Ruhrgebiet / Foto über dts Nachrichtenagentur

Bottrop (dts Nachrichtenagentur) - Nach der Amokfahrt in der Bottroper Innenstadt gibt es Spekulationen um die Hintergründe der Tat. Der Täter von Bottrop und Essen, Andreas N., passe "sehr gut ins Bild typischer rechtsterroristischer Täter", sagte der Rechtsextremismus-Experte Florian Hartleb der "Welt" (Donnerstagsausgabe).

"Meistens handelt es sich um vereinsamte Männer mittleren Alters ohne Freundin oder Frau, viele arbeitslos und sozial isoliert", so Hartleb weiter.
Der Forscher, der Gutachter für die Stadt München zur Bluttat von Attentäter David S. im Juli 2016 war, nennt solche Täter "einsame Wölfe". Vieler solcher Einzeltäter hätten Diagnosen wie Schizophrenie, Autismus oder Narzissmus. Hartleb warnt allerdings davor, Motive solcher Fälle allein im persönlichen Bereich zu suchen.

"Das führt zu einer Entpolitisierung", so der Forscher. Ein "verharmlosender Effekt" im Zusammenhang mit den psychischen Erkrankungen der Täter sei "leider oftmals der Fall, wie das Attentat von David S. in München gezeigt hat". Hartleb kritisierte die Einordnung der Bluttat von Bottrop und Essen durch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) als sogenannte Amokfahrt.

"Bottrop war ein Terroranschlag", konstatierte Hartleb. "Horst Seehofer irrt, wenn er von einer Amokfahrt spricht. Eine Amoktat ist unpolitisch, von der Opferwahl willkürlich und grundsätzlich spontan", so der Rechtsextremismus-Experte.

Im Fall Bottrop sei das an der politischen Motivation des Täters, der gezielten Opferauswahl und der Umsetzung an mehreren Orten deutlich sichtbar. "Ich würde zudem ausschließen, dass der Vorfall eine spontane Tat war", so Hartleb.