Foto: Delegierter hält Rede auf Grünen-Parteitag (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Grünen fordern, dass Brillen künftig wieder für alle Versicherten von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden. "Gutes Sehen darf kein Luxus sein", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion,

Maria Klein-Schmeink, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Donnerstagsausgaben). Nach den aktuellen Regelungen müsse man fast blind sein, um Leistungen der Krankenversicherung zu bekommen, kritisierte sie.

Die dann gewährten Zuschüsse seien mickrig und mit einem unverhältnismäßig großen bürokratischen Aufwand verbunden. "Das muss sich ändern. Wer auf eine Brille angewiesen ist, sollte Anspruch auf solidarisch getragene Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung haben", so Klein-Schmeink.

In einem Antrag für den Bundestag schlagen die Grünen einen schrittweisen Ausbau der Leistungen vor, damit die Kosten für die Krankenversicherung nicht sprunghaft ansteigen. In einem ersten Schritt sollen diejenigen einen Anspruch auf vollständige Kostenerstattung bekommen, die eine Brille mit mindestens +/- 5 Dioptrien benötigen. Die Hälfte der Kosten sollen bei einer Fehlsichtigkeit ab +/- 2 Dioptrien übernommen werden.

Gefordert wird zudem eine Entlastung von Hartz-IV-Empfängern. "Die Vorschläge bedeuten spürbare Verbesserungen für über 40 Millionen Menschen mit Sehbeeinträchtigung in Deutschland, die sich keine Sorgen mehr machen müssten, dass die Anschaffung einer neuen Brille zur Einkommensbelastung wird", sagte Klein-Schmeink. Das Ziel müsse eine vollständige Erstattung der Kosten für allen Versicherten sein.

Vor 2004 zahlten die Kassen an alle Versicherten je nach Stärke der Fehlsichtigkeit bis zu 100 Euro je Glas. Angesichts von hohen Defiziten in der Krankenversicherung wurden die Zuschüsse für Erwachsene aber damals abgeschafft, was Einsparungen von rund 500 Millionen Euro brachte. Seitdem werden die Kosten nur noch bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren erstattet. Seit 2017 erhalten Erwachsene mit extrem starken Sehbeeinträchtigungen wieder Leistungen. Die Brillengestelle müssen stets aus der eigenen Tasche bezahlt werden.