Foto: Deutschlandfahne über dem Reichstagsgebäude (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Ökonomen sehen Deutschland nach der Ankündigung von Kanzlerin Angela Merkel, den Parteivorsitz der CDU aufzugeben, vor einer Phase politischer Unsicherheit. Das berichtet das "Handelsblatt" (Mittwochausgabe). Diese kann nach ihrer Ansicht

heikel für die Wirtschaft werden – jedenfalls dann, wenn die Übergangsphase bis zur nächsten stabilen Bundesregierung lange dauert und der neue Kanzler oder die neue Kanzlerin Europa aus dem Blick verlieren sollte. Eine Restlaufzeit der Kanzlerschaft Merkels bis zum regulären Ende der Legislaturperiode 2021 gilt ihnen als Gefahr für die Wirtschaft. "Die Ankündigung von Frau Merkel, nicht wieder für den CDU-Vorsitz zu kandidieren, verdient Respekt, ist aber eindeutig der Beginn des Abschieds auch von der Kanzlerschaft", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest dem "Handelsblatt" (Mittwochsausgabe). Wenn Merkel weiter Kanzlerin bleibe, müsse sie erklären, welches politische Projekt sie noch voranbringen will.

Dafür brauche sie zudem die Unterstützung nicht nur der eigenen Partei, sondern auch von SPD und CSU. "Noch einmal einen Anlauf zu Reformen der EU oder der Euro-Zone zu nehmen, könnte ein solches Projekt sein", sagte Fuest. "Wenn es ein solches Projekt nicht gibt, sollte Angela Merkel davon Abstand nehmen, für die ganze Legislaturperiode im Amt zu bleiben", sagte er.

Es wäre dann "besser, eine neue Regierung zu bilden oder Neuwahlen auszurufen". Dennis Snower, Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, fürchtet vor allem, mit dem absehbaren Ende der Kanzlerschaft Merkels eine Verteidigerin des Multilateralismus zu verlieren. "Eine solche Stimme zu haben, ist für Deutschland wichtig, dessen Wohlstand stark von seiner internationalen Vernetzung abhängt", sagte Snower der Zeitung.

"Wer auch immer auf Frau Merkel im Parteivorsitz oder später mal im Bundeskanzleramt folgt, sollte nicht der Versuchung erliegen, sich vor allem auf nationale Interessen zu fokussieren", mahnte er. "Wir brauchen jemanden, der gegenüber der Welt aufgeschlossen ist und Europa als Wertegemeinschaft voranbringen will."