Foto: Drei Personen gehen eine Treppe hinauf (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Seit dem vergangenen Jahr hat jeder Patient ein Recht auf eine Akutsprechstunde beim Psychotherapeuten. Doch nach diesem schnellen, ersten Gespräch folgt häufig trotzdem keine Hilfe: 40 Prozent aller Patienten

bekommen nach einer solchen Sitzung keinen Therapieplatz. Das geht aus einer Auswertung der Bundespsychotherapeutenkammer von 240.000 Krankenkassendaten hervor, über die die "Süddeutsche Zeitung" berichtet.

Ausgewählt wurden Patientinnen und Patienten, die zwischen April und Juni 2017 erstmals in einer psychotherapeutischen Sprechstunde waren. Die Daten zeigen, dass die Akutsprechstunde gerade den Menschen geholfen hat, die unter einer schweren psychischen Krankheit leiden: Therapeuten behandeln sie schneller oder schicken manche von ihnen direkt in eine Klinik. Und dennoch warte heute jeder dritte Patient ein halbes oder ein Dreivierteljahr auf den Beginn einer tatsächlichen Therapie, sagt der Präsident der Psychotherapeutenkammer, Dietrich Munz.

Damit Menschen mit psychischen Erkrankungen schneller behandelt werden, will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun veranlassen, dass künftig ausgewählte Ärzte und Therapeuten Patienten untersuchen, noch bevor sie eine Praxis besuchen. Es wäre eine Art Vorauswahl: Je schwerer das Problem, desto schneller gibt es einen Termin. Doch Psychotherapeuten protestieren gegen eine solche Instanz, die über die Schwere der Krankheit entscheiden soll.

Sie würde Patienten eher abschrecken. Auch der Bundesrat und der Sachverständigenrat für Gesundheit lehnen so eine zusätzliche Hürde ab. Eine Petition gegen den Passus hat bereits mehr als 125000 Unterzeichner.

Stattdessen wünscht sich die Therapeutenkammer zusätzliche psychologische Praxen auf dem Land. Hier sollte es keine Grenze mehr geben, fordert Munz.