Foto: Oliver Kahn (über dts Nachrichtenagentur)

Frankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) - Für den früheren Bundestrainer Jürgen Klinsmann war die 2006 getroffene Entscheidung gegen Oliver Kahn und für Jens Lehmann als Torhüter für die WM im eigenen Land nach eigenen Angaben die schwierigste seiner Karriere.

"Es war extrem schwer, das zu entscheiden, weil wir es bei Oliver und Jens mit zwei charismatischen, dominanten Persönlichkeiten zu tun hatten, mit absoluten Turniertypen, die mit ihrer Energie alle mitreißen konnten", sagte der ehemalige Nationaltrainer der Wochenzeitung "Die Zeit". Ausschlaggebend sei am Ende des qualvollsten Abwägungsprozesses seiner Karriere gewesen, dass Oliver "eher die traditionelle Spielform" verkörperte und "Jens eher die damals noch neue Philosophie, bei der sich der Torhüter mehr ins Spiel einschaltet".

Gedauert habe der Entscheidungsprozess zwei Jahre, so Klinsmann, der Behauptungen widerspricht, Oliver Kahn damals bewusst hingehalten zu haben: "Wir sagten beiden: Wir haben mit euch zwei Weltklassetorhüter, wir hoffen, dass wir die richtige Entscheidung treffen, und, ganz wichtig, sie ist bis zuletzt wirklich offen." Es war Oliver Kahns damaliger Verein, der in den Monaten vor der WM auf eine schnelle Festlegung pochte: "Olivers Club, der Bayern München, wurde immer unzufriedener mit der Situation, fürchtete um die Form seiner Nummer eins", erinnert sich Klinsmann im Gespräch mit der "Zeit". Seine größte Sorge sei damals gewesen, so der 53-Jährige, "dass Oliver hinschmeißt. Wir wussten nicht, wie er reagiert." Als Klinsmann die Nachricht dann gemeinsam mit Joachim Löw und Andy Köpke im persönlichen Gespräch Oliver Kahn verkündete, sei dieser erst einmal "wie vor den Kopf gestoßen" gewesen, "hat es aber ruhig und sehr respektvoll aufgenommen. Er sagte, er müsse das jetzt erstmal schlucken."

Seine Hochachtung für Kahn sei in diesem Gespräch gestiegen.