LSW verlegt Fernwärmeleitungen
Wolfsburg (WB/Stadt Wolfsburg) - In Wolfsburg auf der Braunschweiger Straße wird ab Dienstag, 23. Juli, eine der zwei Rechtsabbiegespuren in Fahrtrichtung Siemensstraße bis voraussichtlich 30. September gesperrt.

Foto über dts Nachrichtenagentur

Wolfsburg vor Ort

Gifhorn (WB/Polizeiinspektion Gifhorn) - Am Sonnabend kam es gegen 10:30 Uhr auf der B 4 nördlich von Wagenhoff zu einem Verkehrsunfall. Eine Hamburger Familie kam aus dem Italienurlaub und war auf dem Weg nach Hause.

Foto über dts Nachrichtenagentur

Wolfsburg vor Ort

Braunschweig (WB/Polizei Braunschweig) - Freitag nacht, kurz vor 23.00 Uhr , kam es in der Mauernstraße zu einem bewaffneten Überfall auf einen 37 jährigen Pizzaboten, der unterwegs mit Fahrrad Ware ausliefern wollte. Er wurde durch drei junge Männer gestoppt und an der Weiterfahrt gehindert.

Stellvertretender CDU-Kreisvorsitzender Christoph-Michael Molnar / Foto: CDU WOB

Wolfsburg vor Ort

Förderung der Digitalisierung der Verwaltung muss oberste Priorität haben
Wolfsburg (WB/CDU KV Wolfsburg) - Die Steuererklärung und auch die Kommunikation zwischen behandelnden Ärzten und der Krankenkasse – alles ist digital möglich. Als Grundlage dient allein die digitale Identität des elektronischen Personalausweises.

Foto: Stühle im Flur einer Schule (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Düsseldorf (dts Nachrichtenagentur) - NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) prüft finanzielle Anreize, um mehr Lehrer etwa für Brennpunkt-Schulen zu gewinnen. "Wir denken darüber nach, Lehrern, die bereit sind, an Schulen mit dringendem Personalbedarf und schwer besetzbaren Stellen zu gehen,

Foto: Verteidigungsministerium (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Spätestens im Herbst müssten im Verteidigungsministerium grundlegende Entscheidungen getroffen werden, fordert Grünen-Wehrexperte Tobias Lindner. Schließlich hapert es erheblich bei der Ausrüstung der Truppe,

Foto: Krankenhausflur (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Versorgung von medizinischen Notfällen reformieren und damit die Notaufnahmen von Krankenhäusern entlasten. Ein Gesetzentwurf aus Spahns Haus,

Foto: Fair-Trade-Kakao (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Produkte aus fairem Handel erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. "Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten hat sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppelt", sagte Manuel Blendin, Geschäftsführer des Forums Fairer Handel,

Foto: Porsche in der Düsseldorfer Kö (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Stuttgart (dts Nachrichtenagentur) - Der Sportwagenbauer Porsche schärft sein Sparprogramm nach. "Wir müssen in guten Zeiten diszipliniert haushalten, um uns sattelfest für die Zukunft aufzustellen", sagte Oliver Blume dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe).

Foto: Iran (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Teheran (dts Nachrichtenagentur) - Der Iran hat am Freitag vorübergehend zwei westliche Tanker in der Straße von Hormus gestoppt. Zunächst wurde die unter britischer Flagge und zu einem schwedischen Unternehmen gehörende "Stena Impero" festgesetzt,

Daniel Ginczek muss sich einem kleinen Eingriff am Rücken unterziehen / Foto: VfL Wolfsburg

Sport

Daniel Ginczek muss sich einer OP am Rücken unterziehen.
Wolfsburg /WB/VfL Wolfsburg) - Daniel Ginczek steht dem VfL Wolfsburg weiterhin nicht zur Verfügung. Bei dem Stürmer, der aufgrund anhaltender Beschwerden seit dem Trainingsstart am 30. Juni fehlt, wird am Freitag ein kleiner Eingriff am Rücken vorgenommen.

Foto über dts Nachrichtenagentur

Sport

Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl wechselt zu den VfL-Frauen
Wolfsburg (WB/VfL Wolfsburg) - Eineinhalb Monate vor Ende der Transferperiode haben die Verantwortlichen der VfL-Frauen die Kaderplanung für die anstehende Spielzeit mit einer weiteren Neuverpflichtung nun endgültig finalisiert: Die schwedische Nationaltorhüterin Hedvig Lindahl wechselt vom englischen Erstligisten Chelsea Women FC ablösefrei zu den Wölfinnen.

Streckenbesichtigung Volkstriathlon Wolfsburg / Foto: Volkstriathlon Wolfsburg

Sport

Wolfsburg (WB/Volkstriathlon Wolfsburg) - In gut drei Wochen am 04. August geht eine der ältesten Triathlonveranstaltungen Deutschlands, der Volkstriathlon Wolfsburg, in seine inzwischen 35. Auflage.

Foto: Rettungswagen (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Cuxhaven (dts Nachrichtenagentur) - Auf dem Deichbrand-Festival bei Cuxhaven hat es am Wochenende einen Todesfall gegeben. Am Sonntagmorgen wurde eine 26-jährige Teilnehmerin leblos in ihrem Zelt gefunden, teilte die Polizei mit. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod der jungen Frau feststellen.

Foto: Fahne von Japan (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Kyoto (dts Nachrichtenagentur) - Im japanischen Kyoto sind am Donnerstag mehrere Personen bei einem Brand in einem Animationsstudio ums Leben gekommen. Man gehe von mindestens zehn Toten aus, berichten mehrere japanische Medien übereinstimmend

Foto: Polizist (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Polizisten in Deutschland haben im vergangenen Jahr bei Einsätzen elf Menschen erschossen. Im Jahr 2017 hatte die Zahl noch bei 14 Toten gelegen, berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf eine eigene Datenabfrage bei den Behörden.

Begeisterung macht glücklich

von Hans Martin Barthold

Es ist eine Szene mit Symbolwert. Nach seinem Beruf gefragt, gibt Markus Radscheit GärtG 2ner an. Tatsächlich entschied sich der damals Zwanzigjährige nach dem Abitur am katholischen Vinzenz-Pallotti-Kolleg in Rheinbach für eine einschlägige Ausbildung im Zierpflanzenbau. Er bewarb sich an den Botanischen Gärten der Universität Bonn, erhielt einen Ausbildungsvertrag und schloss schon zwei Jahre später 1992 mit besten Ergebnissen ab. Doch das ist erst die halbe Geschichte. Denn der aus der Nähe von Bonn stammende Rheinländer besitzt auch einen akademischen Abschluss. An dem zur University of Essex gehörenden und gerade in seinem Fachbereich renommierten Writtle College erwarb er 1998 den akademischen Abschluss Master of Science in „European Horticulture“. Heute ist er Chefgärtner in Wisley, einer der größten und schönsten Gartenanlagen Englands. Doch käme es ihm nicht in den Sinn, weder den Ausweis wissenschaftlicher Expertise noch seine jetzige berufliche Position zu benutzen, um sich selbst ins grelle Rampenlicht zu rücken.

Aus Schüchternheit? Wohl kaum. Markus Radscheit verfügt über ein gesundes Selbstbewusstsein. Er weiß, was er kann. Und er kann vieles gut. Britisches Understatement? Das könnte schon eher zutreffen. Immerhin studierte der Mann fünf Jahre lang an englischen Colleges und arbeitet seit über drei Jahren in Wisley, einer Gartenanlage der Englischen Königlichen Gartenbaugesellschaft, der Royal Horticultural Society (RHS). Die Gepflogenheiten auf der Insel sind ihm also geläufig. Entscheidender und typisch für den Menschen Markus Radscheit dürfte allerdings seine tiefe Überzeugung sein, dass weder Titel noch Diplome noch die Höhe des Gehalts Rückschlüsse auf berufliche Kompetenzen und schon gar nicht auf den Wert einer Person zulassen. Darüber hinaus hat diese Haltung aber wohl auch etwas mit Kindheit, Jugend und Erziehung zu tun. „Ich besaß unendliche Freiheiten“, erinnert sich Radscheit, „umso mehr achteten meine Eltern aber auf die Einhaltung weniger Verhaltensregeln.“

 

Mit Augen und Händen Natur gestalten

 

Zurückhaltung, Wahrhaftigkeit, Respekt vor der Lebensleistung anderer, Offenheit, Fairness, Solidarität, ebenso Fleiß und Verantwortung für das eigene Tun zählten zu den wichtigsten Eckpfeilern des von Bodenständigkeit geprägten elterlichen Weltbildes. G 3Im Alltag eines Schülers geprüft und auch später während der Ausbildung noch für gut befunden, sind sie im Leben des Markus Radscheit bis heute unverhandelbare Werte. Bleibt die Frage, weshalb Gärtner, warum Gärtner im Zierpflanzenbau? Die Antwort verlangt den Blick zurück. Es sind die politisch stürmischen siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts, in denen der Steppke Markus Radscheit als drittes Kind eines Handwerksmeisters im kleinen Dorf Swisttal Buschhoven aufwächst. Es ist die Zeit des NATO-Doppelbeschlusses, die Zeit der Massendemonstrationen in der Mutlanger Heide gegen die Aufstellung von Pershing II-Raketen.

Es ist die Zeit des Widerstands der Antiatomkraftbewegung rund um das zum Endlager erklärte Salzbergwerk Gorleben. Es ist die Zeit der großen Worte von Ronald Reagan am Brandenburger Tor: „Mr. Gorbatschow, open this gate. Mr. Gorbatschow, tear down this wall.“ Es ist die Zeit von Glasnost und Perestroika. Für Markus Radscheit sind es aber auch die Jahre, sich selbst und seinen Weg finden zu müssen, eine eigene Persönlichkeit, unverwechselbar, in einem Wort: erwachsen zu werden. Statt in der Masse tausender Demonstranten seine Individualität zu verlieren, engagiert er sich lieber in der schuleigenen Gärtnerei und experimentiert in seiner Freizeit mit Gemüsepflanzen im Gewächshaus seiner eigens dafür angepachteten Gartenparzelle. Hier konnte man die Dinge der Welt nicht nur besser wissen, sondern sie selbst besser machen. Das begeistert ihn. Das ist anschaulich, das ist konkret. Die Ernte selbst gezogenen Gemüses schmeckte nach Unabhängigkeit und Freiheit.

 

Lösungen suchen statt lamentieren

 

Die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen, erschien ihm, dem Handwerkersohn, schon zu Schulzeiten verlockender, als die Lösung ohne eigenes Zutun nur lautstark von Dritten einzufordern. Das leitet ihn auch bei seinen Planungen für die Zeit nach dem Abitur. G 4Er kümmert sich frühzeitig um eine Zivildienststelle, bewirbt sich, erhält ein Angebot, unterschreibt den Vertrag – und wird Opfer eines schweren Verkehrsunfalls. Ein Autofahrer übersieht die rote Ampel, schlimmer noch den vorfahrtberechtigten Markus Radscheit auf seinem Fahrrad. Die Knochenbrüche heilen zwar schnell, doch wird er in der Folge ausgemustert. Die Zivildiensteinrichtung muss sich einen anderen jungen Mann suchen. Und auch Markus Radscheit muss neu planen. Der Wunsch, eine Gärtnerlehre im Obst- und Gemüsebau zu beginnen, wird von einer Woche auf die andere zum Sofortprogramm. Doch die Zeit ist bereits zu weit fortgeschritten, eine Ausbildungsstelle lässt sich nicht mehr finden.

Wie später noch öfter löst Radscheit diese knifflige Situation mit unpathetischem Pragmatismus. Sich der Verzweiflung hinzugeben, ist ihm die Zeit zu schade. Er nimmt die neuen Gegebenheiten, wie sie sind. Den Berufswunsch Gärtner will er freilich nicht aufgeben, noch nicht. Wenn also nicht Obst- und Gemüsebau, dann vielleicht eine andere Fachrichtung. Da kommt das Echo der Botanischen Gärten der Universität Bonn gerade recht. Sie bieten eine Ausbildungsstelle als Gärtner im Zierpflanzenbau. Der Abiturient Radscheit sagt zu. Und muss doch gleich die nächste Enttäuschung überwinden. Der Traum vom tropischen Gewächshaus lässt sich nicht verwirklichen. Sein Ausbildungsplatz wird das Kalthaus sein. Damit bezeichnen Gärtner die Pflanzenabteilung, wo anders als in den tropischen Gewächshäusern die Pflanzen im Sommer nicht beheizt werden und im Winter lediglich Temperaturen zwischen acht und zehn Grad benötigen. Die Pflanzen sind vor allem Büsche.

 

Ein gärtnerischer Traum wird wahr

 

Die Exklusivität seines Ausbildungsbetriebes dämmert dem Azubi Radscheit erst nach und nach. Botanische Gärten sind kleine Mikrokosmen, begreift er dann allerdings schnell. Sie erlauben Weltreisen auf wenigen Hektar Fläche.G 5 „Die Kunst des botanischen Gärtners“, beschreibt er, „besteht darin, den Lebensraum zu verstehen, aus dem die Pflanzen kommen.“ Schon bald ist der Azubi auf allen Kontinenten zu Hause, wenn auch nur via Lehrbuch und Internet. Er ist begeistert. So sehr, dass er schon nach zwei Jahren die Gesellenprüfung mit summa cum laude abschließen und ein Stipendium der Begabtenförderung Berufliche Bildung erhalten wird. Aber das weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Für ein paar freie Tage verabschiedet er sich von seinem Ausbilder. Mit einem Freund will er London unsicher machen. Ob er ihm nicht aus dem Gewächshaus der RHS im nahe gelegenen Wisley eine Ipomoea learii, also eine Trichterwinde, mitbringen könne, fragt ihn einer seiner Kollegen. Klar doch, das sollte kein Problem sein.

 

Die Metropole London ist ein Erlebnis, die Gartenanlage in Wisley für den angehenden Gärtner Radscheit das, was für einen Informatiker das Silicon Valley. Die Anlage, die Vielfalt und Vielzahl an Pflanzen, die Organisation, über eine Million Besucher jährlich – der Gärtnerazubi Radscheit kommt aus dem Staunen nicht heraus. Seine Begeisterung verleiht ihm Flügel. Er geht zum Geschäftsführer und erkundigt sich in wackeligem Englisch, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um hier arbeiten zu dürfen. Man empfiehlt ihm ein einjähriges Traineeprogramm, für das die Bewerbungsfrist allerdings bald ablaufe. Auch wenn die Finanzierung in den Sternen steht, Radscheit bewirbt sich umgehend. Sechs Monate später wird er mit dreißig anderen Nachwuchsgärtnern aus aller Herren Länder beginnen. Das Stipendium der Begabtenförderung Berufliche Bildung erweist sich als Geschenk des Himmels. „Wisley ist wie eine permanente Bundesgartenschau“, blickt er noch immer staunend zurück. Er erlebt diese Zeit wie in Trance. Alle drei Monate eine andere Abteilung, dazu der intensive fachliche Austausch!

 

Studium im Mekka des Gartenbaus

 

Das Jahr in Wisley vergeht wie im Flug. Es ist die Begeisterung für die Arbeit in dieser grandios gestalteten Natur, die Markus Radscheit nach Möglichkeiten suchen lässt, länger bleiben und zugleich seine gärtnerischen Kompetenzen erweitern zu können. G 6Er entschließt sich zu einem Studium an der School of Horticulture der Royal Botanic Garden im nicht weit entfernten Kew. Alles ist gut überlegt. Das Studium ist ein praxisintegriertes Studium. Der Botanische Garten Kew gewährt wie die Unternehmen bei einem dualen Studium hierzulande eine Vergütung. Reichtümer garantiert das nicht, der Lebensunterhalt aber ist gesichert. Die Studienbedingungen sind optimal, nur 15 Studenten werden zugelassen. Markus Radscheit ist einer davon. Sein gärtnerischer Traum geht in die nächste Runde. Zwar steht am Ende des dreijährigen Studiums mit dem Kew Diploma nur ein Hausdiplom. Einige britische Universitäten erkennen es jedoch als Zugangsvoraussetzung zu ihren Masterprogrammen an, so auch das Writtle College der University of Essex.

 

Das marketingorientierte Curriculum des Studiums in Kew passt perfekt in Markus Radscheits Pläne und wohl auch zu seinen Begabungen. Während seines Aufenthaltes in Wisley entdeckt er während der Station in der Gartenverwaltung seine organisatorischen Talente. Zwei Praxisaufenthalte führen ihn nach Schottland und Israel. Für eine Studienarbeit während des zweiten Studienjahres fliegt er nach Australien. Sechs Wochen lang besucht er die dortigen botanischen und zoologischen Gärten, um deren umweltpädagogische Aktivitäten zu studieren. Wie alle Studenten muss auch Markus Radscheit seine Abschlussarbeit mit einem praktischen Projekt verbinden. Halbe Sachen waren seine Sache noch nie. Der Rheinländer Radscheit macht deshalb Nägel mit Köpfen und gründet ein Unternehmen für Gartentouristik. „Hortitours“, wie er es nannte, hatte auf Anhieb Erfolg und besteht immer noch. Selten nur bleibt bei den Reisen in die englische und schottische Gartenwelt ein Platz leer.

 

Management statt Labor

 

Die Begeisterung des jungen deutschen Studenten mündet in einen exzellenten Abschluss. Als Anerkennung seiner Leistungen zeichnet ihn Kew Gardens mit dem Henry Idris Matthews Award aus und bietet ihm darüber hinaus ein Stipendium für ein weiterführendes gartenbauliches Masterstudium an. G 7Das kommt einem Ritterschlag gleich! Zugleich erleichtert es die Entscheidung, noch eine Weile auf der Insel zu bleiben und die Rückkehr nach Deutschland aufschieben zu können. Radscheit wechselt nach Writtle an die englische Ostküste, dorthin wo das milde Klima Gartenpflanzen besonders gut gedeihen lässt. Das hier beheimatete College der University of Essex pflegt für das Masterstudium „European Horticulture“ eine enge Kooperation mit der niederländischen Agrarische Hoogeschool Den Bosch. Für einige Lehrveranstaltungen muss Radscheit deshalb nach Holland reisen. Im Mittelpunkt stehen Marketing und Internationaler Handel. Für die Masterthesis wählt Radscheit ein Laborthema. „Damit habe ich mich sehr gequält“, erzählt er. Und weiß seitdem seine Stärken in operativen Tätigkeiten und weniger in der wissenschaftlichen Analytik.

 

Nach sechs Jahren England ist die Rückkehr nach Deutschland beschlossene Sache. Es winkt eine Stelle als Technischer Leiter in den Botanischen Gärten Bonn. Nach dem Direktor und zusammen mit dem wissenschaftlichen Leiter bildet er die zweite Führungsebene. Zuvor aber unterzieht Radscheit sich auf Anraten des Vaters bei der RHS in London noch der Meisterprüfung. Qualifikationen, so die väterliche Erfahrung, zählen hierzulande schließlich erst dann, wenn sie amtlich zertifiziert sind. Tatsächlich benötigt das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium in Düsseldorf für die Anerkennung seines Masterabschlusses einige Monate. Die Stelle als Technischer Leiter der Bonner Botanischen Gärten ist Markus Radscheit wie auf den Leib geschneidert. 13 Jahre wird er bleiben, ohne dass seine Begeisterung Schaden nimmt. Viele Umbauprojekte in dieser Zeit fordern alles von ihm. Nebenbei ist er zuständig für Personal, Finanzen und den gesamten Maschinenpark. Er hat beruflich Erfolg, er ist glücklich.

 

Gartenbau wirtschaftlich denken

 

Der plötzliche Herztod eines Mitarbeiters mitten während der Arbeit wird zum Denkanstoß, beruflich noch einmal etwas Neues wagen zu wollen. Dabei geht es ihm nicht um Karriere und Aufstieg. Nein, Markus Radscheit bleibt sich treu. G 8Wichtig sind ihm Inhalte, Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Er lässt sich in Bonn freistellen und kehrt ein zweites Mal zu seinen gärtnerischen Wurzeln zurück. Anders als vor 13 Jahren dieses Mal allerdings in die umgekehrte Richtung, von Deutschland nach England. Zusammen mit seiner japanischen Frau, auch sie ist Gärtnerin, und zwei kleinen Kindern zieht die Familie nach Wisley, einem Ort mit gerade einmal 180 Einwohnern, die fast alle in der Gartenanlage der Royal Horticultural Society beschäftigt sind. Radscheit übernimmt die Funktion eines Garden Managers und wird zuständig für drei wichtige Abteilungen: das Gewächshaus, die Anzuchtstation, den Steingarten. Das bedeutet Personalverantwortung für knapp 50 Mitarbeiter.

 

Der Beginn ist unerwartet hart. „Ich musste gärtnerisch völlig umdenken“, beschreibt er seine damalige Gefühlslage. Doch Radscheit ist bereit dazu und lernt rasch. In den Bonner Botanischen Gärten bestand seine Aufgabe darin, fremden Pflanzen Lebensräume vergleichbar ihren heimatlichen Standortbedingungen zu schaffen und damit die Art zu erhalten. Der Schau- und Versuchsgarten Wisley ist dagegen Teil der englischen Gartenindustrie. Hier werden Sorten präsentiert, deren Blütenpracht das Herz der Gartenliebhaber schneller schlagen lassen und ihre Geldbörsen öffnen soll. Mauerblümchen haben deshalb keine Chancen. Selbst gezüchtet wird in Wisley nicht. Stattdessen werden die Rabatten mit Blumen anderer Züchter bepflanzt. Gleichwohl hat Wisley züchterisch großen Einfluss. Denn nur die Züchter, die in den sogenannten Sichtungen mit dem Gütesiegel der RHS prämiert werden, dürfen anschließend auf gute Verkaufszahlen hoffen.

 

Die Faszination bleibt

 

Das bestimmt denn auch das gärtnerische Konzept. „In Wisley setzen wir auf den Wow-Effekt“, beschreibt es Radscheit. Und meint damit die Inszenierung riesiger Farbprachten. Statt kleiner Blumeninseln werden deshalb große Flächen mit nur einer einzigen Sorte bepflanzt. G 9Über die Ästhetik mag man streiten. Doch haben Gärtner seit den Anfängen Naturräume im Wechsel der Jahreszeiten gestaltet, die einen so, die anderen so. In dieser Tradition sieht Markus Radscheit seinen Beruf nüchtern und fernab aller Sentimentalitäten. Gartenanlagen befanden sich stets in den Zentren wirtschaftlicher Macht. Das gilt so bis heute. Und auch der Garden Manager Radscheit wird täglich daran erinnert. Schließlich liegt Wisley vor den Toren der Metropole London. 450 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Wenn er aus seinem Wohnzimmerfenster schaut, sieht er die nur wenige hundert Meter entfernte M25, die mit 12 Fahrspuren größte und vielbefahrenste Autobahn Englands. Gärtner sind keine einsamen Ranger in menschenleeren Nationalparks.

Seine Karriere vom Auszubildenden der Botanischen Gärten in Bonn bis hin zum Chefgärtner in einer der größten Gartenanlagen der Welt sieht Markus Radscheit nicht als außergewöhnlich an. Als Gärtner müsse man von Berufs wegen über den Tellerrand schauen. „Das Usambaraveilchen kommt aus Tansania, das Edelweiß stammt aus den eurasischen Gebirgen, die Heimat der Sonnenwende sind die südamerikanischen Anden“, weist er auf den geografischen Rahmen, in denen sich Gärtner bewegen. „Das“, sagt er mit glückstrahlenden Augen, „hat mich vom ersten Ausbildungstag an fasziniert.“ Diese Begeisterung möchte er weitergeben, an Mitarbeiter, Besucher und irgendwann vielleicht auch an den gärtnerischen Nachwuchs. Markus Radscheit als Dozent an einer europäischen Gartenakademie? Man könnte sich den Mann in dieser neuen Rolle gut vorstellen. Denn kaum jemandes Begeisterung wirkt so ansteckend wie seine – für einen Beruf, der Naturwissenschaftler, Künstler, Handwerker und Geschäftsmann in einem und immer gleichzeitig ist.

Weitere Informationen unter: http://www.hortitours.de/uns.html

 

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Fotos: privat, Botanische Gärten der Universität Bonn, RHS