Samstag, 7. Oktober - Föhrenkrug, Pestalozziallee 3,

Wolfsburg vor Ort

Wolfsburg (WB/Soroptimist International - Club Wolfsburg) - Am Samstag, 7. Oktober ist es nach einem Jahr Pause wieder soweit: Von 9 bis 13 Uhr verkaufen die Soroptimistinnen im Föhrenkrug, Pestalozziallee 3, die schönsten Sachen für Herbst und Winter. Die Einnahmen unterstützen „RESPECT“ – damit Bildung ankommt.

Hattorf (WB/Ratsfraktionen von SPD und CDU) - Die Mitglieder der SPD und CDU-Ratsfraktionen teilen die Bedenken der Bürger und auch der Mitglieder im Ortsrat Hattorf/Heiligendorf hinsichtlich der Belästigungen durch Lärm, Licht, Parkchaos und Müll von den LKW-Fahrern im Gewerbegebiet Heinenkamp II (Lehmkuhlenfeld).

Unbekannte stehlen VW Bus / Foto: polizei-beratung.de

Wolfsburg vor Ort

Wolfsburg (WB/Polizei Wolfsburg) - In der Nacht zum Montag wurde im Wolfsburger Ortsteil Neuhaus ein VW Bus im Wert von 50.000 Euro entwendet.

Haus der Jugend, 27.09.17, 18-20 Uhr
Wolfsburg (WB/Stadtjugendring) - Nach der Bundestagswahl ist vor der Landtagswahl. Um die Kandidat-innen näher kennen zu lernen, veranstaltet der Stadtjugendring am 27.09. (morgen!) von 18-20 Uhr im Haus der Jugend eine Diskussionsrunde mit den Direktkandidat-innen der Wahlkreise 5 und 7.

Foto: Flüchtlinge auf der Balkanroute (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Zwei Tage nach der Bundestagswahl haben Spitzenpolitiker aus der CSU die Forderung nach einer Flüchtlings-Obergrenze erneuert. Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) sagte im ZDF-Morgenmagazin, er könne sich nicht vorstellen,

Foto: Bundestagssitzung im Plenarsaal des Reichstags (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der vergrößerte Bundestag wird die Steuerzahler in den nächsten vier Jahren mehr als 200 Millionen Euro kosten: Wie die "Bild" (Dienstag) berichtet, belaufen sich allein die Kosten für Diäten und Mitarbeiterpauschalen der zusätzlichen 79 Abgeordneten auf rund 33 Millionen Euro im Jahr.

Foto: Mike Mohring (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Mike Mohring, CDU- Landes- und Fraktionschef in Thüringen, gibt einer Jamaika-Koalition auf Bundesebene keine Chance: "Man muss es zwar versuchen, aber eine Vier-Parteien-Koalition mit der CSU als kleinster Kraft macht Jamaika faktisch unmöglich",

Foto: Abstimmung auf einem Parteitag der "Alternative für Deutschland" (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Familienunternehmer in Deutschland sehen den Einzug der AfD in den Bundestag kritisch, hoffen aber, dass ihr wirtschaftspolitischer Einfluss gering sein wird. "Die AfD ist eine Partei, die auf Protektionismus setzt

Foto: EZB (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Washington (dts Nachrichtenagentur) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) will bei einer künftigen Krise in der Währungsunion die Europäische Zentralbank (EZB) stärker in die Pflicht nehmen. Wie der "Spiegel" in seiner am Dienstag erscheinenden Wahlsonderausgabe berichtet,

Foto: Euroscheine (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Washington (dts Nachrichtenagentur) - Jason Furman, Chefökonom des früheren US-Präsidenten Barack Obama, hat nach der Bundestagswahl eine Abkehr vom deutschen Spardiktat für Europa gefordert. Für Berlin müsse es nun darum gehen,

Foto: Sebastian Vettel (über dts Nachrichtenagentur)

Sport

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Mercedes-Chefaufseher Niki Lauda macht den deutschen Ferrari-Piloten Sebastian Vettel verantwortlich für den Startcrash beim Formel-1-Rennen von Singapur: "Offiziell wurde von der Rennleitung der Crash als ganz normaler Rennunfall eingestuft.

Foto: Arjen Robben (FC Bayern) (über dts Nachrichtenagentur)

Sport

München (dts Nachrichtenagentur) - Der FC Bayern München und der VfL Wolfsburg haben sich am 6. Spieltag in der 1. Bundesliga mit 2:2 unentschieden getrennt. Damit verpasst München den Sprung an die Tabellenspitze.

Ein Weiterbildungsprogramm mit spezifischen Schulungen, Blicke hinter die Kulissen des Fußball-Bundesligisten und darüber hinaus auch Informationen zu den Modulen der VfL-Fußballschule und der VfL-Fußball.Akademie, erhielten die Teilnehmer / Foto: VfL Wolfsburg

Sport

VfL Wolfsburg und Volkswagen unterstützen „Train the Trainer“
Wolfsburg (WB/VfL Wolfsburg) - Seit 2013 unterstützt der VfL Wolfsburg gemeinsam mit Volkswagen, dem Chinesischen Fußballverband und der China Sports Foundation das Projekt "Train the Trainer" in China.

Foto: Mexiko (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Mexiko-Stadt (dts Nachrichtenagentur) - Nach dem Erdbeben in Mexiko ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 226 angestiegen. Das teilten die mexikanischen Behörden mit. Allein in Mexiko-Stadt waren dutzende Todesopfer zu beklagen.

Foto: Krankenhaus (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - Im Jahr 2015 sind insgesamt 19.049 Patienten wegen der Alzheimer-Krankheit im Krankenhaus behandelt worden. Damit ist die Zahl der stationär behandelten Fälle in den letzten 15 Jahren insgesamt um 85 Prozent angestiegen,

Foto: Polizei (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - In der Nacht zu Montag sind offenbar Unbekannte in das Berliner Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke in Tempelhof eingebrochen und haben sich Zugang zur Polizeihistorischen Sammlung verschafft: Laut eines Berichts der "Welt" wurden dabei Militaria erbeutet.

Eine erfüllte unvollendete Karriere

 

Von Hans-Martin Barthold

bosbachwolfgang wiki superbassAuf Muße müssen Politiker in ihrer Karriere möglichst schnell verzichten lernen. Eine Allerweltsweisheit, klar doch. Oft wiederholt, nie widersprochen, wahr. Stattdessen Termine, Sitzungen und Gespräche wie im Zeitraffer. Es ist ein Samstag Ende Juli. Mit Wolfgang Bosbach ist ein Telefoninterview für Vormittag 9:00 Uhr vereinbart. Der Kontakt dafür liegt viele Monate zurück. In den Parlamentsferien, so seine Begründung damals, verfüge er über mehr Zeit als in den Sitzungswochen des Bundestages. Nach dem zweiten Klingeln ist er bereits am Apparat. Ich höre ein freundliches „Guten Morgen“, aber dann folgt schon gleich: „Lassen Sie uns bitte sofort zur Sache kommen, ich habe heute noch viel vor mir.“ Was er erst später sagt, dass er am Tag zuvor bereits viel hinter sich hat. Der Tag begann in Bergen auf Rügen mit einem Arbeitsfrühstück, danach im Auto nach Stralsund, weiter mit dem Zug nach Berlin, Stippvisite im Abgeordnetenbüro, anschließend per Flugzeug nach Köln, von dort nach Frechen, zurück nach Köln zu einem Live-Interview im RTL-Studio, spätabends endlich zu Hause in Bergisch Gladbach. Ein ganz normaler Arbeitstag, nichts Außergewöhnliches.

So gibt es also kein Präludium, keinen Small Talk, keine Aufwärmphase, auch keine Schnorre, für die der begeisterte Karnevalist Wolfgang Bosbach sonst immer gut ist. Der Bundestagsabgeordnete und Innenexperte ist schließlich nicht nur ein mit allen Wassern gewaschener Politprofi. Er beherrscht auch das Geschäft mit den Medien aus dem Effeff. Gewiss, ein paar vorgestanzte Sätze aus der Schublade sind auch in unserem Gespräch dabei. Ohne die kann ein Politiker wie er, bis zum letzten Herbst Vorsitzender des wichtigen Bundestags-Innenausschusses, dem an jeder Ecke ein Mikrofon entgegengehalten wird, wohl nicht auskommen. Doch auch die eher selten nachgefragten Sachverhalte bringt er ansatzlos in druckreifer Form auf den Punkt. Zum Philosophieren neigt Wolfgang Bosbach dabei eher nicht, zum aufmerksamen Zuhören, zur ergebnisoffenen Analyse und zur Erarbeitung einer praxistauglichen Problemlösung umso mehr. Handfest würde man das wohl nennen.

Authentisch statt opportunistisch

bosbach InnenausschussDBTThomas Koehlerphotothek.netSechs Mal hintereinander hat der Mann aus dem Bergischen in seinem Wahlbezirk das Direktmandat für den Bundestag geholt, zuletzt sogar mit 58,5 Prozent der Erststimmen. Solche Traumergebnisse können Abgeordnete sonst vielleicht nur noch in der niederbayerischen Provinz einfahren. Deshalb die Frage, worin solch ein Erfolg gründet? Er sei bodenständig und bürgernah, gibt Wolfgang Bosbach zur Antwort. Er habe stets darauf geachtet, das in ihn gesetzte Vertrauen nicht zu enttäuschen und deshalb vor der Wahl nur so viel versprochen, wie er glaubte, danach auch halten zu können. So formulieren im Allgemeinen Männer, die wissen, welche Schwiegersöhne sich Mütter schöner Töchter wünschen. Nicht so Wolfgang Bosbach. Wer ihn kennt, bestätigt, genau so ist er. Aber er weiß natürlich ebenso, was jeder, der sich in die Untiefen der Politik begibt, gleich in den ersten Lektionen lernen muss, dass man es nämlich nie allen Recht machen kann. Umso mehr stellt sich die Frage, wie es einer angesichts dessen schafft, mit jeder Wahl noch mehr Stimmen auf sich zu vereinigen?

Überhaupt schien Wolfgang Bosbachs Karriere lange Zeit nur eine Richtung zu kennen. Und die hieß: steil nach oben. Ehrgeiz, Fleiß, politisches Geschick und  fachliche Kompetenz paarten sich mit Offenheit, Selbstbewusstsein, Geradlinigkeit, Volksnähe und dem, was man gemeinhin einen gesunden Menschenverstand nennt. Doch woher bekommt einer den Kompass, der ihn sicher durch alle politischen Störfelder leitet? Wolfgang Bosbach beherrscht die leisen Töne ebenso, wie er auf einen groben Klotz schlagfertig auch einen groben Keil setzen kann. Immer aber achtet er darauf, sein Gegenüber nie persönlich zu verletzen oder gar zu verunglimpfen. Das bringt ihm Respekt nicht nur bei den eigenen Leuten, sondern auch beim politischen Gegner ein. Seine ebenso faire wie souveräne Verhandlungsführung im Innenausschuss wird noch immer gelobt –  von Freund und Feind. Doch dann die erste schwere öffentliche Niederlage. 2005 stellt die CDU in einer großen Koalition den Bundeskanzler. Wolfgang Bosbach gilt für das Amt des Innenministers als gesetzt. Dann jedoch fragt ihn Angela Merkel, ob er sich auch den Fraktionsvorsitz vorstellen könne, falls Volker Kauder in ein anderes Amt wechseln würde. Volker Kauder ist dann jedoch Fraktionsvorsitzender geblieben und Wolfgang Bosbach wollte nicht gegen seinen Freund kandidieren. Am Ende wird er weder das eine noch das andere.

Sich der Verantwortung stellen

bosbach abgeornetenhaus privatKurz darauf bittet ihn die Kanzlerin zu einem zweiten Gespräch, will ihm erklären, warum, weshalb und weswegen. „So richtig verstanden habe ich das nicht“, erzählt er mit einem noch immer ungläubigen Staunen. „Klar war mir danach nur, egal was du jetzt noch alles machst, du wirst nichts mehr.“  Und lässt keinen Zweifel daran, dass ihn weniger die Nichtberücksichtigung als vielmehr das Verfahren und der Umgang geschmerzt haben. Diese Wunde ist bis heute nicht verheilt. Die meisten hätten sich in einem solchen Fall wahrscheinlich beruflich in die eigene Kanzlei oder auf einen gut dotierten Posten in der Wirtschaft zurückgezogen, die private Zeit auf einem alten Bauernhof in der Toskana genossen und hin und wieder einen kleinen Giftpfeil in Richtung Berlin gesendet. Man kennt das von Gerhard Schröder, Joschka Fischer oder Otto Schily. Für Wolfgang Bosbach war das keine Überlegung. „Denn“, sagt er, „ich stand bei meinen Wählern im Wort.“ Der Rebell, als der er seit der griechischen Finanzkrise, noch mehr seit dem Flüchtlingsansturm im letzten Jahr und seiner Kritik an der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank immer mal wieder dargestellt wird, ist er nicht und will es auch gar nicht sein. Loyalität bedeutet ihm etwas. Nur ganz wenige Male hat er sich gegen das Votum der Fraktion gestellt. Und wenn, dann erst nach vielen Selbstzweifeln, dazu stets mit offenem Visier.

Ein Blick zurück zu den Anfängen. Wolfgang Bosbachs Eltern gehörten nicht zu den Privilegierten der Gesellschaft. Sie waren fleißig, zu Reichtum aber brachten sie es mit ihrer Hände Arbeit nicht. Im Bildungsbürgertum firmiert so etwas von oben herab unter „kleine Verhältnisse“. Doch was die Sicht aufs Leben anlangt, waren seine Eltern „Upperclass“. Schon als die Vielredner und Heißluftschwätzer der allabendlichen Talkshows diese Themen noch lange nicht für sich entdeckt hatten, praktizierten Else und Alfred Bosbach partnerschaftliche Gleichberechtigung und Ökumene wie selbstverständlich. Das war in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Nachkriegsdepression bleischwer über dem Land lag, und in der ländlichen Struktur des bergischen Landes durchaus keine Selbstverständlichkeit. Seine gemischt-christlichen Eltern, der Vater gehörte der katholischen, die Mutter der evangelischen Kirche an, besuchten wechselweise die Gottesdienste der einen wie der anderen Konfession. Diese Fähigkeit zur friedlichen Koexistenz, zwanzig Jahre später das Zauberwort in Willy Brandts Entspannungspolitik, bescherte Wolfgang Bosbach und seiner Schwester eine unbesorgte Kindheit.

Dienstleister

bosbach toechter wiki 9ekieraM1In der regelten nur wenige einfache Weisheiten das Leben der Menschen, wie es Wolfgang Bosbach formuliert. Die hießen Anstand, Disziplin, Respekt und Rechtschaffenheit, allesamt Begriffe, die später von den Achtundsechzigern naserümpfend als sogenannte Sekundärtugenden verächtlich abgetan wurden. Für Wolfgang Bosbach aber avancierten sie zu Schlüsselbegriffen. Und sind es bis heute geblieben! „Da ging es nicht um die juristischen Kategorien Recht oder Unrecht“, sagt einer, der seine Worte auch in einem solchen Kontext zu wägen weiß. Immerhin ist Bosbach gelernter Jurist und noch heute als Rechtsanwalt tätig. Doch nach der mittleren Reife machte er zunächst eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei der Konsumgenossenschaft Köln, sammelte danach Berufserfahrung als Marktleiter eines großen Lebensmittelkonzerns (COOP West) und schloss eine Weiterbildung zum Staatlich geprüften Betriebswirt ab. Das Abitur machte er auf dem zweiten Bildungsweg. „Es ging den Eltern immer“, schließt Wolfgang Bosbach den Bogen, „um das ganz alltägliche, zwischenmenschliche Miteinander.“ Die Lebensmaxime der Eltern war stets: „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg‘ auch keinem andern zu. Schade niemandem und achte auch die Meinung deines Gegenüber!“

Zwar tobte der Wettbewerb unter den Handelsunternehmen in jenen Jahren noch nicht mit der heutigen Härte. Dennoch überrascht es, wie einer in dieser Branche, wo auch damals bereits nur der Umsatz zählte und sonst nichts, dort mit solchen Werten Karriere machen konnte. Wolfgang Bosbachs Erklärung: „Menschen mit anderen Meinungen und Haltungen respektieren. Und zu seiner Überzeugung stehen, auch wenn es einmal Gegenwind gibt.“ Das schaffe Vertrauen. Und Vertrauen, ist er überzeugt, sei in Wirtschaft wie in der Politik die Grundlage allen Erfolges. Zum Beweis lenkt er den Blick auf die große Differenz zwischen Erst- und Zweitstimmen in seinem Wahlkreis. Bei der letzten Bundestagswahl erhielt der Abgeordnete Bosbach 15 Prozent mehr Stimmen als seine Partei, die CDU, an Zweitstimmen erobern konnte. Bei den Wahlen zuvor war es nicht anders. Was also hat Wolfgang Bosbach, dass so viele Menschen aus dem Bergischen Land sich und ihre Interessen durch ihn und nicht einen der Mitbewerber im Bundestag vertreten sehen wollen?

Bedenke am Anfang das Ende

bosbach chick Manfred Esser CDU Rheinisch Bergischer KreisNeben Bodenständigkeit und Bürgernähe, neben der Größe, Fehler zugeben zu können, dürften es vor allem das Politik-, mehr noch das Politikerverständnis Wolfgang Bosbachs sein, die den Erfolg des Mannes aus Bergisch Gladbach erklären. Während der Ausbildung und Berufstätigkeit im Einzelhandel lernte er, das eigene Tun am Kunden auszurichten, dessen Bedürfnisse vor die eigenen Ansprüche zu stellen und nie nur als Vehikel für die persönlichen Karriereambitionen zu benutzen. Wer Wolfgang Bosbach im Parlament, bei Podiumsdiskussionen oder im Wahlkampf erlebt, weiß, dass das etwas anderes ist, als den Leuten billig nach dem Mund zu reden. Es geht um den respektvollen Austausch von Argumenten, Einsichten und die gemeinsame Suche nach der besten Lösung. Politiker gleichen damit eher Geschäftsführern denn absolutistischen Herrschern. Für dieses Rollenverständnis brachte der ehemalige Marktleiter Bosbach ein gerüttelt Maß an Erfahrung mit. Doch nicht nur das. Es ist seine Überzeugung.

Nicht von ungefähr nennt Wolfgang Bosbach die Person des Jesus von Nazareth als seine Lieblingsfigur in der Geschichte. Zwei Dinge sind es, die ihn an dieser Person faszinieren und die er zur Richtschnur eigenen Handelns gemacht hat. „Es sind“, formuliert er, „seine demonstrative Bescheidenheit und das Engagement für die, die am Rande der Gesellschaft stehen.“ Er sagt das nicht frömmelnd, sondern im Tonfall eines Mannes, der weiß, was ein Land zusammenhält – und was es zerreißt. Die Schlussfolgerung, die Bosbach daraus ableitet, heißt deshalb, sich politisch nicht nur zu artikulieren, sondern vor allem zu engagieren. Wolfgang Bosbach ist ein Mann der Tat, nicht des Schwafelns und Lamentierens. Doch einer, der die Dinge überdenkt und Lösungen systematisch erarbeitet. „Als Jurist“ erklärt er, „habe ich gelernt, dass man in der Gesetzgebung stets eine Folgeabschätzung vornehmen sollte. Und die heißt: Was könnte daraus erwachsen?“ So hält er es auch in der Politik. „Was bewirkt diese oder jene Entscheidung kurz-, mittel- und langfristig?“ In einer Zeit, wo angeblich die Schnellen die Langsamen fressen, schafft man sich damit nicht nur Freunde. Bosbach weiß das.

Überzeugungen bestimmen seinen Weg

Bosbach DBT Katrin NeuhauserHier wie auch in anderen Bezügen ist Wolfgang Bosbach ein im wahren Wortsinn Konservativer, ein Bewahrer, einer, der deswegen mit so manchem Schlagwort der Moderne nur wenig anfangen kann. Flexibilität ist eines davon. „Ich kann und ich will meine Überzeugungen nicht im Tagesrhythmus wechseln. Beliebigkeit ist mir ein Graus“, formuliert er, was er damit meint. Nein, geschmeidig ist er nicht, wohl aber zugewandt und immer zum Gespräch bereit. Da freilich bevorzugt er die Sachebene. Emotionale Extreme sind seine Sache ebenso wenig wie die politische Disziplin Attacke. Seine Wähler, seine Freunde, seine Familie – sie alle schätzen das. Auf ihn ist Verlass, selbst wenn der Wind ins Gesicht bläst. Wolfgang Bosbach hat schon einige Stürme erlebt. Man erinnert sich an den verbalen Ausfall seines Parteifreundes Ronald Pofalla, seinerzeit Kanzleramtschef von Angela Merkel. Dessen Satz „Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen!“ konnte jeder in allen Gazetten lesen.

„Ich habe Schlimmeres erlebt“, kommentiert Wolfgang Bosbach gelassen. Pofalla habe sich bereits am nächsten Morgen entschuldigt. Überhaupt könne er mit einem direkten Angriff allemal besser umgehen als mit den zahlreichen in Hinterzimmern geschmiedeten Intrigen. Deren Zahl bleibt ungenannt. Ein Letztes zeichnet Wolfgang Bosbach aus und erklärt seinen Weg. Es ist die Ehrfurcht vor dem Leben. Als er 1972, gerade 19 Jahre alt geworden, in die CDU eintrat, hatte das auch mit der erbitterten Debatte um den § 218 des Strafgesetzbuches zu tun. Es ging um den Schutz des ungeborenen Lebens. Heute weiß Wolfgang Bosbach aus ganz persönlicher Erfahrung, dass zur Ehrfurcht vor dem Leben auch die Gewissheit über die Endlichkeit der eigenen Existenz gehört. Ein Herzschrittmacher samt Defibrillator und eine Krebserkrankung gemahnen ihn immer wieder daran. Deshalb und weil er immer zahlreichere der politischen Positionen seiner Partei nicht mehr glaubwürdig vertreten könne, wird er 2017 nicht noch einmal für den Bundestag kandidieren. Damit geht eine erfüllte, aber unvollendete politische Karriere zu Ende. Es wird ein Abschied ohne Wiederkehr.

Erfolg macht demütig

bosbach1 wiki superbassSich angesichts dessen der Verzweiflung anheim zu geben, hat er erfolgreich widerstanden. Seine weiterhin ungekünstelte Lebensfreude steckt vielmehr an. Hat er Einsichten, die er gerne an seine drei Töchter weitergeben würde? Ja, hat er. „Es gibt Dinge im Leben, die du nicht nachholen kannst. Deshalb schiebe sie nicht auf, sondern tue sie sofort“, lautet die wichtigste. Man ahnt, dass die Politik, die Wolfgang Bosbachs Leben war und noch immer ist, ihm genau auf diesem Feld einiges und manchmal wohl auch zu viel abverlangt hat. Der Umzug des Bundestages von Bonn nach Berlin war so eine Zäsur. „Bis dahin war ich Heimschläfer“, erklärt er, „dann in den Sitzungsperioden aber nur noch an den Wochenenden zu Hause.“ Die Kinder beim Erwachsenwerden begleiten und ein normales Familienleben führen zu können, waren nun bloß noch sporadisch möglich. Und so ist denn das Öffentlichmachen dieser Erkenntnis wohl zugleich auch Bitte um Vergebung. Man könnte sich kaum jemanden vorstellen, der Wolfgang Bosbach die Absolution verweigern wollte.

Fotos: Wikipedia/Superbass, DBT Thomas Koehler, privat, Wikipedia/9EkieraM1, Manfred Esser/CDU Rheinisch-Bergischer Kreis, DBT/Katrin Neuhauser, Wikipedia/Superbass