkennbar sein, dass diese Belegschaft die Zeche nicht allein zahlen wird, und da reicht es nicht aus nur einen Vorstandsflieger zu verkaufen.
Gehen sie auf die Belegschaft zu, nicht nur mit Symbolpolitik, sondern mit ernstgemeinten Angeboten.
Ich könnte mir vorstellen, dass Sie und ihrer Kollegen dann das Zeug hätten von der Mannschaft akzeptiert und respektiert zu werden.

Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit