Wolfsburg (WB/Stadt Wolfsburg) - Am Donnerstag, 5. Oktober, können Kinder und Jugendliche ab acht Jahren in der Zeit von 10 bis 12 Uhr ihr Können an der WiiU und an der Switch unter Beweis stellen.

Hehlingen (WB/TSV Hehlingen) - Der TSV Hehlingen, veranstalte am Sonntag ein Benefizspiel für die Opfer des Brandes am letzten Samstag in Hehlingen. Die Spiele der ersten und der zweiten Herren des TSV Hehlingen stehen ganz im Zeichen der schnellen Hilfe. Beginn ist um 12:30 Uhr!

Chinesische Fußballtrainer zu Besuch in der Autostadt: Claudius Colsman, Geschäftsführer der Autostadt, begrüßte die Delegation im automobilen Themenpark / Foto: Lars Landmann

autostadt

Wolfsburg (WB/Autostadt) – Am heutigen Freitag, 22. September, besuchten 15 chinesische Fußballtrainer im Rahmen einer Fortbildung mit der VfL Wolfsburg Fußballschule die Autostadt in Wolfsburg.

Am 30. September wird die Wendenstraße ab der Einmündung Wiesenstraße bis zur Bushaltestelle Wendschott gesperrt / Skizze: Stadt Wolfsburg

Wolfsburg vor Ort

Wolfsburg (WB/Stadt Wolfsburg) - Anlässlich des Bauernmarktes im Ortsteil Wendschott am 30. September wird die Wendenstraße ab der Einmündung Wiesenstraße und bis zur Bushaltestelle Wendschott in der Zeit von 8 bis etwa 22.30 Uhr gesperrt.

Foto: Wohnhaus (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Bund hat in der letzten Legislaturperiode 1,4 Milliarden Euro durch den Verkauf von Immobilien erzielt. Fast die Hälfte der rund 7.000 veräußerten Wohnungen gingen dabei gegen Höchstpreis an private Investoren,

Foto: Protest von AfD-Sympathisanten (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, hat sich im Vorfeld der Bundestagswahl besorgt über die politische Stimmung in Ostdeutschland gezeigt. "Diese Wut und der Hass, der dieser Tage auf der Straße zu beobachten ist,

Foto: Angela Merkel (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betet nicht für ihren Sieg bei der Bundestagswahl am Sonntag. "So konkret politisch bete ich nicht", sagte sie der "Bild" (Samstag). "Und Gebete sind ohnehin eine sehr persönliche Angelegenheit."

Foto: Straßenverkehr (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die deutsche Autoindustrie bekommt in der Abgasaffäre Hilfe von den Steuerbehörden: Die betroffenen Hersteller können die Korrektur der von ihr verursachten Abgasprobleme steuerlich absetzen,

Foto: Brigitte Zypries (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Im Streit um die Fusionspläne des Stahlkonzerns Thyssenkrupp hat sich Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) an die Seite der Stahlarbeiter gestellt: "Ich kann die Sorgen der Beschäftigten sehr gut verstehen.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Markt für Roboter, die Aufgaben im Haushalt übernehmen, wächst rasant. Im Jahr 2016 wurden weltweit 4,66 Millionen solcher autonomen Haushaltsgeräte verkauft: Das entspricht einem Anstieg von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr,

Foto: Sebastian Vettel (über dts Nachrichtenagentur)

Sport

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Mercedes-Chefaufseher Niki Lauda macht den deutschen Ferrari-Piloten Sebastian Vettel verantwortlich für den Startcrash beim Formel-1-Rennen von Singapur: "Offiziell wurde von der Rennleitung der Crash als ganz normaler Rennunfall eingestuft.

Foto: Arjen Robben (FC Bayern) (über dts Nachrichtenagentur)

Sport

München (dts Nachrichtenagentur) - Der FC Bayern München und der VfL Wolfsburg haben sich am 6. Spieltag in der 1. Bundesliga mit 2:2 unentschieden getrennt. Damit verpasst München den Sprung an die Tabellenspitze.

Marco Hagemann / Foto: Discovery Communications Deutschland

Sport

Bayern gegen Wolfsburg am Freitag live im Eurosport Player
• FC Bayern München gegen VfL Wolfsburg am Freitag, 22. September, live ab 19:30 Uhr im Eurosport Player
• Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München Karl-Heinz Rummenigge ab 19:30 Uhr im Vorlauf zum Spiel im Studio zu Gast bei Experte Matthias Sammer und Jan Henkel
• Stefan Effenberg, Valérien Ismaël und André Schubert bei Moderator Wolfgang Nadvornik in #TGIM – DER kicker.tv TALK am Freitag, 22. September, live um 22:45 Uhr
Wolfsburg (WB/ Discovery Communications Deutschland) - Am 6. Spieltag stehen sich im Freitagabendspiel der FC Bayern München und der VfL Wolfsburg gegenüber.

Foto: Mexiko (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Mexiko-Stadt (dts Nachrichtenagentur) - Nach dem Erdbeben in Mexiko ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 226 angestiegen. Das teilten die mexikanischen Behörden mit. Allein in Mexiko-Stadt waren dutzende Todesopfer zu beklagen.

Foto: Krankenhaus (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - Im Jahr 2015 sind insgesamt 19.049 Patienten wegen der Alzheimer-Krankheit im Krankenhaus behandelt worden. Damit ist die Zahl der stationär behandelten Fälle in den letzten 15 Jahren insgesamt um 85 Prozent angestiegen,

Foto: Polizei (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - In der Nacht zu Montag sind offenbar Unbekannte in das Berliner Polizeipräsidium am Platz der Luftbrücke in Tempelhof eingebrochen und haben sich Zugang zur Polizeihistorischen Sammlung verschafft: Laut eines Berichts der "Welt" wurden dabei Militaria erbeutet.

Begeisterung macht glücklich

von Hans Martin Barthold

Es ist eine Szene mit Symbolwert. Nach seinem Beruf gefragt, gibt Markus Radscheit GärtG 2ner an. Tatsächlich entschied sich der damals Zwanzigjährige nach dem Abitur am katholischen Vinzenz-Pallotti-Kolleg in Rheinbach für eine einschlägige Ausbildung im Zierpflanzenbau. Er bewarb sich an den Botanischen Gärten der Universität Bonn, erhielt einen Ausbildungsvertrag und schloss schon zwei Jahre später 1992 mit besten Ergebnissen ab. Doch das ist erst die halbe Geschichte. Denn der aus der Nähe von Bonn stammende Rheinländer besitzt auch einen akademischen Abschluss. An dem zur University of Essex gehörenden und gerade in seinem Fachbereich renommierten Writtle College erwarb er 1998 den akademischen Abschluss Master of Science in „European Horticulture“. Heute ist er Chefgärtner in Wisley, einer der größten und schönsten Gartenanlagen Englands. Doch käme es ihm nicht in den Sinn, weder den Ausweis wissenschaftlicher Expertise noch seine jetzige berufliche Position zu benutzen, um sich selbst ins grelle Rampenlicht zu rücken.

Aus Schüchternheit? Wohl kaum. Markus Radscheit verfügt über ein gesundes Selbstbewusstsein. Er weiß, was er kann. Und er kann vieles gut. Britisches Understatement? Das könnte schon eher zutreffen. Immerhin studierte der Mann fünf Jahre lang an englischen Colleges und arbeitet seit über drei Jahren in Wisley, einer Gartenanlage der Englischen Königlichen Gartenbaugesellschaft, der Royal Horticultural Society (RHS). Die Gepflogenheiten auf der Insel sind ihm also geläufig. Entscheidender und typisch für den Menschen Markus Radscheit dürfte allerdings seine tiefe Überzeugung sein, dass weder Titel noch Diplome noch die Höhe des Gehalts Rückschlüsse auf berufliche Kompetenzen und schon gar nicht auf den Wert einer Person zulassen. Darüber hinaus hat diese Haltung aber wohl auch etwas mit Kindheit, Jugend und Erziehung zu tun. „Ich besaß unendliche Freiheiten“, erinnert sich Radscheit, „umso mehr achteten meine Eltern aber auf die Einhaltung weniger Verhaltensregeln.“

 

Mit Augen und Händen Natur gestalten

 

Zurückhaltung, Wahrhaftigkeit, Respekt vor der Lebensleistung anderer, Offenheit, Fairness, Solidarität, ebenso Fleiß und Verantwortung für das eigene Tun zählten zu den wichtigsten Eckpfeilern des von Bodenständigkeit geprägten elterlichen Weltbildes. G 3Im Alltag eines Schülers geprüft und auch später während der Ausbildung noch für gut befunden, sind sie im Leben des Markus Radscheit bis heute unverhandelbare Werte. Bleibt die Frage, weshalb Gärtner, warum Gärtner im Zierpflanzenbau? Die Antwort verlangt den Blick zurück. Es sind die politisch stürmischen siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts, in denen der Steppke Markus Radscheit als drittes Kind eines Handwerksmeisters im kleinen Dorf Swisttal Buschhoven aufwächst. Es ist die Zeit des NATO-Doppelbeschlusses, die Zeit der Massendemonstrationen in der Mutlanger Heide gegen die Aufstellung von Pershing II-Raketen.

Es ist die Zeit des Widerstands der Antiatomkraftbewegung rund um das zum Endlager erklärte Salzbergwerk Gorleben. Es ist die Zeit der großen Worte von Ronald Reagan am Brandenburger Tor: „Mr. Gorbatschow, open this gate. Mr. Gorbatschow, tear down this wall.“ Es ist die Zeit von Glasnost und Perestroika. Für Markus Radscheit sind es aber auch die Jahre, sich selbst und seinen Weg finden zu müssen, eine eigene Persönlichkeit, unverwechselbar, in einem Wort: erwachsen zu werden. Statt in der Masse tausender Demonstranten seine Individualität zu verlieren, engagiert er sich lieber in der schuleigenen Gärtnerei und experimentiert in seiner Freizeit mit Gemüsepflanzen im Gewächshaus seiner eigens dafür angepachteten Gartenparzelle. Hier konnte man die Dinge der Welt nicht nur besser wissen, sondern sie selbst besser machen. Das begeistert ihn. Das ist anschaulich, das ist konkret. Die Ernte selbst gezogenen Gemüses schmeckte nach Unabhängigkeit und Freiheit.

 

Lösungen suchen statt lamentieren

 

Die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen, erschien ihm, dem Handwerkersohn, schon zu Schulzeiten verlockender, als die Lösung ohne eigenes Zutun nur lautstark von Dritten einzufordern. Das leitet ihn auch bei seinen Planungen für die Zeit nach dem Abitur. G 4Er kümmert sich frühzeitig um eine Zivildienststelle, bewirbt sich, erhält ein Angebot, unterschreibt den Vertrag – und wird Opfer eines schweren Verkehrsunfalls. Ein Autofahrer übersieht die rote Ampel, schlimmer noch den vorfahrtberechtigten Markus Radscheit auf seinem Fahrrad. Die Knochenbrüche heilen zwar schnell, doch wird er in der Folge ausgemustert. Die Zivildiensteinrichtung muss sich einen anderen jungen Mann suchen. Und auch Markus Radscheit muss neu planen. Der Wunsch, eine Gärtnerlehre im Obst- und Gemüsebau zu beginnen, wird von einer Woche auf die andere zum Sofortprogramm. Doch die Zeit ist bereits zu weit fortgeschritten, eine Ausbildungsstelle lässt sich nicht mehr finden.

Wie später noch öfter löst Radscheit diese knifflige Situation mit unpathetischem Pragmatismus. Sich der Verzweiflung hinzugeben, ist ihm die Zeit zu schade. Er nimmt die neuen Gegebenheiten, wie sie sind. Den Berufswunsch Gärtner will er freilich nicht aufgeben, noch nicht. Wenn also nicht Obst- und Gemüsebau, dann vielleicht eine andere Fachrichtung. Da kommt das Echo der Botanischen Gärten der Universität Bonn gerade recht. Sie bieten eine Ausbildungsstelle als Gärtner im Zierpflanzenbau. Der Abiturient Radscheit sagt zu. Und muss doch gleich die nächste Enttäuschung überwinden. Der Traum vom tropischen Gewächshaus lässt sich nicht verwirklichen. Sein Ausbildungsplatz wird das Kalthaus sein. Damit bezeichnen Gärtner die Pflanzenabteilung, wo anders als in den tropischen Gewächshäusern die Pflanzen im Sommer nicht beheizt werden und im Winter lediglich Temperaturen zwischen acht und zehn Grad benötigen. Die Pflanzen sind vor allem Büsche.

 

Ein gärtnerischer Traum wird wahr

 

Die Exklusivität seines Ausbildungsbetriebes dämmert dem Azubi Radscheit erst nach und nach. Botanische Gärten sind kleine Mikrokosmen, begreift er dann allerdings schnell. Sie erlauben Weltreisen auf wenigen Hektar Fläche.G 5 „Die Kunst des botanischen Gärtners“, beschreibt er, „besteht darin, den Lebensraum zu verstehen, aus dem die Pflanzen kommen.“ Schon bald ist der Azubi auf allen Kontinenten zu Hause, wenn auch nur via Lehrbuch und Internet. Er ist begeistert. So sehr, dass er schon nach zwei Jahren die Gesellenprüfung mit summa cum laude abschließen und ein Stipendium der Begabtenförderung Berufliche Bildung erhalten wird. Aber das weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Für ein paar freie Tage verabschiedet er sich von seinem Ausbilder. Mit einem Freund will er London unsicher machen. Ob er ihm nicht aus dem Gewächshaus der RHS im nahe gelegenen Wisley eine Ipomoea learii, also eine Trichterwinde, mitbringen könne, fragt ihn einer seiner Kollegen. Klar doch, das sollte kein Problem sein.

 

Die Metropole London ist ein Erlebnis, die Gartenanlage in Wisley für den angehenden Gärtner Radscheit das, was für einen Informatiker das Silicon Valley. Die Anlage, die Vielfalt und Vielzahl an Pflanzen, die Organisation, über eine Million Besucher jährlich – der Gärtnerazubi Radscheit kommt aus dem Staunen nicht heraus. Seine Begeisterung verleiht ihm Flügel. Er geht zum Geschäftsführer und erkundigt sich in wackeligem Englisch, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um hier arbeiten zu dürfen. Man empfiehlt ihm ein einjähriges Traineeprogramm, für das die Bewerbungsfrist allerdings bald ablaufe. Auch wenn die Finanzierung in den Sternen steht, Radscheit bewirbt sich umgehend. Sechs Monate später wird er mit dreißig anderen Nachwuchsgärtnern aus aller Herren Länder beginnen. Das Stipendium der Begabtenförderung Berufliche Bildung erweist sich als Geschenk des Himmels. „Wisley ist wie eine permanente Bundesgartenschau“, blickt er noch immer staunend zurück. Er erlebt diese Zeit wie in Trance. Alle drei Monate eine andere Abteilung, dazu der intensive fachliche Austausch!

 

Studium im Mekka des Gartenbaus

 

Das Jahr in Wisley vergeht wie im Flug. Es ist die Begeisterung für die Arbeit in dieser grandios gestalteten Natur, die Markus Radscheit nach Möglichkeiten suchen lässt, länger bleiben und zugleich seine gärtnerischen Kompetenzen erweitern zu können. G 6Er entschließt sich zu einem Studium an der School of Horticulture der Royal Botanic Garden im nicht weit entfernten Kew. Alles ist gut überlegt. Das Studium ist ein praxisintegriertes Studium. Der Botanische Garten Kew gewährt wie die Unternehmen bei einem dualen Studium hierzulande eine Vergütung. Reichtümer garantiert das nicht, der Lebensunterhalt aber ist gesichert. Die Studienbedingungen sind optimal, nur 15 Studenten werden zugelassen. Markus Radscheit ist einer davon. Sein gärtnerischer Traum geht in die nächste Runde. Zwar steht am Ende des dreijährigen Studiums mit dem Kew Diploma nur ein Hausdiplom. Einige britische Universitäten erkennen es jedoch als Zugangsvoraussetzung zu ihren Masterprogrammen an, so auch das Writtle College der University of Essex.

 

Das marketingorientierte Curriculum des Studiums in Kew passt perfekt in Markus Radscheits Pläne und wohl auch zu seinen Begabungen. Während seines Aufenthaltes in Wisley entdeckt er während der Station in der Gartenverwaltung seine organisatorischen Talente. Zwei Praxisaufenthalte führen ihn nach Schottland und Israel. Für eine Studienarbeit während des zweiten Studienjahres fliegt er nach Australien. Sechs Wochen lang besucht er die dortigen botanischen und zoologischen Gärten, um deren umweltpädagogische Aktivitäten zu studieren. Wie alle Studenten muss auch Markus Radscheit seine Abschlussarbeit mit einem praktischen Projekt verbinden. Halbe Sachen waren seine Sache noch nie. Der Rheinländer Radscheit macht deshalb Nägel mit Köpfen und gründet ein Unternehmen für Gartentouristik. „Hortitours“, wie er es nannte, hatte auf Anhieb Erfolg und besteht immer noch. Selten nur bleibt bei den Reisen in die englische und schottische Gartenwelt ein Platz leer.

 

Management statt Labor

 

Die Begeisterung des jungen deutschen Studenten mündet in einen exzellenten Abschluss. Als Anerkennung seiner Leistungen zeichnet ihn Kew Gardens mit dem Henry Idris Matthews Award aus und bietet ihm darüber hinaus ein Stipendium für ein weiterführendes gartenbauliches Masterstudium an. G 7Das kommt einem Ritterschlag gleich! Zugleich erleichtert es die Entscheidung, noch eine Weile auf der Insel zu bleiben und die Rückkehr nach Deutschland aufschieben zu können. Radscheit wechselt nach Writtle an die englische Ostküste, dorthin wo das milde Klima Gartenpflanzen besonders gut gedeihen lässt. Das hier beheimatete College der University of Essex pflegt für das Masterstudium „European Horticulture“ eine enge Kooperation mit der niederländischen Agrarische Hoogeschool Den Bosch. Für einige Lehrveranstaltungen muss Radscheit deshalb nach Holland reisen. Im Mittelpunkt stehen Marketing und Internationaler Handel. Für die Masterthesis wählt Radscheit ein Laborthema. „Damit habe ich mich sehr gequält“, erzählt er. Und weiß seitdem seine Stärken in operativen Tätigkeiten und weniger in der wissenschaftlichen Analytik.

 

Nach sechs Jahren England ist die Rückkehr nach Deutschland beschlossene Sache. Es winkt eine Stelle als Technischer Leiter in den Botanischen Gärten Bonn. Nach dem Direktor und zusammen mit dem wissenschaftlichen Leiter bildet er die zweite Führungsebene. Zuvor aber unterzieht Radscheit sich auf Anraten des Vaters bei der RHS in London noch der Meisterprüfung. Qualifikationen, so die väterliche Erfahrung, zählen hierzulande schließlich erst dann, wenn sie amtlich zertifiziert sind. Tatsächlich benötigt das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium in Düsseldorf für die Anerkennung seines Masterabschlusses einige Monate. Die Stelle als Technischer Leiter der Bonner Botanischen Gärten ist Markus Radscheit wie auf den Leib geschneidert. 13 Jahre wird er bleiben, ohne dass seine Begeisterung Schaden nimmt. Viele Umbauprojekte in dieser Zeit fordern alles von ihm. Nebenbei ist er zuständig für Personal, Finanzen und den gesamten Maschinenpark. Er hat beruflich Erfolg, er ist glücklich.

 

Gartenbau wirtschaftlich denken

 

Der plötzliche Herztod eines Mitarbeiters mitten während der Arbeit wird zum Denkanstoß, beruflich noch einmal etwas Neues wagen zu wollen. Dabei geht es ihm nicht um Karriere und Aufstieg. Nein, Markus Radscheit bleibt sich treu. G 8Wichtig sind ihm Inhalte, Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Er lässt sich in Bonn freistellen und kehrt ein zweites Mal zu seinen gärtnerischen Wurzeln zurück. Anders als vor 13 Jahren dieses Mal allerdings in die umgekehrte Richtung, von Deutschland nach England. Zusammen mit seiner japanischen Frau, auch sie ist Gärtnerin, und zwei kleinen Kindern zieht die Familie nach Wisley, einem Ort mit gerade einmal 180 Einwohnern, die fast alle in der Gartenanlage der Royal Horticultural Society beschäftigt sind. Radscheit übernimmt die Funktion eines Garden Managers und wird zuständig für drei wichtige Abteilungen: das Gewächshaus, die Anzuchtstation, den Steingarten. Das bedeutet Personalverantwortung für knapp 50 Mitarbeiter.

 

Der Beginn ist unerwartet hart. „Ich musste gärtnerisch völlig umdenken“, beschreibt er seine damalige Gefühlslage. Doch Radscheit ist bereit dazu und lernt rasch. In den Bonner Botanischen Gärten bestand seine Aufgabe darin, fremden Pflanzen Lebensräume vergleichbar ihren heimatlichen Standortbedingungen zu schaffen und damit die Art zu erhalten. Der Schau- und Versuchsgarten Wisley ist dagegen Teil der englischen Gartenindustrie. Hier werden Sorten präsentiert, deren Blütenpracht das Herz der Gartenliebhaber schneller schlagen lassen und ihre Geldbörsen öffnen soll. Mauerblümchen haben deshalb keine Chancen. Selbst gezüchtet wird in Wisley nicht. Stattdessen werden die Rabatten mit Blumen anderer Züchter bepflanzt. Gleichwohl hat Wisley züchterisch großen Einfluss. Denn nur die Züchter, die in den sogenannten Sichtungen mit dem Gütesiegel der RHS prämiert werden, dürfen anschließend auf gute Verkaufszahlen hoffen.

 

Die Faszination bleibt

 

Das bestimmt denn auch das gärtnerische Konzept. „In Wisley setzen wir auf den Wow-Effekt“, beschreibt es Radscheit. Und meint damit die Inszenierung riesiger Farbprachten. Statt kleiner Blumeninseln werden deshalb große Flächen mit nur einer einzigen Sorte bepflanzt. G 9Über die Ästhetik mag man streiten. Doch haben Gärtner seit den Anfängen Naturräume im Wechsel der Jahreszeiten gestaltet, die einen so, die anderen so. In dieser Tradition sieht Markus Radscheit seinen Beruf nüchtern und fernab aller Sentimentalitäten. Gartenanlagen befanden sich stets in den Zentren wirtschaftlicher Macht. Das gilt so bis heute. Und auch der Garden Manager Radscheit wird täglich daran erinnert. Schließlich liegt Wisley vor den Toren der Metropole London. 450 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Wenn er aus seinem Wohnzimmerfenster schaut, sieht er die nur wenige hundert Meter entfernte M25, die mit 12 Fahrspuren größte und vielbefahrenste Autobahn Englands. Gärtner sind keine einsamen Ranger in menschenleeren Nationalparks.

Seine Karriere vom Auszubildenden der Botanischen Gärten in Bonn bis hin zum Chefgärtner in einer der größten Gartenanlagen der Welt sieht Markus Radscheit nicht als außergewöhnlich an. Als Gärtner müsse man von Berufs wegen über den Tellerrand schauen. „Das Usambaraveilchen kommt aus Tansania, das Edelweiß stammt aus den eurasischen Gebirgen, die Heimat der Sonnenwende sind die südamerikanischen Anden“, weist er auf den geografischen Rahmen, in denen sich Gärtner bewegen. „Das“, sagt er mit glückstrahlenden Augen, „hat mich vom ersten Ausbildungstag an fasziniert.“ Diese Begeisterung möchte er weitergeben, an Mitarbeiter, Besucher und irgendwann vielleicht auch an den gärtnerischen Nachwuchs. Markus Radscheit als Dozent an einer europäischen Gartenakademie? Man könnte sich den Mann in dieser neuen Rolle gut vorstellen. Denn kaum jemandes Begeisterung wirkt so ansteckend wie seine – für einen Beruf, der Naturwissenschaftler, Künstler, Handwerker und Geschäftsmann in einem und immer gleichzeitig ist.

Weitere Informationen unter: http://www.hortitours.de/uns.html

 

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Fotos: privat, Botanische Gärten der Universität Bonn, RHS