Foto: Wolfgang Schäuble (über dts Nachrichtenagentur)

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise sieht Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) keinen Grund für eine Entwarnung und Lockerung der Regulierung. "Wir werden eben nie einen Zustand erleben, in dem wir sagen können:

Alles ist gut", sagte der frühere Finanzminister dem "Handelsblatt". Er sehe nicht, dass die Regulierung in Deutschland und Europa zu weit gegangen sei. Schäuble verwies auf Prognosen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Die mahne, dass "die enorm hohe Liquidität allerorten die Gefahr neuer Blasen mit sich bringt", so Schäuble. Hinzu kämen neue Technologien wie Blockchain und Kryptowährungen wie Bitcoin.

"Da müssen sich die Notenbanken fragen, ob sie überhaupt noch die nötigen Instrumentarien zur Aufsicht und Kontrolle haben", sagte der CDU-Politiker. Der frühere Finanzminister kritisierte auch die Manager. "Mein Respekt gegenüber Verantwortlichen aus der Bankenwelt war schon nicht sonderlich ausgeprägt, als ich Finanzminister wurde. Und dieser Respekt nahm dann noch weiter ab", sagte Schäuble dem "Handelsblatt". Er glaube aber auch heute noch nicht, dass staatliche Bürokratie Probleme besser lösen könne. "Alles der Regulierung anzuvertrauen geht sicher schief."

Der Bundestagspräsident sieht Pläne skeptisch, das europäische Finanzsystem unabhängiger von den USA zu machen. "Mehr Distanz zu Amerika hat bislang jedenfalls nicht dazu geführt, dass unser eigener Einfluss in der Welt gewachsen wäre", betonte Schäuble. "Bis wir es angesichts der Komplexität erreichen, dass Finanzsysteme und Wirtschaft auch nur ein Stück weit entflochten werden könnten, würde ich solche Aufsätze jedenfalls etwas zögerlicher schreiben", so Schäuble in Anspielung auf einen Gastbeitrag von Heiko Maas. Der Außenminister hatte gefordert, dass Europa von den USA unabhängige Finanzkanäle aufbauen solle.