Letzte Termine lebendiger Adventskalender in Warmenau / Foto: resch

Wolfsburg Events

Warmenau (Ortsbürgermeisterin Angelika Jahns) - Am morgigen Dienstag, 12. 12. 2017, wird der „lebendige Adventskalender“ in Warmenau vom Gymnastikverein ausgerichtet und findet ab 18 Uhr bei Familie Paelecke in der Zielleistge 13 statt.

Alt und Jung 2007 / Foto: Joachim Seidig

Wolfsburg Events

Wolfsburg (WB/Kunstmuseum) - Am 12. 12. 2017 kann das zehnjährige Jubiläum des Vermittlungsprojekts „Alt und Jung“ im Kunstmuseum Wolfsburg gefeiert werden.
Seit 2007 kommen Lernende des Gymnasiums Martino-Katharineum Braunschweig gemeinsam mit Bewohnern der Seniorenresidenz Augustinum Braunschweig ins Kunstmuseum Wolfsburg, um sich gemeinsam über Kunst auszutauschen.

Offenes Singen in der Musikbibliothek

Wolfsburg Events

Wolfsburg (WB/Stadt Wolfsburg) - Am Mittwoch, 13. Dezember lädt die Musikbibliothek im Alvar-Aalto-Kulturhaus um 16 Uhr zum Offenen Singen ein.

Schwerer Verkehrsunfall auf der Kreisstraße 114 zwischen Wolfsburg und Gifhorn / Foto: resch

Wolfsburg vor Ort

Wolfsburg (WB/Polizei Wolfsburg) - Bei einem frontalen Zusammenstoß auf der Kreisstraße 114 zwischen Wolfsburg und Gifhorn wurde am Freitagnachmittag ein 68 Jahre alter Fahrer eines Land Rovers schwer und ein 41-jähriger Lkw-Fahrer aus Wolfsburg leicht verletzt. Insgesamt entstand ein Schaden von 40.000 Euro.

Foto: Krankenhaus (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Durch die Digitalisierung von Krankenhäusern fühlen sich deren Mitarbeiter häufig unter Arbeitsdruck. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung im Auftrag der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, über die die "Süddeutschen Zeitung" in ihrer Montagausgabe berichtet.

Foto: Israelische Fahnen (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Anlässlich mehrerer anti-israelischer Demonstrationen am Wochenende in Berlin haben Politiker von Union und FDP zum Kampf gegen Antisemitismus und zu einem Aufstand der Zivilgesellschaft aufgerufen. "Es hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun,

Foto: Ralf Stegner (über dts Nachrichtenagentur)

Politik

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - SPD-Vize Ralf Stegner hat die Union davor gewarnt, vor Beginn von Verhandlungen öffentlich rote Linien zu markieren. "Das ist nicht schlau", sagte er dem "Tagesspiegel" (Montagsausgabe). Zugleich erteilte er Forderungen

Foto: Deutsche Bank (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Frankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) - Die Deutsche Bank will Sponsor der Fußballnationalmannschaft werden. Das berichtet der "Spiegel". Bisher ist die Commerzbank Premiumpartner des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) – neben der Post, der Telekom, SAP, Bitburger und Coca-Cola.

Foto: Flughafen Berlin-Brandenburg International (BER) (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Berlin (dts Nachrichtenagentur) - In der Berliner Flughafengesellschaft gibt es Überlegungen, den Hauptstadtflughafen BER im Jahr 2020 zur Not ohne Hauptterminal in Betrieb zu nehmen. Wie der "Spiegel" berichtet, könnte ein Terminal in "industrieller Fertigbauweise"

Foto: Computer-Nutzerin (über dts Nachrichtenagentur)

Wirtschaft

Wiesbaden (dts Nachrichtenagentur) - 19 Prozent der Unternehmen in Deutschland verkauften im Jahr 2016 ihre Waren oder Dienstleistungen über eine Website oder eine App. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Weitere fünf Prozent nutzten elektronischen Datenaustausch

Foto: Fans von Borussia Dortmund (über dts Nachrichtenagentur)

Sport

Nyon (dts Nachrichtenagentur) - Borussia Dortmund spielt in der Zwischenrunde der Europa League gegen Atalanta Bergamo. Das ergab die Auslosung der Uefa am Montagnachmittag in Nyon. RB Leipzig muss gegen SSC Neapel ran. Die beiden deutschen Vertreter

Foto: FC-Bayern-Spieler im Mai 2017 (über dts Nachrichtenagentur)

Sport

Nyon (dts Nachrichtenagentur) - Der FC Bayern München spielt im Achtelfinale der Champions League gegen Besiktas Istanbul. Das ergab die Auslosung der Uefa am Montagmittag in Nyon. Die anderen deutschen Teams waren bereits in der Gruppenphase ausgeschieden.

Foto: Niklas Stark (Hertha BSC) (über dts Nachrichtenagentur)

Sport

Augsburg (dts Nachrichtenagentur) - Zum Abschluss des 15. Spieltages in der Fußball-Bundesliga haben sich Augsburg und Hertha mit einem 1:1 unentschieden getrennt. Erst die 74. Minute brachte den ersten Treffer durch Augsburgs Caiuby. Die Herthaner zeigten 90 Minuten lang

Foto: New York (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

New York (dts Nachrichtenagentur) - Am Port Authority Bus Terminal im New Yorker Stadtbezirk Manhattan hat es am Montagmorgen offenbar eine Explosion gegeben. Die New Yorker Polizei teilte über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass man entsprechenden Berichten nachgehe.

Foto: Gleisanlage (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Neuss (dts Nachrichtenagentur) - Bei dem Zugunglück in Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben der Feuerwehr weniger Menschen verletzt worden, als zunächst befürchtet. Fünf Personen seien zu Schaden gekommen, keine davon lebensgefährlich, hieß es.

Foto: Wasserwerfereinsatz bei Anti-G20-Protest in Hamburg am 07.07.2017 (über dts Nachrichtenagentur)

Vermischtes

Hamburg (dts Nachrichtenagentur) - In mehreren Bundesländern hat es am Dienstagmorgen Razzien gegen Linksextremisten und Autonome gegeben. Mehr als 20 Wohnungen in Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und anderen Bundesländern

Studienabbruch - Einführung
Den Phönix aus der Asche geben

Es verursacht nicht nur hohe volkswirtschaftliche Kosten. Nein, es ist auch ein Problem mit weitreichenden persönlichen Folgen. Gemeint ist das Phänomen tausendfacher Studienabbrüche. An den Universitäten wechselt etwa jeder dritte Studienanfänger meist schon in den ersten zwei Semestern das Studienfach und/oder die Hochschule, um einen Neustart zu versuchen. Andere verlassen die Alma Mater früher oder später, gar nicht selten nach einem solchen wiederum erfolglosen zweiten Anlauf, ganz ohne irgendeinen berufsqualifizierenden Abschluss. An den Fachhochschulen soll es jeden Vierten betreffen.

Anders als die Bildungspolitik der Öffentlichkeit weis machen wollte, hat die Umstellung auf die Bachelor-/Masterstruktur daran wenig geändert. Im Gegenteil, die Dropout-Quoten kennen nur eine Richtung. Und die zeigt steil nach oben. Tatsächlich geht die Schere zwischen Studienanfängern und Absolventen beständig weiter auf.

Eine jüngste Befragung der Universität Maastricht und des Bundesinstituts für berufliche Bildung (BIBB) bestätigt diese Situation. Von den 12.000 kontaktierten Studenten ist nicht weniger als jeder Dritte mit seinem Studium unzufrieden. Mehr noch, von diesen unzufriedenen Studierenden könnte sich wiederum ein gutes Drittel eine betriebliche Ausbildung als Alternative vorstellen und die Hochschulen für immer verlassen. Rechnet man diese Zahlen hoch, sind rund 300.000 Studenten massiv von einem Studienabbruch bedroht. Für die Bildungspolitik ist das mindestens eine gelb-rote Karte, hat sie doch für viele junge und hoffnungsfrohe Menschen die Weichen falsch gestellt. Mit dem Programm „JOBSTARTER plus“ versucht das Bundesbildungsministerium zwar Wiedergutmachung, indem es Studienabbrecher durch die Anerkennung von Studienleistungen für die betriebliche Ausbildung eine Verkürzung der Ausbildungszeit ermöglicht. Freilich ist das Ganze kaum mehr als ein Tropfen auf den berüchtigten heißen Stein.

Über die Gründe von Studienabbrüchen wird viel spekuliert, bewiesen ist bisher freilich wenig. Das beginnt bereits bei den statistischen Grundlagen. Eine Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) Hannover bestätigt das. Es sei davon auszugehen, dass es sich bei einem erheblichen Teil der Angaben zu den Schwundquoten von Studierenden lediglich um Schätzungen der Hochschulen handele, heißt es in der im letzten Jahr veröffentlichten Untersuchung. Deshalb taugen die vorliegenden Zahlen kaum mehr als zum Aufzeigen von Tendenzen. Aber auch die sind eindeutig. Und werden indirekt durch die Angaben des Statistischen Bundesamtes zu den Studienanfängern gestützt. Ein stetig zunehmender Teil der Studienanfänger befindet sich nämlich bereits im zweiten, dritten oder sogar in einem noch weiter fortgeschrittenen Hochschulsemester, war also vorher in einem anderen Studienfach eingeschrieben, ohne es abgeschlossen zu haben.

Wer ist von der Gefahr eines Studienabbruchs besonders bedroht und wie können sich Studienanfänger davor schützen? Wir haben drei Experten um Auskunft gebeten. Rainer Hoppe ist als Studien- und Berufsberater immer öfter als Nothelfer gefordert. Professor Marold Wosnitza von der Rheinisch-Westfälisch Technischen Hochschule Aachen forscht seit Jahren zum Thema. Philipp Nolden, ebenfalls von der RWTH Aachen, schreibt aktuell seine Doktorarbeit darüber. Aber lesen Sie selbst. (bart)

•   Jeder Studienabbruch hat seine eigene Geschichte (Rainer Hoppe)

•   Studienvoraussetzungen und Anforderungen müssen passen

       (Sieben Fragen an Marold Wosnitza und Philipp Nolden)

Weiterführende Informationen

Ergebnisse der Studierendenbefragung zur Attraktivität der beruflichen Bildung (StAB):

https://www.bibb.de/de/37652.php

DZHW-Studie „Studienbereichsspezifische Qualitätssicherung im Bachelorstudium. Befragung der Fakultäts- und Fachbereichsleitungen zum Thema Studienerfolg und Studienabbruch“:  http://www.dzhw.eu/pdf/pub_fh/fh-201503.pdf

Exmatrikulierten-Befragung der Universität Konstanz 2010 - 2014: http://www.aktuelles.uni-konstanz.de/presseinformationen/2015/71/

Ausgewählte Ergebnisse der Studierendenbefragung der Justus-Liebig-Universität Gießen 2014 : http://www.uni-giessen.de/org/admin/stab/stl/servicestelle/datenportal/datencontainer/oeffentlichrechte/Studierendenbefragung/2014/dateien_oeffentl/stb14bericht

„JOBSTARTER plus“: http://www.jobstarter.de/de/studienabbrecherinnen-und-abbrecher-1923.php


Jeder Studienabbruch hat seine eigene Geschichte

Von Rainer Hoppe

Nach vielen Jahren in meinem Job als Studien- und Berufsberater habe ich gelernt, dass das Scheitern im Studium unabhängig von Zeit und Raum erfolgt. K 2Zu mir kommen Studenten kurz nach Beginn ihres Studiums. Das ist die Mehrzahl. Doch es kommen auch solche aus den mittleren Semestern. Und es kommen sogar einige, die kurz vor dem Abschluss stehen. Sie alle plagt ein Problem, es geht nicht mehr weiter. Klagen die einen über zu hohe fachliche Anforderungen und eine nicht zu bewältigende Stoffmenge, ächzen andere in den mittlerweile stark verschulten Studienstrukturen unter einem dauerhaften Prüfungsdruck, der kaum Zeit zum Luftholen lässt. Wieder andere fühlen sich in der Anonymität der immer größer werdenden Hochschulen schlicht allein gelassen. Nirgendwo in Europa fällt die Relation von Professoren zu Studenten so schlecht aus wie an deutschen Hochschulen. Viele tun sich darüber hinaus schwer, Ihren Lernprozess eigenverantwortlich und vorausschauend zu planen. Fast alle Studienabbrecher haben ein Motivationsproblem.

Oft wird auch das Geld als Grund für das Studienversagen genannt. Die finanzielle Situation von Studierenden ist längst nicht so rosig, wie man das an den Stammtischen oft meint. Weniger als 40 Prozent der Studierenden erhalten eine Förderung durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG), aber nur ein Drittel den Höchstsatz. Da wird die Versuchung groß, die studentische Haushaltskasse durch einen Nebenjob aufzufüllen. Das aber geht bei prall gefüllten Bachelor-Studienplänen auf die Knochen oder die Studienleistungen oder auf beides. Damit ist die Aufzählung der Gründe für einen Studienabbruch noch immer nicht vollständig. Nicht selten beklagen Studierende die mangelnde Berufsrelevanz der Studieninhalte. Zuletzt entdeckt der eine oder andere Studierende in Praktika oder einem seiner Nebenjobs Interessen, Fähigkeiten und Talente, die er/sie bis dahin gar nicht kannte oder sich nicht zugetraut hätte. Und manchmal entwickeln sich daraus völlig neue sowie abseits des Studienfachs liegende Möglichkeiten.

Studienabbrecher sind keine Versager

Günther Jauch ist bestes Beispiel dafür, dass ein Studienabbruch für den Einzelnen kein Weltuntergang und schon gar nicht das Ende aller beruflichen Karriereträume sein muss. Nicht alle, aber eine zunehmende Zahl von Arbeitgebern, abhängig von Branche und Größe desK 3 Unternehmens sowie der Fachrichtung des Abbrechers und dem Zeitpunkt des Abbruchs, suchen solche Bewerber inzwischen ganz gezielt. Sie sind gebildet, haben selbständiges und Teamarbeiten gelernt. Sie gelten als entscheidungsfähig, motiviert und zielstrebig. Schließlich wollen sie sich und ihrem Umfeld beweisen, dass der Abbruch des Studiums ein „Unglücksfall“, aber keine Störung der Persönlichkeit war. Im Übrigen erweisen sich die meisten als überdurchschnittlich leistungs- und aufstiegsorientiert. Das alles imponiert Arbeitgebern. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag formuliert es folgendermaßen: „Da sie häufig schnell komplexe Sachverhalte erfassen können, sind Studienabbrecher aus Firmensicht in besonderem Maße für anspruchsvollere Berufsbilder … geeignet.“ (Position. Das IHK-Magazin für Berufsbildung, 2. Quartal 2016) Gleichwohl ist jeder Studienabbruch ein in höchstem Maße individueller Prozess, der von jedem Einzelnen alleine durchlebt, oft auch einsam durchlitten wird.

Tatsächlich hat jeder Studienabbruch seine eigene Geschichte. Ich weiß, wovon ich spreche. Da ist der, der nach einem Semester Ägyptologie feststellt, dass das Fach sich doch anders darstellt, als von ihm gedacht und erhofft. Da ist der, der in vierzehn Semestern Informatik-Studium schon zum zwölften Mal durch die Mathematik-Klausur gefallen ist und dem langsam dämmert, dass er sie wahrscheinlich auch im dreizehnten Anlauf nicht schaffen wird. Was verbindet diese beiden Studienabbrecher außer der Tatsache ihres Scheiterns? Hat der erste alle Rechte dieser Welt, sich und seine Entscheidung auf Tragfähigkeit überprüfen zu dürfen, leidet der andere unter dem Versäumnis der Universität, die in ihrer Prüfungsordnung – warum eigentlich? – die Anzahl der Prüfungsversuche nicht auf ein sinnvolles Maß begrenzt hat.

Zielorientierte Vorbereitung minimiert Risiko

Im Folgenden werde ich mich auf die zahlenmäßig größte Gruppe der Studienabbrecher konzentrieren, die also, die das Handtuch in den ersten Semestern werfen. K 4Zwar sollte man schon erwarten, dass sich Studieninteressierte mit den Inhalten ihres Wunschstudienfachs auseinandergesetzt, die entsprechenden Studien- und Prüfungsordnungen eingesehen, die Studienbedingungen und die Wohnverhältnisse vor Ort erkundet, mit Studierenden des Fachs geredet und Beschreibungen späterer Beschäftigungsmöglichkeiten studiert haben. Leider aber klaffen hier Anspruch und Wirklichkeit zu oft auseinander. Doch auch bei bester Vorbereitung gibt es natürlich keine vollständige Sicherheit oder gar Garantie auf einen Studienerfolg. Und wie sollen junge Menschen auch Entscheidungen über etwas treffen, für das es keine Entsprechung zu den bisherigen Schulfächern gibt? Da bleibt manchmal nur der Sprung ins kalte Wasser und die Hoffnung, darin nicht unterzugehen.

Das anerkennt auch der Gesetzgeber. Deshalb erlaubt das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) unter engen Bedingungen einen zweiten Versuch. Dann nämlich, wenn Studierende nach einem Semester zu der Erkenntnis gelangen, sich wegen fehlender Eignung mit dem gewählten Fach vertan zu haben. Sie erhalten für den Neustart noch einmal die volle Förderung. Darin schwingt freilich die Hoffnung mit, dass der zweite Anlauf besser vorbereitet ist. Bei einem späteren Fachwechsel wird die Begründung für eine nochmalige BAföG-Förderung zunehmend schwieriger. Schon ab dem dritten Semester tendieren die Chancen gegen Null. Dabei pflegte mein ehemaliger Kollege Rolf Hagedorn zu sagen: „Wer Umwege läuft, lernt die Stadt kennen.“ Und in der Tat zünden Fehler oft den Turbo. Gespräche mit Studienabbrechern erreichen in aller Regel eine hohe Intensität und Konkretheit, die ich bei so manchem Schüler noch vermisse. Der erste Studienversuch war deshalb nicht umsonst und nur in den seltensten Fällen verschwendete Zeit. Man hat sich selbst kennengelernt! Endlich weiß man um seine Interessen, Stärken und Schwächen.

Kritische Phase in den ersten Wochen

Es mag überraschend klingen. Doch es wiederholt sich jedes Jahr. Der höchsten Gefährdung, die Brocken hinzuwerfen, sind Studierende in den ersten Wochen unmittelbar nach Studienbeginn ausgesetzt. Alles ist neu, alles ist unbekannt, nichts und nirgendwo etwas K 5Vertrautes. Für viele Studienanfänger ist das ein Schock. Immer mehr Hochschulen bemühen sich deshalb inzwischen gerade in dieser Zeit ganz besonders um die „Erstis“. Trotzdem bleibt es für die meisten eine Zeit voller Ängste. Eine Uni ist keine Schule, die in ein oder zwei Gebäuden einen für alle Jahrgänge und ein ganzes Schulhalbjahr geltenden Stundenplan umsetzt! Allein die nicht gerade große Universität Osnabrück mit ihren 13.000 Studierenden verfügt über 69 Hochschulgebäude, die über die ganze Stadt verstreut sind. Professoren sind keine Lehrer und wollen es auch nicht sein. Das Vokabular ist fremd, das Tempo der Wissensvermittlung nicht mehr mit dem in der Schule vergleichbar. Jeder ist für seinen Erfolg selbst verantwortlich.

Zum ersten Mal sind die jungen Menschen ganz auf sich zurück geworfen. In der Wohnung – allein. In den Vorlesungen, im Seminar, in der Mensa – fremde Gesichter. Naheliegend wäre, das Gespräch mit anderen Erstsemestern zu suchen. „Bist du auch ganz neu?“ oder „Ich fühle ich mich hier manchmal ziemlich einsam!“ Und schon wäre der Kontakt hergestellt. Aber wer traut sich das schon? Man ist ja stark. Und so cool, dass es sogar im Hochsommer um einen herum schneit! Diese Nöte sind auch den Hochschulen nicht verborgen geblieben. So gibt es vielerorts Einführungs- und Erstsemesterwochen. Manchmal organisieren die Studierendenvertretungen sogar Stadtführungen. Dennoch bleibt: Je größer die Hochschule und die Hochschulstadt, desto stärker die Vereinzelung. Und dieses Gefühl des Alleinseins kann den Eindruck verstärken, dass man völlig fehl am Platz ist, dass die Entscheidung für ein Studium die falsche war.

Klarheit über die eigenen Ziele gewinnen

Viele Abiturienten entscheiden sich vor diesem Hintergrund erst einmal für eine Zwischenstation: work & travel, au pair, einen Sozialen Dienst im Ausland, ein Freiwilliges K 6Soziales/Ökologisches/Kulturelles oder Wissenschaftliches Jahr, den Bundesfreiwilligendienst, das Niedersachsentechnikum, die Bundeswehr, für Praktika oder irgendwelche Jobs. Auf jeden Fall nicht gleich ins Studium! Tatsächlich sind zahlreiche G8-Abiturienten bei Studienbeginn noch nicht einmal volljährig. Und können deswegen weder ihre eigene Immatrikualtion an der Hochschule noch den Mietvertrag im Studentenwohnheim unterschreiben. Ich möchte hier nicht gegen diese Zwischenstationen polemisieren. Der Gewinn für die Persönlichkeitsentwicklung ist in aller Regel hoch. Gleichwohl fällt auch in dieser Zeit die Studienwahlentscheidung nicht vom Himmel. Wer aus dieser Hoffnung in die Parkposition geflüchtet sein sollte, ist zwar um ein Jahr älter, aber nicht wirklich klüger geworden. Irgendwann jedoch gilt es, den Sack zuzubinden.

An der Aufgabe, die eigenen fachlichen wie persönlichen Voraussetzungen zu analysieren, seine Wünsche nach Wichtigkeit zu ordnen und alles dann mit den einschlägigen Studienganginformationen abzugleichen, führt weiter kein Weg vorbei. Neu sind diese Dinge alle nicht. Sie betrafen schon ungezählte Studentengenerationen zuvor. Und es gab vielfältige Versuche der Hochschulen, dem zu begegnen. Schließlich gab es während der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts insbesondere an den zahlreichen Hochschulneugründungen, den sogenannten Reformuniversitäten, die Erkenntnis, die Probleme von Studienanfängern betreffen jeden Einzelnen ganz individuell, und doch betrifft es alle. Deshalb richtete man Orientierungswochen, gelegentlich ganze Orientierungssemester (Studium orientale) ein. Die Erstis sollten zielorientiert, aber doch behutsam an die Hochschule, deren Studienanforderungen, die Strukturen wissenschaftlichen Arbeitens, einer sinnvollen Nutzung der Universitätsbibliothek sowie natürlich auch der neuen Prüfungssystematik herangeführt werden.

Suche nach Orientierungshilfen

Diese Orientierungsphasen waren äußerst erfolgreich, sind aber allesamt dem Diktat eines vorrangig aus Kostengründen K 7komprimierten Bachelor-Studiums zum Opfer gefallen. Am Ende des ersten Semesters warten bereits Klausuren! Nur einzelne Hochschulen konnten Reste dieser Orientierungs-Idee bewahren. Die Universität Lüneburg etwa wirbt mit den von ihr gebotenen Möglichkeiten der systematischen Studieneinführung. Andere Hochschulen bieten Einführungswochen an. Im Unterschied zu Lüneburg allerdings vor Semesterbeginn, um die ohnehin vollgepackten Curricula nicht noch weiter aufzublähen. Das inzwischen freilich organisatorisch, programmatisch und finanziell in die Jahre gekommene Leibniz-Kolleg Tübingen bietet in Zusammenarbeit mit der gegenüberliegenden Universität als einziger überlebender Dinosaurier ein zehnmonatiges Studium Generale an. Die Hochschulen, mehr noch die Bildungspolitik, müssen sich fragen lassen, warum sie auf diesem Problemfeld nicht endlich mehr tun. Die Kosten sollten kein Argument sein. Denn immerhin sind Studienabbrüche allemal die teurere Lösung.

Darüber hinaus besitzen die Hochschulen mit den Zentralen Studienberatungen, den Fachstudienberatern sowie den Psychosozialen Beratungsstellen bereits eine entsprechende Infrastruktur. Es mangelt allerdings an Geld, Planstellen, dem Willen und nicht selten auch den erforderlichen Qualifikationen. Pathos ersetzt nur selten Fachkompetenz. Fast immer aber fehlt es am Problembewusstsein der Hochschulleitungen, die die Zentralen Studienberatungen häufig als bloßes Marketinginstrument missbrauchen. Viele der Schüler, die nach einem Kontakt mit der Zentralen Studienberatung in mein Büro kommen, äußern sich tief enttäuscht. Sie suchen keine Werbeveranstaltung, sondern seriöse Informationen und eine neutrale Entscheidungshilfe. Potentielle Studienabbrecher wiederum klagen über die Arbeitsmarktferne so mancher Professoren, die in ihren Augen Realitätsferne ist, auch wenn sie natürlich wissen, dass diese Aufgabe nicht zum Tätigkeitskatalog eines Professors gehört. Nur wenige Studienanfänger verstehen, dass ein Studium keine simple Berufsausbildung ist.

Fehlende persönliche Zuwendung

Dürfte ich Vorschläge zur Reduzierung der viel zu hohen Studienabbrecherquoten unterbreiten, müsste ich zunächst auch offen bekennen, kein Patentrezept zu besitzen. Wohl aber würde ich K 8ein enges Netz von studentischen und professoralen Coaches für Erstsemester – und vielleicht auch die höheren Semester – empfehlen. Nicht um jeden und alle irgendwie bis zum Examen tragen zu können. Nein, nein. Sondern um denen, die die richtige Studienwahl getroffen haben, optimale Fördermöglichkeiten zu garantieren, und den anderen frühzeitig bei der unumgänglichen Kurskorrektur helfen zu können. Das Weiterstudium nach dem zweiten Semester vom Nachweis eines Beratungsgesprächs abhängig zu machen oder es auch nur freiwillig anzubieten, so wie es einige Hochschulen mittlerweile tun, kommt viel zu spät und ist kaum mehr als ein Ausdruck von Hilfslosigkeit. Studium war stets ein Prozess intensiver Diskussion. Dafür braucht es Professoren, die erreichbar sind, und Studierende, die den fachlichen wie persönlichen Austausch suchen.

Ich sehe schon das mitleidige Lächeln auf den Gesichtern der Protagonisten auf allen Seiten. Dabei habe ich Verständnis für die Zwänge, in die sich die Hochschulen gestellt sehen. Doch kann ich mich gleichzeitig nicht des Eindrucks erwehren, dass sich der eine und andere darin gut eingerichtet haben. Hat man je lautstarke Proteste von Professoren gegen die Unsitte der Überbuchung von Studiengängen in den ersten Semestern gehört? Vereinzelt, gewiss. Doch die Mehrheit hat mit den Überlastquoten schnell seinen Frieden gemacht und das getan, was die Präsidenten zwar nicht laut anordnen, aber erwarten, nämlich die Zahl der Studierenden zügig zu reduzieren. Weniger durch fieses Herausprüfen. Viel mehr, indem man die jungen Menschen sich selbst überlässt, statt sich ihnen als Gesprächspartner zur Verfügung zu stellen und eine Brücke in eine ihnen noch unbekannte Welt zu bauen. Zugegeben, manche Studienanfänger und Studierende wollen das nicht. Doch die Mehrzahl wäre dankbar, da bin ich mir nach unzähligen Gesprächen mit Studienabbrechern sicher.

Gezielte Hilfen für den Neustart

Meine Kollegen und ich von den Arbeitsagenturen sind vor allem gefragt, wenn Studierende grundsätzliche Alternativen zu ihrem derzeitigen Status suchen und lieber eine Perspektive ohne einen akademischen Abschluss anstreben wollen, etwa in einer betrieblichen oder einerK 9 Ausbildung an Berufsfachschulen. Noch öfter werden Möglichkeiten für eine berufliche Orientierung gesucht. Wir haben zwar die Instrumente der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BVB) sowie der Einstiegsqualifikation (EQ), auf die entsprechenden Applikationen für den Personenkreis der Studienabbrecher aber warten wir bislang vergebens. Die latenten Ängste, derartige Angebote hätten Aufforderungscharakter und würden die Zahl der Studienabbrecher zusätzlich in die Höhe treiben, sind unbegründet. Niemand beginnt ein Studium aus Jux und Tollerei, und niemand bricht es leichtfertig ab.

Manches Unternehmen ist da, wie eingangs schon geschildert, bereits viel weiter und bietet im Einzelfall speziell auf Studienabbrecher zugeschnitte Ausbildungsangebote.

Studienabbrecher mit Prüfungsängsten benötigen nicht selten therapeutische Hilfe. Leider sind die Psychosozialen Beratungsstellen (PSB) der Hochschulen ebenso hoffnungslos unterbesetzt wie überlaufen. Nicht selten allerdings liegen die Gründe für einen Studienabbruch auch nur in mangelnder Motivation. Und die wiederum speist sich aus dem mit der praktischen Anwendung unverbundenen theoretischen Übergewicht. Auch da halten die Hochschulen mit den Career Centern entsprechende Strukturen bereit. Aber auch deren Dimensionierung ist nicht ausreichend. Im Übrigen fehlt eine zielführende Abstimmung zwischen dieser Institution und den Fachbereichen. Und ja, die Curricula lassen für solcherlei Bedürfnisse kaum Raum. So liegt die Hauptlast also weiter auf den Schultern der Studierenden. Es bleibt noch viel zu tun, bis die Zahl der Studienabbrüche ein tolerables Niveau erreicht haben wird.



Studienvoraussetzungen und Anforderungen müssen passen

Sieben Fragen an Prof. Marold Wosnitza und Doktorand Philipp Nolden von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen

Herr Prof. Wosnitza, Herr Nolden Sie beobachten das Problem vorzeitiger Studienabbrüche schon seit geraumer Zeit. Der Erfahrungsbericht unseres Autors Rainer Hoppe, eines langjährig erfahrenen Studien- und Berufsberaters, weist vor allem drei Problemgruppen aus: Studienanfänger, Studenten in der Mitte des Studiums und Prüfungssemester. Deckt sich das mit Ihren Beobachtungen?

Wosnitza/Nolden: Ja, grundsätzlich unterscheiden sich die Studienphasen bezüglich der zu bewältigenden Herausforderungen. Für viele Studienanfänger/-innen geht der Übergang von der Schule zur Hochschule mit sozialen Herausforderungen eines neuen Umfeldes einher. Daneben muss auch die eigenständige Organisation des Studiums und des Lernens sowie Zeitmanagement erlernt und sich an das höhere Lerntempo, die Autonomie und Selbstdisziplin und die größere Prüfungsdichte gewöhnt werden. Das gelungene „Ankommen“ ist hier von zentraler Bedeutung. Dieses Ankommen ist aber von Studierenden zu Studierenden sehr unterschiedlich: bei den einen ist es der Zeitpunkt, wenn er/sie das erste Mal im Hörsaal sitzt, bei anderen wenn er/sie die erste Prüfung bestanden hat und bei wieder anderen ist dies nie der Fall. Im weiteren Studienverlauf sind dann der Aufbau von Kontakten innerhalb der Hochschule sowie das Aufrechterhalten der Lernmotivation entscheidend. Das ‚Am-Ball-Bleiben’ kann jedoch durch viele Faktoren, wie z.B. eine zu umfangreiche Erwerbstätigkeit neben dem Studium, gestört werden. Das Prüfungssemester verliert immer mehr an Bedeutung. Durch das BA/MA-System ist es eher zu einer Dauerprüfungsbelastung gekommen. Studierende benötigen ein großes Maß an Resilienz. (Anm. d. Redaktion: Unter Resilienz versteht man die psychische Widerstandsfähigkeit, die hilft, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönlich und soziale vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen.)

Worin liegen Ihrer Kenntnis nach die Gründe für den Studienabbruch jeder dieser drei Problemgruppen?

Wosnitza/Nolden: Die Herausforderungen der jeweiligen Studienphasen spiegeln sich auch in den unterschiedlichen Abbruchgründen von frühen und späten Studienabbrecher/-innen wider: K 10Während frühe Studienabbrecher/-innen häufig aus Leistungs- oder Motivationsgründen abbrechen, sind bei späteren Abbrechern und Abbrecherinnen externe Gründe, wie z.B. die Finanzierung oder eine fehlende berufliche Perspektive, bedeutsamer. Falsche Erwartungen und Vorstellungen vom Studium, ggf. durch mangelnde Information vor der Studienfachwahl werden ebenfalls eher in frühen Stadien des Studiums offenbar. Kontakte zu Kommilitonen und Kommilitoninnen und zum Fachbereich sind für den Studienverlauf bedeutsam, sodass eine ausbleibende Integration das Abbruchrisiko erhöht.

Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Gründe nicht ausschließlich bei den Studierenden selbst gesucht werden können. Zum einen unterscheiden sich Studiengänge sehr stark in ihren Abbrecherquoten und zum anderen deuten einige Studien darauf hin, dass auch Studienbedingungen ein Grund für Studienabbrüche sind. Grundsätzlich sind Studienabbrüche eine dynamische Gemengelage aus vielfältigen individuellen, institutionellen, sozialen und ökonomischen Gründen und Einflüssen, die innerhalb und außerhalb der Universität liegen.

Bei einigen Studienabbrechern entpuppt sich der Studienabbruch lediglich als Fachwechsel, andere verlassen die Hochschule stattdessen für immer. Untersuchungen zeigen, dass die letzteren im späteren Berufsleben gleichwohl sehr erfolgreich sind. Weshalb scheitern sie dennoch in der akademischen Ausbildung?

Wosnitza/Nolden: Oft ist es die fehlende Passung zwischen der Vorstellung eines Studiums und der Studienrealität. Entscheidend ist aber, dass Studienabbruch nicht als ‚Scheitern’ aufgefasst werden muss. Wie in allen Bereichen des Lebens trifft man zu einem bestimmten Zeitpunkt vor dem Hintergrund der einem vorliegenden Informationen – oft auch nur aufgrund eines Bauchgefühls – eine Entscheidung, die man später – oft zu einem Besseren – korrigiert. Ein großer Teil der Studierenden verlässt die Hochschule freiwillig. Und eine solche Korrektur muss kein Nachteil sein, denn grundsätzlich gibt es viele Wege in den Beruf – das Studium ist nur einer davon. Und wie lang und komplex der Weg erstens zum Studium und zweitens zum Abschluss ist, haben wir bereits angedeutet. Auf diesem Weg kann es viele Stolpersteine geben, die nicht immer in der Kontrolle des Studierenden liegen. Zum Problem wird diese Entscheidung, wenn dadurch die Berufsbiographie nicht nur umgeleitet sondern abgebrochen wird.

Stellt sich die Problematik von Studienabbrüchen in den verschiedenen Fachbereichen und Hochschultypen (Universitäten, Fachhochschulen) sowie der Studienform (Präsenzstudium, duales Studium, Fernstudium), gegebenenfalls auch in Abhängigkeit von der Relation Professoren zu Studenten unterschiedlich dar?

Wosnitza/Nolden: Fachbereiche unterscheiden sich wie gesagt stark bezüglich ihrer Abbruchquoten. Laut dem letzten Bericht des DZHW ist die Studienabbruchquote in Mathematik, Natur- und Ingenieurwissenschaften mit 36 bis 39 Prozent deutlich höher als bspw. in Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit 27 Prozent. Die Ursachen für Abbrüche sind dann ebenfalls unterschiedlich. Auch der Hochschultyp spielt durchaus eine Rolle. Während an Universitäten 33 Prozent der Bachelor-Studierenden ihr Studium abbrechen, sind es an den (Fach-)Hochschulen mit 23% vergleichsweise weniger. Inwiefern dies auf unterschiedliche Betreuungsrelationen zurückzuführen ist, ist noch zu untersuchen.

Bezüglich Abbrüchen im Fernstudium gibt es nur wenige offizielle Angaben, sodass eine verlässliche Aussage nicht möglich ist.

Ist das Problem des Studienabbruchs auch abhängig von der sozialen Herkunft, von der Form der Vorbildung (Gymnasium, Fachoberschule, Zweiter Bildungsweg wie Kolleg oder Abendgymnasium, Qualifizierte Berufstätige wie Meister, Techniker, berufserfahrene Facharbeiter) sowie von der Größe der Hochschule und/oder Hochschulstadt?

Wosnitza/Nolden: Die Datenlage zum Einfluss der sozialen Herkunft bzw. das Bildungsniveau des Elternhauses auf Studienabbrüche ist widersprüchlich. Wird jedoch ein Einfluss gemessen, verringert er sich im Verlauf des Studiums. Die häufigen Finanzierungsprobleme sind jedoch ein Indikator, da Studienabbrecher/-innen deutlich weniger finanzielle Unterstützung durch die Eltern erhalten. Der Bildungsweg der Studierenden spielt als Studienvorbereitung eine wichtige Rolle. Insbesondere die Abiturnote bleibt ein wichtiger Prädiktor für den Studienerfolg. Schwächere Schulleistungen erhöhen das Risiko für Leistungsprobleme in der Hochschule. Studierende mit alternativen Hochschulzugangsberechtigungen zum Abitur haben ebenfalls ein erhöhtes Abbruchrisiko. Die Befunde deuten also darauf hin, dass bei geringeren Erfahrungen mit der Welt der Hochschule über das soziale Umfeld oder den vorherigen Bildungsverlauf im Studium mehr Anpassungsanstrengungen zu erbringen sind.

Die Bildungspolitik hat die Umstellung von der Diplom- auf die Bachelor-Master-Struktur unter anderem damit begründet, auch Studenten mit fachlichen wie Motivationsproblemen einen Abschluss zu ermöglichen und damit die Zahl der Studienabbrecher zu reduzieren. Diese Hoffnung, die natürlich auch eine mit Blick auf die volkswirtschaftlichen Kosten war, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil sind die Abbruchquoten in den Bachelorstudiengängen weiter angestiegen. Was müsste an den Hochschulen geändert werden, damit weniger Studenten ihr Studium abbrechen, etwa ein orientierendes Studium Generale, Studienpaten oder Ähnliches?

Wosnitza/Noden: Viele Hochschulen haben in den letzten Jahren ihre Anstrengungen zur Vermeidung von Studienabbrüchen deutlich erhöht und vielfältige Unterstützungs-Maßnahmen für die Herausforderungen in den unterschiedlichen Stadien des Studiums eingeführt. Beispielsweise werden häufig Self-Assessments zur Unterstützung der Studienentscheidung angeboten oder intensive Mentoringsysteme während der Studieneingangsphase entwickelt. Einige dieser Maßnahmen zeigen positive Entwicklungen auch wenn sie Studienabbrüche nie gänzlich werden verhindern können. Das Problem ist so komplex, dass es keine Pauschallösung gibt. Verstärkt werden auch Orientierungsjahre diskutiert. Beispielsweise ein gemeinsames Orientierungsjahr von Fachhochschulen und Universitäten in den Ingenieurwissenschaften so wie bei uns in Aachen (https://www.guterstudienstart.de/). K 11Nach dem Jahr trifft der/die Studierende die Entscheidung, in welchen ingenieurwissenschaftlichen Studiengang er/sie eintreten will und ob er/sie diesen an der Fachhochschule oder der Universität absolvieren möchte. Leistungen aus dem Orientierungsjahr können anerkannt werden. Die Konsequenz ist eine verlängerte Studiendauer um bis zu einem Jahr.

Gleichzeitig verstärken die Hochschulen jedoch auch das Problem: Im Zuge des Bologna-Prozesses haben sich Hochschulen und Studiengänge sehr stark ausdifferenziert und das Studienangebot deutlich komplexer gestaltet. Dadurch wird der Informationsaufwand der Studienentscheidung umfangreicher und schwieriger und das Risiko einer ‚falschen’ Studienfachwahl im Sinne einer fehlenden Passung zwischen z.B. Interesse und Angebot oder Studienvoraussetzungen und Anforderungen steigt. Insofern wird die Bedeutung von Studienberatungen innerhalb und außerhalb der Hochschulen sowie Maßnahmen für den Übergang von Schule zur Hochschule mutmaßlich weiter zunehmen.

Sucht man die Gründe jedoch nicht nur bei den Studierenden, könnten auf Basis der bisherigen Erkenntnisse auch strukturelle Maßnahmen Abbrüchen entgegenwirken: Den hohen Abbruchzahlen aufgrund von Finanzierungsproblemen könnte bspw. mit gezielten Fördermaßnahmen oder Stipendien entgegengewirkt werden.

Begreift man die Hochschule als Interaktionskontext, sind auch die Hochschulen, Fachbereiche und Fakultäten aufgefordert, ihr Studienangebot ständig auf Qualität und Angemessenheit bezüglich der Bedürfnisse und Anforderungen ihrer Studierendenschaft zu überprüfen und ggf. anzupassen.

Wie kann sich der einzelne Studienanfänger ganz persönlich vor der Gefahr eines Studienabbruchs wappnen?

Wosnitza/Nolden: Eine fundierte und gut informierte Studienfachwahl ist ein guter Start in das Studium. Je eher ein Bewusstsein über die eigenen Interessen, Stärken aber auch Schwächen vorhanden ist, desto gezielter können Informationen gefiltert werden. Das herauszufinden ist nicht leicht, aber das Spektrum an Unterstützungsangeboten ist vielfältig und es ist jedem zu empfehlen, es anzunehmen. Im Studienverlauf ist dann Selbstreflexion zentral. Sich selbst und die Studiensituation kritisch zu hinterfragen, an sich zu arbeiten und Misserfolge nicht nur auf andere abzuwälzen sind die großen Herausforderungen des Studiums. Resiliente Studierende können mit diesen Problemen besser umgehen. Resilienz fördernde Maßnahmen und Trainings können bei abbruchgefährdeten Studierenden helfen.

Zudem gilt es rechtzeitig zu erkennen, wann Hilfe nötig ist und diese dann auch in Anspruch zu nehmen. All dies ist einfacher, wenn Studierende an der Hochschule Anschluss finden – alleine ist der Weg durch das Studium um ein vielfaches schwieriger. Wichtig ist es jedoch auch, sich nicht übermäßig unter Druck zu setzen – dieser Hinweis gilt auch für das Umfeld und insbesondere Eltern. Ein Fachwechsel ist keine Schande und auch wenn es mit dem Studium nicht klappt, gibt es viele Möglichkeiten, die einen erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben ermöglichen.


Die Fragen stellte Hans-Martin Barthold.