Design Display #4 v.l.n.r. Thomas Weyres (Designer), Micaela Tewes (Leitung Attraktionen und Inszenierungen), Jesko Fezer (Designer), Otto F. Wachs (Geschäftsführer der Autostadt), Susana Garduño (Kulturattaché der mexikanischen Botschaft), Friedrich von Borries (Kurator) / Foto: Matthias Leitzke

Wolfsburg (WB/Autostadt) -  – Die vierte Design Display Ausstellung in der Autostadt in Wolfsburg fokussiert anlässlich des aktuellen Dualjahres Mexiko-Deutschland auf die Designszene in Mexiko. In der 20 Meter langen Vitrine sind ab Ende März das Kleid „Vestido Cobra" der mexikanischen Modedesignerin Carla Fernández sowie eine Multimedia-Installation des Architekten Fernando Romero ausgestellt.

Carla Fernández untersucht in ihrer Arbeit, wie Mode Traditionen bewahren und trotzdem zukunftsweisend sein kann – und lenkt damit die Aufmerksamkeit auf das kulturelle Erbe ihres Heimatlandes. Durch den Transfer von mexikanischen Stilen und Fertigungstechniken in zeitgenössische Mode legt sie den Schwerpunkt ihres Schaffens auf soziale und politische Fragen, wie es an ihrem Unisex-Kleid Vestido Cobra aus der Sommerkollektion 2017 erkennbar wird. Das multifunktionale „Schlangenkleid", das sowohl von Frauen als auch Männern getragen werden kann, vereint traditionelle Web-, Falt- und Schnürtechniken mit zeitgenössischem Design. Das Resultat ist ein Kleid, das nicht nur gut aussieht sondern auch Geschlechterordnungen hinterfragt, gleichzeitig aber auch das kulturelle Erbe des Landes repräsentiert. Konsequenterweise beteiligt Fernández lokale Stoffproduzenten und Kunsthandwerker an ihrem Gewinn.

Der Architekt Fernando Romero, der jahrelang für den bekannten niederländischen Architekten Rem Koolhaas gearbeitet hat, beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Dabei entwarf er ein visionäres Zukunftsprojekt: Die von ihm und seinem Büro FR-EE erdachte Border City ist eine bi-nationale Stadt, die grenzübergreifend in beiden Staaten angesiedelt sein soll – und als Modell für neue Städte auf der ganzen Welt dient. Border City ist als Idealstadt gedacht, die nicht auf Utopien, sondern wirtschaftlichen Hintergründen basiert. Die Bevölkerung in den Regionen entlang der Grenze wächst stetig, zahlreiche Arbeitsplätze entstehen. Doch vor allem die neuen Siedlungen auf der mexikanischen Seite wuchern unplanmäßig und ohne klare Infrastrukturen. Genau an diesem Punkt setzt das innovative städtebauliche Prinzip seiner Border City an. Durch die Kombination von einer radialen und hexagonalen Grundstruktur sind mehreren Zentren und ein organisiertes Wachsen möglich. Wie das aussehen kann, zeigt die Multimedia-Installation auf der einen Seite der Vitrine des Design Displays.

Der dialogische Prozess der Ausstellung wird im begleitendem Magazin On Display fortgesetzt. Hier portraitiert der Autor und Kurator Moritz Küng den Architekten Fernando Romero. Referenzbeispiele zeigen historische Idealstädte und der Kulturwissenschaftler und Architekturkritiker Alexander Gutzmer schreibt über den Grenzraum zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten. Im zweiten Teil interviewt die Autorin und UNESCO-Beraterin Marcella Echavarria die Designerin Carla Fernández. Die Designforscherin Moniek Driesse beschreibt den Einfluss traditioneller Handwerkskunst auf das moderne mexikanische Design. Der Mittelteil mit einem visuellen Essay von Inka & Niclas verbindet beide Projekte im Design Display.
Das Magazin erscheint in Deutsch und Englisch und ist in der Ausstellung kostenfrei erhältlich, zudem kann es über den Medienpartner, die Designzeitschrift form, bestellt werden. Ausgewählte Inhalte sind zudem auch digital auf www.designondisplay.de verfügbar.

Über die Ausstellungsreihe Design Display
Design Display vertritt einen erweiterten Designbegriff, der nicht nur Produkt- und Industriedesign umfasst, sondern auch experimentelle und interdisziplinäre Formen aktueller Designpraxis einbezieht. Die Ausstellung zeigt, welche Rolle Design in unserem Alltag spielt und regt Diskussionen über die gesellschaftliche Dimension von Gestaltung an. Über die Dauer von jeweils vier Monaten werden Objekte in einer fokussierten Präsentation gezeigt: Angeordnet in einer 20 Meter langen, 2,40 Meter hohen, dreieckigen Glasvitrine stehen sich jeweils zwei Exponate gegenüber.

Die Autostadt kuratiert die Ausstellungsreihe gemeinsam mit Friedrich von Borries, gestaltet wird die Ausstellungsreihe von dem Designteam Konstantin Grcic (Konstantin Grcic Industrial Design), Kooperative für Darstellungspolitik (Jesko Fezer, Anita Kaspar, Andreas Müller) und Nicolas Bourquin (onlab).

Foto: Matthias Leitzke