Die Spende der Grundschüler wird für kleine Willkommensgeschenke für die Patientinnen und Patienten verwendet. / Foto: privat

Wolfsburg vor Ort

Wolfsburg (WB/Klinikum Wolfsburg) - Grundschüler aus Sülfeld sammeln beim Sommerfest für die onkologische Station im Klinikum Wolfsburg.

Feuerwehreinsatzwagen in Unfall verwickelt / Foto: resch

Wolfsburg vor Ort

Zwei Schwerverletzte
Wolfsburg (WB/Polizei Wolfsburg) - Ein schwerer Verkehrsunfall mit zwei schwer- und einem leicht verletzten Feuerwehrmann ereignete sich am Mittwochmorgen gegen 11.28 Uhr auf der Landesstraße 641, nahe der Ortschaft Warberg.

Polizei sucht unbekannten Helfer / Foto: resch

Wolfsburg vor Ort

Wolfsburg (WB/Polizei Wolfsburg) - Bereits am Montag, den 19. Juni kam es gegen 13.00 Uhr im Bereich Nordkopfes in der Porschestraße zu einer Beleidung und Körperverletzung durch einen 26 Jahre alten und 31 Jahre alten Wolfsburger zum Nachteil einer jungen Frau.

Auffahrunfall mit 1,78 Promille

Wolfsburg vor Ort

Wolfsburg (WB/Polizei Wolfsburg) - Zu einem Verkehrsunfall unter Alkoholeinfluss kam es am Dienstagabend auf der Allerstraße.

Fahne von Russland (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), hat vor weitreichenden Folgen neuer Russland-Sanktionen der USA für Europas Energieversorgung gewarnt.

Flüchtlingslager (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Rom (dts Nachrichtenagentur) - Italien schafft es bislang nicht, die von Deutschland im Rahmen des europäischen Umverteilungsprogramm angebotene Zahl von Flüchtlingen zu übermitteln. Das erklärte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf Anfrage der "Welt". Demnach sind derzeit 1.499 von Berlin angebotene Plätze nicht genutzt.

Frank-Walter Steinmeier (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich bestürzt über den Tod von zwei Bundeswehrsoldaten beim Absturz eines Hubschraubers in Mali geäußert.

Straßenverkehr (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Nach Ansicht des Städte- und Gemeindebunds muss von dem Anfang August geplanten "Nationalen Forum Diesel" mit Vertretern von Bund, Ländern und Autobranche das Signal einer deutschlandweiten Verkehrswende ausgehen.

Angela Merkel (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, sich aktiv für ein Ende von Diesel- und Benzinmotoren in Pkw einzusetzen.

Volkswagen-Werk (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Wolfsburg (dts Nachrichtenagentur) - Volkswagen hat angesichts der Berichte über illegale Absprachen den Informationsaustausch zwischen verschiedenen Herstellern verteidigt.

Foto: Philipp Lahm (FC Bayern) (über dts Nachrichtenagentur)

Sport

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Philipp Lahm ist rund zwei Monate nach seinem Karriereende beim FC Bayern München zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt worden. Der 33-Jährige gewann die vom Magazin "Kicker" organisierten Wahlen unter den Mitgliedern des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS)

Die Laktatwerte der Spielerinnen ermöglichen Aussagen zur Grundlagenausdauer und sind hilfreich bei der Leistungsdiagnostik der Spielerinnen / Foto: VfL Wolfsburg

Sport

Schwitzen für den Erfolg
VfL-Frauen absolvieren Laktattest
Mittwoch Trainingsauftakt.
Wolfsburg (WB/VfL Wolfsburg) - Laufen, Schwitzen, Laufen, Pieksen: Dieses Prozedere ist Leistungssportlern bestens bekannt. Wie nach jeder längeren Spielpause stand auch für die VfL-Spielerinnen der obligatorische Laktattest auf dem Programm.

Foto: Fans von RB Leipzig (über dts Nachrichtenagentur)

Sport

Leipzig (dts Nachrichtenagentur) - Der Fanforscher Harald Lange hat vor einer Radikalisierung in der Anhängerschaft des Fußball-Bundesligisten RB Leipzig gewarnt. Eine kleine Gruppe von RB-Anhängern habe sich offenbar radikalisiert und scheine auch vor "Gegengewalt" nicht zurückzuschrecken,

Foto: Schweizer Polizist (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Schaffhausen (dts Nachrichtenagentur) - Nach einem Angriff mit einer Motorsäge auf Mitarbeiter einer Versicherung im schweizerischen Schaffhausen ist der Tatverdächtige gefasst worden. Der Mann sei in der Gemeinde Thalwil im Kanton Zürich verhaftet worden, teilte die Polizei am Dienstagabend mit.

Wolfsburg (WB/resch) - Ein Obdachloser hat am Montagvormittag mit einer Kettensäge fünf Menschen angegriffen und verletzt. Die Innenstadt des schweizerischen Ortes Schaffhausen war über Stunden abgesperrt.

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Chef des Deutschen Lehrerverbandes (DL), Heinz-Peter Meidinger, hat einen IT-Service für Schulen und mehr Beteiligung des Bundes an der Digitalisierung der Schulen gefordert.

Begeisterung macht glücklich

von Hans Martin Barthold

Es ist eine Szene mit Symbolwert. Nach seinem Beruf gefragt, gibt Markus Radscheit GärtG 2ner an. Tatsächlich entschied sich der damals Zwanzigjährige nach dem Abitur am katholischen Vinzenz-Pallotti-Kolleg in Rheinbach für eine einschlägige Ausbildung im Zierpflanzenbau. Er bewarb sich an den Botanischen Gärten der Universität Bonn, erhielt einen Ausbildungsvertrag und schloss schon zwei Jahre später 1992 mit besten Ergebnissen ab. Doch das ist erst die halbe Geschichte. Denn der aus der Nähe von Bonn stammende Rheinländer besitzt auch einen akademischen Abschluss. An dem zur University of Essex gehörenden und gerade in seinem Fachbereich renommierten Writtle College erwarb er 1998 den akademischen Abschluss Master of Science in „European Horticulture“. Heute ist er Chefgärtner in Wisley, einer der größten und schönsten Gartenanlagen Englands. Doch käme es ihm nicht in den Sinn, weder den Ausweis wissenschaftlicher Expertise noch seine jetzige berufliche Position zu benutzen, um sich selbst ins grelle Rampenlicht zu rücken.

Aus Schüchternheit? Wohl kaum. Markus Radscheit verfügt über ein gesundes Selbstbewusstsein. Er weiß, was er kann. Und er kann vieles gut. Britisches Understatement? Das könnte schon eher zutreffen. Immerhin studierte der Mann fünf Jahre lang an englischen Colleges und arbeitet seit über drei Jahren in Wisley, einer Gartenanlage der Englischen Königlichen Gartenbaugesellschaft, der Royal Horticultural Society (RHS). Die Gepflogenheiten auf der Insel sind ihm also geläufig. Entscheidender und typisch für den Menschen Markus Radscheit dürfte allerdings seine tiefe Überzeugung sein, dass weder Titel noch Diplome noch die Höhe des Gehalts Rückschlüsse auf berufliche Kompetenzen und schon gar nicht auf den Wert einer Person zulassen. Darüber hinaus hat diese Haltung aber wohl auch etwas mit Kindheit, Jugend und Erziehung zu tun. „Ich besaß unendliche Freiheiten“, erinnert sich Radscheit, „umso mehr achteten meine Eltern aber auf die Einhaltung weniger Verhaltensregeln.“

 

Mit Augen und Händen Natur gestalten

 

Zurückhaltung, Wahrhaftigkeit, Respekt vor der Lebensleistung anderer, Offenheit, Fairness, Solidarität, ebenso Fleiß und Verantwortung für das eigene Tun zählten zu den wichtigsten Eckpfeilern des von Bodenständigkeit geprägten elterlichen Weltbildes. G 3Im Alltag eines Schülers geprüft und auch später während der Ausbildung noch für gut befunden, sind sie im Leben des Markus Radscheit bis heute unverhandelbare Werte. Bleibt die Frage, weshalb Gärtner, warum Gärtner im Zierpflanzenbau? Die Antwort verlangt den Blick zurück. Es sind die politisch stürmischen siebziger und achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts, in denen der Steppke Markus Radscheit als drittes Kind eines Handwerksmeisters im kleinen Dorf Swisttal Buschhoven aufwächst. Es ist die Zeit des NATO-Doppelbeschlusses, die Zeit der Massendemonstrationen in der Mutlanger Heide gegen die Aufstellung von Pershing II-Raketen.

Es ist die Zeit des Widerstands der Antiatomkraftbewegung rund um das zum Endlager erklärte Salzbergwerk Gorleben. Es ist die Zeit der großen Worte von Ronald Reagan am Brandenburger Tor: „Mr. Gorbatschow, open this gate. Mr. Gorbatschow, tear down this wall.“ Es ist die Zeit von Glasnost und Perestroika. Für Markus Radscheit sind es aber auch die Jahre, sich selbst und seinen Weg finden zu müssen, eine eigene Persönlichkeit, unverwechselbar, in einem Wort: erwachsen zu werden. Statt in der Masse tausender Demonstranten seine Individualität zu verlieren, engagiert er sich lieber in der schuleigenen Gärtnerei und experimentiert in seiner Freizeit mit Gemüsepflanzen im Gewächshaus seiner eigens dafür angepachteten Gartenparzelle. Hier konnte man die Dinge der Welt nicht nur besser wissen, sondern sie selbst besser machen. Das begeistert ihn. Das ist anschaulich, das ist konkret. Die Ernte selbst gezogenen Gemüses schmeckte nach Unabhängigkeit und Freiheit.

 

Lösungen suchen statt lamentieren

 

Die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen, erschien ihm, dem Handwerkersohn, schon zu Schulzeiten verlockender, als die Lösung ohne eigenes Zutun nur lautstark von Dritten einzufordern. Das leitet ihn auch bei seinen Planungen für die Zeit nach dem Abitur. G 4Er kümmert sich frühzeitig um eine Zivildienststelle, bewirbt sich, erhält ein Angebot, unterschreibt den Vertrag – und wird Opfer eines schweren Verkehrsunfalls. Ein Autofahrer übersieht die rote Ampel, schlimmer noch den vorfahrtberechtigten Markus Radscheit auf seinem Fahrrad. Die Knochenbrüche heilen zwar schnell, doch wird er in der Folge ausgemustert. Die Zivildiensteinrichtung muss sich einen anderen jungen Mann suchen. Und auch Markus Radscheit muss neu planen. Der Wunsch, eine Gärtnerlehre im Obst- und Gemüsebau zu beginnen, wird von einer Woche auf die andere zum Sofortprogramm. Doch die Zeit ist bereits zu weit fortgeschritten, eine Ausbildungsstelle lässt sich nicht mehr finden.

Wie später noch öfter löst Radscheit diese knifflige Situation mit unpathetischem Pragmatismus. Sich der Verzweiflung hinzugeben, ist ihm die Zeit zu schade. Er nimmt die neuen Gegebenheiten, wie sie sind. Den Berufswunsch Gärtner will er freilich nicht aufgeben, noch nicht. Wenn also nicht Obst- und Gemüsebau, dann vielleicht eine andere Fachrichtung. Da kommt das Echo der Botanischen Gärten der Universität Bonn gerade recht. Sie bieten eine Ausbildungsstelle als Gärtner im Zierpflanzenbau. Der Abiturient Radscheit sagt zu. Und muss doch gleich die nächste Enttäuschung überwinden. Der Traum vom tropischen Gewächshaus lässt sich nicht verwirklichen. Sein Ausbildungsplatz wird das Kalthaus sein. Damit bezeichnen Gärtner die Pflanzenabteilung, wo anders als in den tropischen Gewächshäusern die Pflanzen im Sommer nicht beheizt werden und im Winter lediglich Temperaturen zwischen acht und zehn Grad benötigen. Die Pflanzen sind vor allem Büsche.

 

Ein gärtnerischer Traum wird wahr

 

Die Exklusivität seines Ausbildungsbetriebes dämmert dem Azubi Radscheit erst nach und nach. Botanische Gärten sind kleine Mikrokosmen, begreift er dann allerdings schnell. Sie erlauben Weltreisen auf wenigen Hektar Fläche.G 5 „Die Kunst des botanischen Gärtners“, beschreibt er, „besteht darin, den Lebensraum zu verstehen, aus dem die Pflanzen kommen.“ Schon bald ist der Azubi auf allen Kontinenten zu Hause, wenn auch nur via Lehrbuch und Internet. Er ist begeistert. So sehr, dass er schon nach zwei Jahren die Gesellenprüfung mit summa cum laude abschließen und ein Stipendium der Begabtenförderung Berufliche Bildung erhalten wird. Aber das weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Für ein paar freie Tage verabschiedet er sich von seinem Ausbilder. Mit einem Freund will er London unsicher machen. Ob er ihm nicht aus dem Gewächshaus der RHS im nahe gelegenen Wisley eine Ipomoea learii, also eine Trichterwinde, mitbringen könne, fragt ihn einer seiner Kollegen. Klar doch, das sollte kein Problem sein.

 

Die Metropole London ist ein Erlebnis, die Gartenanlage in Wisley für den angehenden Gärtner Radscheit das, was für einen Informatiker das Silicon Valley. Die Anlage, die Vielfalt und Vielzahl an Pflanzen, die Organisation, über eine Million Besucher jährlich – der Gärtnerazubi Radscheit kommt aus dem Staunen nicht heraus. Seine Begeisterung verleiht ihm Flügel. Er geht zum Geschäftsführer und erkundigt sich in wackeligem Englisch, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um hier arbeiten zu dürfen. Man empfiehlt ihm ein einjähriges Traineeprogramm, für das die Bewerbungsfrist allerdings bald ablaufe. Auch wenn die Finanzierung in den Sternen steht, Radscheit bewirbt sich umgehend. Sechs Monate später wird er mit dreißig anderen Nachwuchsgärtnern aus aller Herren Länder beginnen. Das Stipendium der Begabtenförderung Berufliche Bildung erweist sich als Geschenk des Himmels. „Wisley ist wie eine permanente Bundesgartenschau“, blickt er noch immer staunend zurück. Er erlebt diese Zeit wie in Trance. Alle drei Monate eine andere Abteilung, dazu der intensive fachliche Austausch!

 

Studium im Mekka des Gartenbaus

 

Das Jahr in Wisley vergeht wie im Flug. Es ist die Begeisterung für die Arbeit in dieser grandios gestalteten Natur, die Markus Radscheit nach Möglichkeiten suchen lässt, länger bleiben und zugleich seine gärtnerischen Kompetenzen erweitern zu können. G 6Er entschließt sich zu einem Studium an der School of Horticulture der Royal Botanic Garden im nicht weit entfernten Kew. Alles ist gut überlegt. Das Studium ist ein praxisintegriertes Studium. Der Botanische Garten Kew gewährt wie die Unternehmen bei einem dualen Studium hierzulande eine Vergütung. Reichtümer garantiert das nicht, der Lebensunterhalt aber ist gesichert. Die Studienbedingungen sind optimal, nur 15 Studenten werden zugelassen. Markus Radscheit ist einer davon. Sein gärtnerischer Traum geht in die nächste Runde. Zwar steht am Ende des dreijährigen Studiums mit dem Kew Diploma nur ein Hausdiplom. Einige britische Universitäten erkennen es jedoch als Zugangsvoraussetzung zu ihren Masterprogrammen an, so auch das Writtle College der University of Essex.

 

Das marketingorientierte Curriculum des Studiums in Kew passt perfekt in Markus Radscheits Pläne und wohl auch zu seinen Begabungen. Während seines Aufenthaltes in Wisley entdeckt er während der Station in der Gartenverwaltung seine organisatorischen Talente. Zwei Praxisaufenthalte führen ihn nach Schottland und Israel. Für eine Studienarbeit während des zweiten Studienjahres fliegt er nach Australien. Sechs Wochen lang besucht er die dortigen botanischen und zoologischen Gärten, um deren umweltpädagogische Aktivitäten zu studieren. Wie alle Studenten muss auch Markus Radscheit seine Abschlussarbeit mit einem praktischen Projekt verbinden. Halbe Sachen waren seine Sache noch nie. Der Rheinländer Radscheit macht deshalb Nägel mit Köpfen und gründet ein Unternehmen für Gartentouristik. „Hortitours“, wie er es nannte, hatte auf Anhieb Erfolg und besteht immer noch. Selten nur bleibt bei den Reisen in die englische und schottische Gartenwelt ein Platz leer.

 

Management statt Labor

 

Die Begeisterung des jungen deutschen Studenten mündet in einen exzellenten Abschluss. Als Anerkennung seiner Leistungen zeichnet ihn Kew Gardens mit dem Henry Idris Matthews Award aus und bietet ihm darüber hinaus ein Stipendium für ein weiterführendes gartenbauliches Masterstudium an. G 7Das kommt einem Ritterschlag gleich! Zugleich erleichtert es die Entscheidung, noch eine Weile auf der Insel zu bleiben und die Rückkehr nach Deutschland aufschieben zu können. Radscheit wechselt nach Writtle an die englische Ostküste, dorthin wo das milde Klima Gartenpflanzen besonders gut gedeihen lässt. Das hier beheimatete College der University of Essex pflegt für das Masterstudium „European Horticulture“ eine enge Kooperation mit der niederländischen Agrarische Hoogeschool Den Bosch. Für einige Lehrveranstaltungen muss Radscheit deshalb nach Holland reisen. Im Mittelpunkt stehen Marketing und Internationaler Handel. Für die Masterthesis wählt Radscheit ein Laborthema. „Damit habe ich mich sehr gequält“, erzählt er. Und weiß seitdem seine Stärken in operativen Tätigkeiten und weniger in der wissenschaftlichen Analytik.

 

Nach sechs Jahren England ist die Rückkehr nach Deutschland beschlossene Sache. Es winkt eine Stelle als Technischer Leiter in den Botanischen Gärten Bonn. Nach dem Direktor und zusammen mit dem wissenschaftlichen Leiter bildet er die zweite Führungsebene. Zuvor aber unterzieht Radscheit sich auf Anraten des Vaters bei der RHS in London noch der Meisterprüfung. Qualifikationen, so die väterliche Erfahrung, zählen hierzulande schließlich erst dann, wenn sie amtlich zertifiziert sind. Tatsächlich benötigt das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium in Düsseldorf für die Anerkennung seines Masterabschlusses einige Monate. Die Stelle als Technischer Leiter der Bonner Botanischen Gärten ist Markus Radscheit wie auf den Leib geschneidert. 13 Jahre wird er bleiben, ohne dass seine Begeisterung Schaden nimmt. Viele Umbauprojekte in dieser Zeit fordern alles von ihm. Nebenbei ist er zuständig für Personal, Finanzen und den gesamten Maschinenpark. Er hat beruflich Erfolg, er ist glücklich.

 

Gartenbau wirtschaftlich denken

 

Der plötzliche Herztod eines Mitarbeiters mitten während der Arbeit wird zum Denkanstoß, beruflich noch einmal etwas Neues wagen zu wollen. Dabei geht es ihm nicht um Karriere und Aufstieg. Nein, Markus Radscheit bleibt sich treu. G 8Wichtig sind ihm Inhalte, Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Er lässt sich in Bonn freistellen und kehrt ein zweites Mal zu seinen gärtnerischen Wurzeln zurück. Anders als vor 13 Jahren dieses Mal allerdings in die umgekehrte Richtung, von Deutschland nach England. Zusammen mit seiner japanischen Frau, auch sie ist Gärtnerin, und zwei kleinen Kindern zieht die Familie nach Wisley, einem Ort mit gerade einmal 180 Einwohnern, die fast alle in der Gartenanlage der Royal Horticultural Society beschäftigt sind. Radscheit übernimmt die Funktion eines Garden Managers und wird zuständig für drei wichtige Abteilungen: das Gewächshaus, die Anzuchtstation, den Steingarten. Das bedeutet Personalverantwortung für knapp 50 Mitarbeiter.

 

Der Beginn ist unerwartet hart. „Ich musste gärtnerisch völlig umdenken“, beschreibt er seine damalige Gefühlslage. Doch Radscheit ist bereit dazu und lernt rasch. In den Bonner Botanischen Gärten bestand seine Aufgabe darin, fremden Pflanzen Lebensräume vergleichbar ihren heimatlichen Standortbedingungen zu schaffen und damit die Art zu erhalten. Der Schau- und Versuchsgarten Wisley ist dagegen Teil der englischen Gartenindustrie. Hier werden Sorten präsentiert, deren Blütenpracht das Herz der Gartenliebhaber schneller schlagen lassen und ihre Geldbörsen öffnen soll. Mauerblümchen haben deshalb keine Chancen. Selbst gezüchtet wird in Wisley nicht. Stattdessen werden die Rabatten mit Blumen anderer Züchter bepflanzt. Gleichwohl hat Wisley züchterisch großen Einfluss. Denn nur die Züchter, die in den sogenannten Sichtungen mit dem Gütesiegel der RHS prämiert werden, dürfen anschließend auf gute Verkaufszahlen hoffen.

 

Die Faszination bleibt

 

Das bestimmt denn auch das gärtnerische Konzept. „In Wisley setzen wir auf den Wow-Effekt“, beschreibt es Radscheit. Und meint damit die Inszenierung riesiger Farbprachten. Statt kleiner Blumeninseln werden deshalb große Flächen mit nur einer einzigen Sorte bepflanzt. G 9Über die Ästhetik mag man streiten. Doch haben Gärtner seit den Anfängen Naturräume im Wechsel der Jahreszeiten gestaltet, die einen so, die anderen so. In dieser Tradition sieht Markus Radscheit seinen Beruf nüchtern und fernab aller Sentimentalitäten. Gartenanlagen befanden sich stets in den Zentren wirtschaftlicher Macht. Das gilt so bis heute. Und auch der Garden Manager Radscheit wird täglich daran erinnert. Schließlich liegt Wisley vor den Toren der Metropole London. 450 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Wenn er aus seinem Wohnzimmerfenster schaut, sieht er die nur wenige hundert Meter entfernte M25, die mit 12 Fahrspuren größte und vielbefahrenste Autobahn Englands. Gärtner sind keine einsamen Ranger in menschenleeren Nationalparks.

Seine Karriere vom Auszubildenden der Botanischen Gärten in Bonn bis hin zum Chefgärtner in einer der größten Gartenanlagen der Welt sieht Markus Radscheit nicht als außergewöhnlich an. Als Gärtner müsse man von Berufs wegen über den Tellerrand schauen. „Das Usambaraveilchen kommt aus Tansania, das Edelweiß stammt aus den eurasischen Gebirgen, die Heimat der Sonnenwende sind die südamerikanischen Anden“, weist er auf den geografischen Rahmen, in denen sich Gärtner bewegen. „Das“, sagt er mit glückstrahlenden Augen, „hat mich vom ersten Ausbildungstag an fasziniert.“ Diese Begeisterung möchte er weitergeben, an Mitarbeiter, Besucher und irgendwann vielleicht auch an den gärtnerischen Nachwuchs. Markus Radscheit als Dozent an einer europäischen Gartenakademie? Man könnte sich den Mann in dieser neuen Rolle gut vorstellen. Denn kaum jemandes Begeisterung wirkt so ansteckend wie seine – für einen Beruf, der Naturwissenschaftler, Künstler, Handwerker und Geschäftsmann in einem und immer gleichzeitig ist.

Weitere Informationen unter: http://www.hortitours.de/uns.html

 

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Fotos: privat, Botanische Gärten der Universität Bonn, RHS