Foto: Handy-Sendemasten (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Freenet-Chef Christoph Vilanek befürwortet den Aufbau eines vierten Mobilfunknetzes in Deutschland. "Wettbewerb ist grundsätzlich wünschenswert", sagte Vilanek der "Welt" (Montagsausgabe).

"Wir haben in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern eine relativ schlechte Netzabdeckung." Wettbewerb sei deshalb auch in der Infrastruktur zu begrüßen. "Hätten wir nicht zusammen mit anderen Anbietern in der Vergangenheit diesen Wettbewerb angeheizt, hätte sich ein Oligopol und ein Nichtangriffspakt gebildet", so Vilanek. Neben den drei Mobilfunknetzbetreibern beteiligt sich auch United Internet mit seiner Tochter Drillisch an der aktuellen Frequenz-Auktion für die nächste Mobilfunkgeneration 5G. United-Internet-Chef Ralph Dommermuth hatte bereits angekündigt, nach der Versteigerung ein viertes Mobilfunknetz in Deutschland bauen zu wollen.

Sollte es dazu kommen, ist Freenet mit seinen Marken Mobilcom-Debitel der letzte Mobilfunk-Service-Provider, der mit seinen Kunden die Netze der Mobilfunker nutzt. Das soll auch für das neue Netz gelten. "Natürlich wollen wir auch auf das Netz von United Internet", sagte Vilanek.

Dazu wolle er Gespräche führen. Grundsätzlich sieht der Freenet-Chef seine Position durch die 5G-Lizenzbedingungen gestärkt. "Unsere Situation verbessert sich nun dramatisch, weil die Bundesnetzagentur in die Lizenzbedingungen ein technologieneutrales Verhandlungsgebot festgelegt hat."

Außerdem gebe es ein Diskriminierungsverbot. "Man darf uns keine schlechteren Bedingungen für die Nutzung der Netze anbieten, als sie innerhalb der eigenen Unternehmen gelten", sagte Vilanek. Dies gelte auch für das potenzielle Netz von United Internet. Der Freenet-Chef verteidigte in der "Welt" auch seine Entscheidung, nicht an der 5G-Mobilfunk-Auktion teilzunehmen. "Zum einen sehen wir schon jetzt, dass die Gebote sehr hoch sind. Zum anderen müsste ich ein komplettes Netz aufbauen, dass sich ja nicht auf 5G beschränkt. Es müsste auch abwärtskompatibel sein." Dies könne mehr als zehn Milliarden Euro kosten. Freenet habe als Aktiengesellschaft am Kapitalmarkt eine klare Position, die keine Investitionen in Infrastruktur vorsehe. "Eine Auktionsbeteiligung wäre eine klare Abkehr davon gewesen." Derzeit baut sich Freenet mit seinem Fernsehgeschäft ein neues Standbein auf. Nach der Übernahme von Media Broadcast im vergangenen Jahr betreibt der Konzern nicht nur das terrestrische Antennenfernsehen DVB-T2. Mit Waipu bietet Freenet auch einen Internet-TV-Dienst an, der ab Mai auch als O2-TV über Telefónica vermarktet wird. Dieses Geschäft soll ausgebaut werden. "Fernsehen ist für uns kein Hobby", sagte Vilanek. Im vergangenen Jahr habe Freenet damit 280 Millionen Euro umgesetzt. Ein Anteil von 20 Prozent des Ergebnisses komme aus diesem Geschäft. "Dieser Anteil wird in den nächsten Jahren deutlich steigen."